Vom Theologen zum Seelsorger - Katholische Akademie diskutiert über das Papsttum
Anderer Stil, aber dasselbe Amt

Der Münchner Dogmatiker Professor Bertram Stubenrauch (links), der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer (Zweiter von links) und der Jesuit Professor Michael Sievernich SJ (rechts) diskutierten unter der Leitung von Akademieleiter Florian Schuller über das Papsttum. Bild: paa

Der Rücktritt von Benedikt XVI. als Papst hat der katholischen Kirche nicht nur viel Diskussionsstoff beschert. Der Schritt erschüttert auch so manche festgefügte Überzeugung und löst eine neue Dynamik aus. Viele Gläubige dürften wie der katholische Dogmatik-Professor Bertram Stubenrauch darauf hoffen, dass auch der neue Papst Franziskus in kirchlichen Problemfeldern einen ähnlich kreativen Umgang mit der Tradition beweist, wie sein Vorgänger dies mit seinem Rücktritt getan hat.

Beim Forum "Der Papst" der Katholischen Akademie in Bayern in München herrschte zwischen den Referenten, dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, Professor Michael Sievernich SJ und Stubenrauch, Einigkeit, dass sich der neue und der alte Papst vor allem im Stil unterscheiden. Nach dem Theologen, dem Gelehrten Joseph Ratzinger sitzt nun der Seelsorger Jorge Mario Bergoglio auf dem Stuhl Petri. Inhaltliche Differenzen sehen die Referenten nicht.

Voderholzer, dem in seinem Vortrag die Bewertung des Pontifikats von Benedikt XVI. zufiel, ist überzeugt, dass "Papst Benedikt XVI. zunehmend als einer der Päpste des Zweiten Vatikanischen Konzils erkannt werden" wird. Er werde in "einem Atemzug mit Johannes XXIII. und Paul VI. genannt werden".

Interpret des Konzils

Der Regensburger Oberhirte wies auch Vorstellungen zurück, wonach das Konzil (1962-1965) gegen Joseph Ratzinger verteidigt werden müsse. Es werde sich zeigen, dass das Konzil allein mit Benedikt XVI. und "im Licht seiner Texte richtig verstanden werden kann", sagte der Regensburger Bischof, dem als langjährigem Direktor des Papst-Benedikt-Instituts in Regensburg die Herausgabe des Gesamtwerkes von Joseph Ratzinger anvertraut ist. Zur Begründung seiner These führte er unter anderem Benedikts programmatische Antrittsenzyklika "Deus caritas est" sowie eine Reihe theologischer Schriften von Joseph Ratzinger an.
Für Stubenrauch hat Benedikt XVI. mit seinem Rücktritt das "Wesen des Papstamtes" freigelegt. Der Papst sei in erster Linie Bischof von Rom, das bedeute, er sei Bischof unter Bischöfen. Ohne seine Kollegen sei er Nichts. Der Papst ist "kein Priesterkönig" und kein "Zwitterwesen zwischen Himmel und Erde". Er brauche deshalb auch nicht von einem Kreuz herabzusteigen, betonte der Theologe - ein Seitenhieb auf den Krakauer Kardinal und langjährigen Sekretär von Papst Johannes Paul II., Stanislaw Dziwisz. Der Pole hatte Benedikt XVI. nach dessen Rücktrittsankündigung unter Verweis auf dessen Vorgänger vorgehalten: "Vom Kreuz steigt man nicht herunter."

Stubenrauch betonte zudem, dass der Papst auch kein "Delegierter des Kirchenvolkes" oder ein "Weltkirchenpräsident" ist. Zudem habe der Pontifex keine "messianische Aura". Stubenrauch forderte, der Papst solle auf den Titel "Stellvertreter Christi" verzichten. Dieser führe zu Missverständnissen. Mit Blick auf die Einordnung von Benedikt nach seinem Rücktritt sagte der Münchner Dogmatiker: "Es kann nur einen Papst geben", um dann provokativ zu fragen: "Warum dann der Titel ,Pontifex Romanus emeritus'? Warum weiter die Anrede ,Eure Heiligkeit'? Gleichwohl habe Benedikt mit seinem Rücktritt keinen sklavisch-traditionellen sondern einen kreativen Gehorsam gegenüber der Tradition gezeigt. Dies könne beispielgebend sein, etwa bei der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion oder dem Diakonat der Frau.

"Befreiende Theologie"

Der Jesuit Sievernich kennt seinen Mitbruder Bergoglio - von Gastdozenturen in Argentinien und aus der Zeit, als der Südamerikaner erwog, in Deutschland zu promovieren. Bergoglio sei kein "Befreiungstheoretiker, wohl aber eine Praktiker einer befreienden Theologie". Er hebe sowohl auf die "soziale Dimension" als auch auf "Volksfrömmigkeit als Kern der Volksweisheit" ab. Die Gesten von Papst Franziskus seien Ausdruck dessen was er lebe, sagte der Jesuit.
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