22.03.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Versammlungsverbot: "Deutsche Burschenschaft" kokettiert offen mit der NPD Neonazis in Nadelstreifen

von Uli Piehler Kontakt Profil

"Neonazis werden nicht von Arbeitslosen stark gemacht, sondern von Nadelstreifen und von viel Geld." Diese Aussage vom SPD-Bundesvorsitzenden Franz Müntefering von Anfang Februar hat - nach den Vergleichen der wirtschaftlichen Situation in Deutschland heute mit der am Ende der Weimarer Republik - zu denken gegeben und bekommt in diesen Tagen neue Aktuaklität.

Jetzt bekommen Neonazis ganz offiziell Rückendeckung von der "Deutschen Burschenschaft" (DB), einem Dachverband deutscher Studentenverbindungen mit mehr als 15 000 Mitgliedern (davon etwa 2500 aktive Studenten und 12 500 "Alte Herren") mit Sitz in Potsdam. Der DB prangert die Verschärfung des Versammlungsrechtes mit Blick auf den 60. Jahrestag des Kriegsendes als "Einschränkung der Bürger- und Freiheitsrechte" an. In einer in der vergangenen Woche verbreiteten Presseerklärung heißt es wörtlich: "Es kann nicht angehen, dass aus ideologischen Gründen linksradikale Schreihälse die deutschen Opfer des Krieges, insbesondere die des durch nichts gerechtfertigten anglo-amerikanischen Bombenterrors am des Krieges (...) verhöhnen dürfen, andererseits aber national-bewusste Meinungsäußerungen gerade an oder in der Umgebung deutscher Symbole oder geschichtsträchtiger Orte verboten werden dürfen." Damit bedient sich der Sprecher der "Deutsche Burschenschaft", Jens-Markus Sanker, neonazistischen Jargons.

Die "Neue Deutsche Burschenschaft" (NeueDB) hat sich inzwischen von den Aussagen Sankers distanziert. Die NeueDB wurde 1996 von acht Bünden als Reaktion auf einen Streit in der "Deutschen Burschenschaft" gegründet. Im Streit ging es um die Frage der Pflichtmensur, die Aufnahme von Mitgliedern mit anderer Staatsangehörigkeit und die Frage nach der Aufnahme von Mitgliedern, die den Wehrdienst verweigert haben.

Der Paderborner Soziologe Arno Klönne warnt vor den Verbindungen der "Deutschen Burschenschaft" in die höchsten Kreise der Gesellschaft. Die Mitgliedschaft in einer der studentischen Verbindungen der DB diene dazu, in Wirtschaft, Politik und Kultur Einfluss zu gewinnen. Über das Prinzip der Protektion durch die "Alten Herren" verschaffe eine Mitgliedschaft dem Einzelnen Aussicht auf einen gut bezahlten Job und dem Verband die Sicherheit, dass elitäres, reaktionäres Gedankengut auf die Schaltzentralen der Macht zumindest einwirkt.

Weitere Informationen im Internet:

http://www.nadir.org/nadir/archiv

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