Verbandschef: Personalmangel belastet Justizvollzug in Bayern
Wärter unter Stress

Keine Zeit für ein Gespräch mit den Gefangenen: Bayerns Justizvollzugsbedienstete sind überlastet. Archivbild: Wilck

Die personellen Engpässe in Bayerns Gefängnissen führen nach Ansicht des Verbandschefs der hiesigen Justizvollzugsmitarbeiter dazu, dass die Häftlinge nicht mehr umfassend betreut werden.

"Es läuft darauf hinaus, dass wir die Gefangenen nur noch wegsperren", sagte Ralf Simon in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Sich auch einmal Zeit für die Insassen zu nehmen, wie es der Behandlungsauftrag eigentlich vorsehe, sei heutzutage fast nicht mehr möglich.

Seit Jahren schon kämpften die allgemeinen Abteilungen der Justizvollzugsanstalten im Freistaat mit personellen Engpässen, schilderte der neu gewählte Vorsitzende des Landesverbands der Bayerischen Justizvollzugsbediensteten (JVB). "Es ist unumstritten, dass wir in den vergangenen Jahren mehr Personal bekommen haben. Dieses wurde aber für bestimmte Einrichtungen wie die Sozialtherapie oder auch neu eröffnete Vollzugsanstalten eingestellt." Die Situation im allgemeinen Justizvollzug gestalte sich jedoch sehr schwierig. Dazu zählt unter anderem der Transport von Häftlingen etwa bei Arztbesuchen oder die Überwachung von Gefangenen im Krankenhaus. "Die Personaldecke dünnt immer mehr aus", sagte Simon. Zeit für längere Gespräche gebe es immer seltener.
Den Grund sieht Simon in den zusätzlichen Aufgaben und im immer schwieriger werdenden Klientel, dessen Drogenkonsum und Gewaltbereitschaft in den letzten Jahren gestiegen sei. Dafür werde Personal aus dem allgemeinen Vollzugsdienst abgezogen, kritisierte er. Die Folgen seien ein Berg an Überstunden und stetig steigende Krankentage wegen Überlastung.

In Bayern fehlten rund 600 Bedienstete im allgemeinen Vollzugsdienst, bemängelte der Verbandschef. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern sei der Freistaat in Personalfragen damit das Schlusslicht. Er forderte zugleich, die Zulagen für die Justizvollzugsmitarbeiter zu erhöhen.
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