31.01.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Uralte Nutzungsrechte erschweren notwendige Reparaturen in Eschenbacher Felsenkellern "Alle an einen Tisch setzen"

Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Jedes Kind kennt die vier berühmten Zutaten für bayerisches Bier. Weniger bekannt sind die vier Stationen, die es zumindest früher brauchte, um einen guten Gerstensaft zu brauen und unters Volk zu bringen: Malzhaus, Brauhaus, Felsenkeller und Zoiglstube.

von Hanna Gibbs Kontakt Profil

In Zeiten der industriellen Bierherstellung sind Felsenkeller wie in Eschenbach die letzten Zeugnisse einer Ära, in der fast jedes Haus ein eigenes Brau- und Schankrecht besaß. Seit Jahren setzt sich deshalb Willi Trummer vom Heimatverein für die Wiederbelebung der unterirdischen Gänge ein. Probleme bereiten dabei uralte Nutzungsrechte Eschenbacher Bürger.

Trummers Augen leuchten, wenn er Gäste durch die Felsenkeller führt. Zu fast jedem unterirdischen Raum kann er eine Geschichte erzählen. Im letzten Kriegsjahr könnten ihm die Keller sogar das Leben gerettet haben. Am 20. April 1945 suchte er dort zusammen mit vielen anderen Eschenbachern Schutz vor Luftangriffen der Alliierten.

Autoreifen im Felsenkeller

Vielleicht auch aus Dankbarkeit engagiert sich Trummer nun für den Erhalt der Felsenkeller. Einige hundert Besucher hat er in den vergangenen Jahren durch die dunklen Räume geführt. Ferienkinder, Volkshochschulbesucher und Geschichtsinteressierte aus ganz Bayern tasteten sich mit ihren Taschenlampen vorsichtig durch den Eschenbacher Untergrund. "Und alle waren begeistert", betont Trummer. Doch der derzeitige Zustand der Felsenkeller macht ihm Sorgen.
Vor allem die Backstein-Eingänge sind einsturzgefährdet, da durch Pflanzenwurzeln ständig Wasser in die Mauern sickert. Im Inneren der Keller erschwert Geröll das Vorwärtskommen, an manchen Stellen liegt altes Gerümpel herum. Vor 20 Jahren hat es laut Trummer aber noch viel schlimmer ausgesehen. Im Zuge eines Fledermausprogramms sorgten damals der Heimatverein und die Waldjugend für Ordnung in den alten Gemäuern. "Da haben wir Autoreifen und ganze Kühlschränke gefunden", erinnert sich Trummer.

Vor einiger Zeit hat die Stadt Eschenbach nach Auskunft von Bürgermeister Robert Dotzauer mehrere tausend Euro investiert, um den Erdhügel über dem Eingang eines Kellers von Gestrüpp zu befreien und mit einer Folie zu befestigen. Trummer möchte die Wiederbelebung der Baudenkmäler aber noch weiter vorantreiben. Ihm schwebt eine Sanierung aller drei intakten Felsenkeller im Scheunenviertel vor. Und zwar mit elektrischem Licht in den unterirdischen Räumen und einem Gesamtkonzept, das das Thema Gesundheit in den Mittelpunkt stellt. Die konstante Lufttemperatur von neun Grad in den Kellerräumen, die bis 1966 das Bier besonders gut gären ließ, hält Trummer nämlich auch förderlich für die Gesundheit des Menschen.

Rechtliche Hürden

Während Trummer in diesem Sommer schon ein Felsenkellerfest plant, mit dessen Einnahmen er das Sanierungsprojekt vorantreiben möchte, weist Bürgermeister Robert Dotzauer vehement auf rechtliche Hürden hin. Die unterirdischen Gänge seien durchaus erhaltenswürdig, doch gebe es alte Nutzungsrechte, die geklärt werden müssten, bevor die Stadt noch mehr Geld investiert, so der Bürgermeister.

Hintergrund ist das Eschenbacher Brau- und Schankrecht aus dem 19. Jahrhundert. Demnach ist das Braurecht nicht einer Person oder Familie zugeordnet, sondern einem bestimmten Haus. Während die Altstadtbewohner das Braurecht verloren haben, besitzen viele weiterhin ein Nutzungsrecht in den Kellerräumen. "In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, dass viele Eschenbacher auf ihr Nutzungsrecht pochen. Wenn die Stadt innerhalb der Felsenkeller etwas verändern würde, würde sie in fremdes Eigentum eingreifen", macht Dotzauer klar.

Alle Bürger, die einen Nutzungsanspruch haben, Vertreter des Heimatvereins und der Stadt müssten sich an einen Tisch setzen und gemeinsam eine Lösung finden. Denn, da sind sich Bürgermeister Robert Dotzauer und Willi Trummer einig: "Es tut weh, wenn man zusehen muss, wie sich der Zustand der Felsenkeller verschlechtert."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.