Verfassungsschutz über die Szene in der Oberpfalz - Schindler: Kein Anlass zur Hysterie
130 gewaltbereite Neonazis

(jum/we) Die rechte Szene in der Oberpfalz ist nach wie vor sehr aktiv. Das geht aus dem Verfassungsschutzbericht für Bayern hervor. Nach der Auflistung gibt es in der Oberpfalz derzeit rund 130 gewaltbereite Neonazis, bayernweit sind es 700.

Größte Einzelgruppierung im Bezirk ist demnach das erst im Mai 2012 gegründete "Nationale Bündnis Oberpfalz" mit rund 50 Mitgliedern, die vorwiegend im Raum Regensburg/Schwandorf aktiv sind. Das Bündnis rekrutiert sich überwiegend aus ehemaligen NPD-Mitgliedern. 20 bis 30 Personen gehören nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes dem "Aktionsbündnis Nordoberpfalz" an, das vor allem im Raum Tirschenreuth tätig ist. Deren Anführer gehört zu den führenden Köpfen des bayernweit aktiven "Freien Netz Süd", dessen Verbot gegenwärtig das bayerische Innenministerium prüft.

Die Aktivitäten des Bündnisses sind laut Verfassungsschutzbericht im Verlauf des Jahres 2012 "stark zurückgegangen". Etwa zehn Personen umfasst der "Widerstand Schwandorf", deren Anführer einen rechtsextremistischen Online-Versandhandel betreibt. Die Gruppierung organisierte 2012 unter anderem eine Veranstaltung in Schwandorf und führte ein "stilles Heldengedenken" für die Opfer des "alliierten Völkermords" im Zweiten Weltkrieg durch. Franz Schindler, Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses im Bayerischen Landtag, mahnte gegenüber unserer Zeitung: "Es besteht kein Anlass zur Hysterie, aber man muss wachsam sein." Auch in unserer Region gebe es Leute, die zu "unkonventionellen Mitteln" greifen würden.

"Keine Dummdödel"

Das Bild der Neonazis habe sich grundlegend geändert, ist sich der Schwandorfer Landtagsabgeordnete sicher: "Das sind keine Dummdödel." Die Zeit der Senioren, die die "Nationalzeitung" kaufen und die Inhalte durch "zufälliges Liegenlassen" verbreiten, sei vorbei. Initiativen wie das rechtsextreme "Freie Netz Süd" zu verbieten, sei sehr schwierig, das es sich um keinen Verein, sondern eine Interessengemeinschaft handle. Bei den Aufmärschen zum Heß-Gedenktag in Wunsiedel habe stets der Verfassungsschutz mitgemischt. Die Veranstaltungen seien teilweise von V-Leute organisiert und beworben worden. Das Unfassbare: "Die V-Leute kannten sich nicht einmal untereinander." In Nordbayern und Thüringen gebe es eine "riesige Szene" bei den Rechtsextremen, so Schindler. Die Polizei bekomme vom Verfassungsschutz wenig Informationen darüber: "Die haben keine Ahnung, dass die Szene jünger geworden ist." Er selbst habe keine Angst vor den Rechtsextremisten: "Ich bin kein Neonazi-Jäger, sondern ich habe einen Auftrag zu erledigen."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.