20.09.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Union muss in der Oberpfalz überdurchschnittliche Verluste hinnehmen - Alle anderen Parteien ... Vor allem die Nichtwähler schaden der CSU

von Uli Piehler Kontakt Profil

Nach dem überraschenden Ausgang kommt die - für manche bittere - Analyse dieser vorgezogenen Bundestagswahl. Dabei ist für die Oberpfalz klar: Die CSU ist der große Verlierer des Urnengangs. Die Partei musste im Bezirk gegenüber dem Wahlergebnis von vor drei Jahren 11,9 Prozentpunkte abgeben - so viel wie noch nie zuvor. Sie erreicht in der Oberpfalz nach 63,1 nur noch 51,2 Prozent. Damit liegt die Partei von Edmund Stoiber zwischen Regensburg und Tirschenreuth zwar knapp über dem Bayern-Ergebnis, der Absturz fällt jedoch größer aus, als im bayernweiten Durchschnitt: Im Freistaat büßte die CSU 9,3 Prozentpunkte ein.

Alle anderen Parteien legten in der Oberpfalz leicht zu. Sogar die SPD, die bayernweit 0,6 Prozentpunkte schlechter abschnitt, steigerte ihr Ergebnis im Bezirk um einen glatten Prozentpunkt von 26,0 auf 27,0. Vor allem aber profitierten die FDP und die Linkspartei. Die FDP konnte ihren Stimmenanteil im Bezirk mehr als verdoppeln. Nach 3,2 Prozent im Jahr 2002 erreichten die Liberalen um Frontmann Horst Meierhofer am Sonntag 7,5 Prozent (plus 4,3). Die Linkspartei gewann 3,1 Prozentpunkte hinzu, nachdem die PDS bei der Wahl vor drei Jahren lediglich 0,5 Prozent holen konnte. Besonders verloren hat die CSU laut einer Analyse des Kaufbeurener Instituts für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung im Wahlkreis 235 (Schwandorf/Cham). Hier haben im Vergleich zur Bundestagswahl 2002 fast 30 000 Wählerinnen und Wähler der Partei den Rücken gekehrt. Das Minus fiel mit 13,9 Prozentpunkten besonders deutlich aus. In den Wahlkreisen 233 (Amberg/ Neumarkt) und 236 (Weiden/Neustadt/Tirschenreuth) musste die CSU "nur" den Verlust von 10,7 bzw. 10,8 Prozentpunkten hinnehmen. Auffällig: Im Wahlkreis Schwandorf/Cham liefen verhältnismäßig viele CSU-Wähler zur SPD über. Am meisten jedoch verlor die CSU an die "Partei der Nichtwähler" - und zwar in allen drei Wahlkreisen der nördlichen Oberpfalz. Insgesamt blieben am Sonntag mehr als 33 000 Wähler zu Hause, die 2002 CSU gewählt hatten.

Überall in der Oberpfalz hat die FDP profitiert. Am stärksten im Wahlkreis Schwandorf/Cham auf Kosten der CSU. Ebenfalls eine Gewinnerin: Die Linkspartei. Sie ist die einzige politische Gruppierung, die nicht nur von CSU-Abtrünnigen gewählt wurde, sondern auch von Anhängern der SPD und bisherigen Nichtwählern. "Wenn es außer der Union einen wirklichen Wahlverlierer gibt, dann sind es die Demoskopen", erklärt Dr. Andreas Kohlsche von dem Kaufbeurener Institut. Keiner von ihnen habe auch nur andeutungsweise damit gerechnet, dass die Union dermaßen verlieren und das linke Lager zulegen würde.

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