Viel Spott im Landtag für Idee eines Volksbegehrens über die Zukunft des G8
Aiwanger allein auf weiter Flur

Vielleicht ärgert sich Hubert Aiwanger ja am meisten über sich selbst. Darüber, dass er womöglich voreilig seine Idee für ein Volksbegehren über die Zukunft des achtjährigen Gymnasiums (G8) verkündet und das auch noch zum Thema einer Aktuellen Stunde im Landtag gemacht hat.

Ein Redner nach dem anderen zerpflückt nun seinen Vorstoß. Aiwanger schnaubt, bellt und giftet gegen die Kritik an, aber es hilft nichts. Der Chef der Freien Wähler muss ordentlich einstecken. Am Ende sind es zwei Sätze, die Aiwanger besonders weh getan haben müssen. "Wenn der Hubert Schule macht, bin ich um den Schlaf gebracht", dichtet Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) frei nach Heinrich Heine. Und der Großstädter Christian Ude (SPD) gibt dem niederbayerischen Landwirt die Weisheit auf den Weg: "Man sollte erst gackern, wenn das Ei gelegt ist." Denn auch an diesem Tag hat Aiwanger noch kein konkretes Konzept für seine G8/G9-Wahlvariante.

Dabei ist das Thema an sich wegen des nach wie vor großen Unmuts über das für Schüler, Eltern und Lehrer stressige G8 sehr wohl auf der Tagesordnung. Ude hält die Frage, ob das Gymnasium nicht auch anders als das "Murks-G8" organisiert werden kann, für eines der "heißesten Themen" im anstehenden Wahlkampf. Auch er spricht sich wie Aiwanger dafür aus, die Eltern künftig wählen zu lassen, ob sie ihre Kinder auf ein - dann pädagogisch modifiziertes - G8 schicken wollen oder lieber auf ein mit mehr Lernzeit ausgestattetes G9. "Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten" heißt das im SPD-Sprech.
Ein fertiges Konzept hat Ude dafür freilich auch noch nicht. "Das Thema ist zu komplex, als dass man es übers Knie brechen könnte", erklärt Ude. Deshalb sei es für ein schnelles Volksbegehren, das vor der Landtagswahl gar nicht mehr abgeschlossen werden könnte, nicht geeignet. Ude nennt nur SPD-Eckpunkte, mit denen er als Wahlsieger in die Koalitionsgespräche gehen möchte. So sollte das künftige G8 als Ganztagesschule organisiert sein und pro Landkreis mindestens ein G9 zur Auswahl stehen. Schwierig könnten die Gespräche mit den Grünen werden. Denn die halten von einer G8/G9-Doppelstruktur herzlich wenig. Im ländlichen Raum an kleinen Gymnasien mit wenigen Schülern sei das nicht machbar, erklärt deren Bildungspolitiker Thomas Gehring. Seine Antwort lautet Ganztagesschule und mehr individuelle Lernzeit. Beides wird mehr Geld kosten. Deshalb hat er für Aiwangers Volksbegehren rein gar nichts übrig, weil die Verfassung Plebiszite verbiete, die Mehrausgaben zur Folge hätten.
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