Von der Kurzwelle zu Facebook: Die Deutsche Welle feiert ihr 60-jähriges Bestehen
Sprachrohr Deutschlands überall

Redakteure der Deutschen Welle moderieren eine Radiosendung in arabischer Sprache. Bilder: dpa
 
Mitarbeiter der Deutschen Welle verfolgen im Regieraum die Aufzeichnung einer Fernsehsendung.

"Hier ist die Deutsche Welle. Sie hören uns aus Köln über Richtstrahler nach Fernost im 25-Meter-Band auf 11 795 kHz." Mit diesen Worten ging heute vor 60 Jahren, am 3. Mai 1953, die erste Sendung auf Kurzwelle über den Äther. Deutschland hatte acht Jahre nach Kriegsende wieder eine mediale Stimme in der Welt.

Zu hören war in der noch rein deutschsprachigen Premiere eine Eröffnungsansprache von Bundespräsident Theodor Heuss, die sich damals noch an die Auslandsdeutschen "im fernen Lande" richtete. Sie litt allerdings unter technischen Tücken: Das Sendeband im Kölner Studio verklebte unter der Sonneneinstrahlung durch ein Fenster. Die präsidiale Stimme, der die Landsleute in "fernen Lande" wurde immer gequälter und die Schlussworte "Grüß dich Gott!" waren gerade noch vernehmbar.

24 Stunden Programm

Aus dem einstigen Kurzwellensender ist in den vergangenen Jahren ein multimediales Angebot geworden. Mit eigenen TV-Sendungen, einer breiten und viel genutzten Internetpräsenz in 30 Sprachen, mit Podcasts und Audio-Beiträgen. Der Fernsehbasiskanal von DW-TV sendet täglich 24 Stunden auf Englisch. Daneben gibt es Fernsehen auch in Deutsch, Spanisch und Arabisch.

Auch bei Youtube, Facebook und Twitter sowie über Blogs und Apps ist die Deutsche Welle präsent und vor allem bei jungen Menschen am Ball. Vorbei sind die Zeiten, als Kurzwellenhörer aus fernen Ländern sich in handgeschriebenen Briefen für Sendungen bedankten oder um Informationen baten.
Auf den Fluren in der Bonner Zentrale begegnen sich Mitarbeiter aus 60 Nationen und aus Redaktionen für Sprachen wie Haussa, Farsi oder Amharisch. Für alle Welt entstehen in den Studios Beiträge über das Geschehen in Deutschland und aus anderen Ländern. Das reicht von Berichten über die Steueraffäre von Uli Hoeneß, die Frauenquote-Debatte oder den bevorstehenden NSU-Prozess in München bis zu den Spannungen in Ägypten und dem Bürgerkrieg in Syrien.

Lanz und Jauch

Die Säulen des via Satellit und über Partnerstationen empfangbaren sowie jederzeit auch im Internet oder auf mobilen Endgeräten abrufbaren TV-Programms sind die 30-minütige Nachrichtensendung "Journal" und das tägliche Magazin "Euromaxx - Leben und Kultur in Europa". Bei "Kick off!" gibt es Bundesligaberichte. Von ARD und ZDF übernimmt die Deutsche Welle einzelne Beiträge und auch eine ganze Reihe von Sendungen direkt, etwa den "Bericht aus Berlin", die Talkshows mit Günther Jauch und Markus Lanz oder auch "Neues aus der Anstalt".
Die Anfangsjahrzehnte der Welle waren geprägt vom Kalten Krieg. In der Spannungslage wurde das Kurzwellenprogramm hinter dem "Eisernen Vorhang" häufig gestört. In den kommunistischen Ländern war die Deutsche Welle eine wichtige "Stimme der Freiheit". Mit dem Ende der kommunistischen Regime hat sich auch die Rolle der Welle in diesen Regionen gewandelt. Wie für andere Teile der Welt soll vor allem ungefiltert vermittelt werden, wofür Deutschland steht, welche Themen diskutiert werden, wie sich Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur entwickeln.

Dabei konkurriert DW-TV mit derzeit fast 30 internationalen Sendern. Der langjährige Intendant Erik Bettermann, an dessen Stelle Anfang Oktober Peter Limbourg tritt, beschreibt diese Herausforderung: "Der Wettbewerb um die Meinung der Weltöffentlichkeit hat sich durch immer mehr Angebote insbesondere im Fernsehbereich drastisch verschärft. Deutschland braucht eine starke mediale Außenpräsenz, um seine Positionen zu vermitteln."

Ausdrücklich besteht die Aufgabe des von der Bundesregierung finanzierten Senders darin, einen rechtsstaatlichen Aufbau in der Welt zu fördern. Das heißt auch Eintreten für Menschenrechte. Und das auch hinter neuen "Eiserne Vorhängen", wie die Beispiele China oder Iran zeigen. Dort wird das Internetangebot der Deutschen Welle immer wieder gesperrt.
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