08.03.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Verwirrung auch Stunden nach Schießerei - Krisenzentrum im "Fürstenkasten" "Es hat Busch, Busch gemacht"

von Uli Piehler Kontakt Profil

Der Vater zieht aufgeregt an seiner Zigarette. "Wo ist unsere Marion?" fragt er die Polizistin, die den Eingang der Rötzer Hauptschule bewacht. "Da ist kein Kind mehr drin", entgegnet die Frau mit einem Funkgerät am Ohr, während zwei Knirpse sich den Weg an den Sicherheitsleuten vorbei nach draußen bahnen.

Der Vater wird laut. "Was soll denn das? Da sind doch noch Kinder da. Ich will wissen, wo meine Tochter ist." Zwei Stunden, nachdem der Schuss im Zimmer der achten Klasse fiel, herrscht immer noch Verwirrung vor dem Schulhaus in Rötz. In der Aula laufen Polizisten hin und her. Lehrer mit Namenslisten und Mobiltelefonen in der Hand, versuchen die Angehörigen der Schüler zu erreichen. Besorgte Eltern laufen zum Haupteingang. Ein Mädchen aus der zweiten Klasse fällt ihrer Mutter um den Hals. "Wir haben gehört, wie es Busch, Busch gemacht hat", sprudelt es aus der Kleinen heraus. Die Frau nimmt ihre Tochter an der Hand und sucht das Weite. Wie paralysiert reiht sich eine andere junge Mutter in den Pulk der Medienvertreter ein, der Polizeisprecher Manfred Schiegl für erste Informationen umringt. Sie vermisst ihren Sohn.

Mitten unter den fragenden Journalisten kommt sie nicht zu Wort. Beim Einkaufen erfuhr sie von der Schießerei. "Ich habe alles liegen und stehen lassen und bin sofort her gefahren." Ihr Sohn geht in die achte Klasse. "Achte Klasse?" fragt ein Polizist. "Die ist komplett bei der Notfallseelsorge im Rathaus." Der Beamte hat den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da machen sich die Eltern im Laufschritt auf den Weg. Bürgermeister Ludwig Reger hat im historischen "Fürstenkasten" ein Krisenzentrum eingerichtet. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit kümmern sich dort Psychologen um die Schülerinnen und Schüler, die die Attacke unmittelbar miterlebt haben.

Noch eine Stunde nach dem Schuss, bis zur zweiten Pause, herrschte an der Schule normaler Betrieb. Dann stellte Schulleiter Albert Spindler den Unterricht ein. Zwischenzeitlich hatten er und seine Lehrer-Kollegen die meisten Eltern telefonisch erreicht. Sofort riegelte die Polizei alle Zufahrtsstraßen ab. Nur noch eintreffende Angehörige durften passieren - und eine ganze Flotte an Omnibussen, die die Schulleitung auf die Schnelle für die Heimfahrt der Schüler organisiert hatte.

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