28.04.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Vor 100 Jahren: Bayerische Überlandcentrale Ponholz - Unternehmen Vorläufer der OBAG Kapitel deutscher Energiegeschichte

Maxhütte-Haidhof/Ponholz. Im Jahre 1835, also 35 Jahre nach Entdeckung der Wackersdorfer Kohle, bemerkten die zwei Hüterbuben Sepp Gruber und Xaver Sperl in der Nähe von Verau, dass sich ihr Lagerfeuer fast nicht löschen lies. So wurde durch Zufall ein Kohlevorkommen gefunden. Aus dieser Entdeckung entwickelte sich auf einigen Umwegen später die OBAG.

von Redaktion OnetzProfil

Wie in Wackersdorf, so sollte auch in Ponholz südlich von Schwandorf eine Brikettfabrik entstehen. Dazu hatte im April 1898 die Oberpfälzische Braunkohlengewerkschaft Haidhof 2700 Hektar Grubenfeldern aus Privatbesitz übernommen und ab 1903 eine Förderschachtanlage und eine Brikettfabrik errichtet. Bereits 1907 ist die Brikettieranlage fertig.

Es treten aber Probleme auf, die nicht einkalkuliert waren. Die aus dem Schacht geförderte Kohle hatte einen sehr hohen Wasser- und Tongehalt, so dass sich die Verarbeitung zu Briketts kaum lohnte. Die letzte Expertise dazu wird am 12. August 1908 vom Bergwerksdirektor Patschke aus Frankensleben unterzeichnet. Es ist das endscheidende Gutachten, das schließlich zur Gründung eines neuen Stromunternehmens in der Oberpfalz führt - der Bayerischen Überlandcentrale als Vorgängerin der späteren OBAG.

Ostbayern noch unversorgt

Am 12. Juni 1908 wird im oberpfälzischen Haidhof die Bayerische Überlandcentrale gegründet, mit dem Ziel eines Dampfkraftwerkes auf der Basis der Ponholzer Braunkohle. Dass ein solches Großkraftwerk inmitten des noch weitgehend unversorgten Ostbayern eine auch vom Gewinn her interessante Sache sein müsste, darüber ist sich im Sommer 1908 die Mannschaft klar, welche die BÜC aus der Taufe heben will.
Das stattliche Aktienkapital kam nicht aus der hiesigen Region, sondern aus allen Gegenden Deutschlands. Noch ist die Oberpfalz nicht in der Lage, ein solches Unternehmen finanziell zu realisieren. Die fünf Aktionäre, die 2,5 Millionen Mark einbringen, stammen aus Berlin, Bamberg, Mannheim, Mühlheim a.d. Ruhr und München. Zudem überträgt die Braunkohlengewerkschaft ihren gesamten Immobilien- und Bergbaubesitz um einen Preis von einer Million Mark auf die neue Gesellschaft.

Aus der Zeitung

Aus der Burglengenfelder Zeitung von 1908: "Vorige Woche fand im Malteserkeller in Amberg eine zahlreich besuchte Versammlung statt, in welcher Hr. Dir. Steiner und Hr. Ing. Hanisch über die Errichtung der Haidhofer Überlandzentrale sprachen. Die Haidhofer Zentrale beruht auf dem dortigen Braunkohlebergwerk. Die Haidhofer Braunkohle eignet sich wegen ihres hohen Wassergehaltes von 57 Prozent nicht zum Versand und nicht zur Fabrikation. Die Oberpfälzer Braunkohle steht aber in der Güte der im linksrheinischen Kohlengebiete in der Kölner Gegend gleich, dort ist sie in der Entwicklung der Industrie von nutzen gewesen. In Haidhof wird zum Betriebe einer elektrischen Überlandcentrale verwendet werden, mit zwei 2500 PS starken Maschinen und eine dritte dient als Reserve. Der hier erzeugte Strom wird über Land geleitet. Wie wir hören, haben sich bereits 81 Gemeinden der Zentrale angeschlossen. Der Preis für eine Kilowattstunde Lichtstrom soll 50 Pfennige und für Kraftstrom 20 Pfennige betragen."

Seit April 1910 in Betrieb

Große Aufgaben sind von den Mitarbeitern der neuen BÜC zu bewältigen, unter anderen auch die Erschließung der Kohlegrube. Der Bau von sechs Gebäuden wird vorangetrieben. Die größten Gebäude sind das Kesselhaus, das Maschinenhaus und die Schalteinrichtung.

Im Maschinenhaus werden zwei Dampfturbinen ihre Arbeit aufnehmen und je einen direkt gekoppelten Generator betreiben. Im April 1910 geht das Kraftwerk in Betrieb, mit einer Leistung von 3000 Kilowatt. War zu Beginn die Hauptverwaltung in den Räumen der Braunkohlengewerkschaft untergebracht, so wechselte man später nach Regensburg. Am 1. Oktober 1920 wurde der Firmensitz jedoch wieder nach Ponholz zurückverlegt. Die mit verschiedenen Kommunen bereits abgeschlossenen Stromlieferverträge hatten eine Laufzeit von 25 Jahren.

Im ersten Ausbau wurden rund 30 Gemeinden mit etwa 30 000 Einwohnern versorgt. Die Leitungslänge betrug etwa 100 Kilometer und transportierte eine Spannung von 35 bzw. sechs Kilovolt. In den meist am Ortseingang befindlichen Trafostationen wurde die Spannung auf 210 oder 120 Volt heruntertransformiert.

Bald schon 221 Orte

1914 versorgt die BÜC bereits 221 Orte mit etwa 8,5 Millionen Kilowattstunden Strom. Das Hochspannungsnetz hat bereits eine Länge von über 320 Kilometer. Im Jahr 1915 übernimmt die BÜC die Weidener Naabwerke - damit ist zwischen den größten Energieversorgern der Oberpfalz eine Verbindung hergestellt. Im Jahr 1917 wurde nach Weiden auch die B.E.L.G. in Bayreuth an das Hochspannungsnetz der BÜC angeschlossen.

Nach dem Ersten Weltkrieg waren erhebliche Investitionen und großer Arbeitsaufwand nötig, um die maroden Anlageteile wieder in betriebsbereiten Zustand zu bringen. Zwischenzeitlich hatten aber staatliche Stellen erkannt, dass die Versorgung der Oberpfalz nicht private Aufgabe sein könne. Die Entwicklung der Oberpfalz konnte zweck- und planmäßig nur gefördert werden, wenn in einer möglichst restlosen Versorgung auch der letzten Gemeinde mit elektrischen Strom die Basis für die Intensivierung und die technische Entwicklung in Industrie und Landwirtschaft geschaffen wurde.
Diese Überlegungen führten zur Gründung der Kreisüberlandwerk Oberpfalz AG, mit deren Hilfe der Kreis, die Bezirke und Städte der Oberpfalz die planmäßige Regelung der Elektrizitätsversorgung dieses Gebietes durchführen wollten. Im Jahr 1920 übernahm das Überlandwerk die Aktien der privaten Bayerischen Überlandzentrale. So wurde organisatorisch die Voraussetzung für eine einheitliche Versorgung der Oberpfalz mit elektrischem Strom geschaffen.

Die Versorgungsanlagen der drei Unternehmen BÜC, Naabwerke und Kreisüberlandwerk waren nunmehr in einer Hand vereinigt. Alleiniger Besitzer war die kommunal geleitete, unter Führung des damaligen Kreises Oberpfalz stehende Kreisüberlandwerk Oberpfalz G.m.b.H. Die organisatorische Umformung fand in der Inflationszeit ihren Abschluss.

Vom Jahre 1923 an wurde der Weg der gemischt-wirtschaftlichen Unternehmung bestritten. Für die Elektrizitätsversorgung in der Oberpfalz wurde also das Jahr 1923 zu einem gewichtigen Markstein in ihrer Entwicklung - nach einer opferreichen Anlaufzeit von 15 Jahren in den beiden wichtigsten Versorgungsgebieten der BÜC und der Naabwerke.
Der im Jahre 1925 bestehende finanzielle Engpass wurde behoben, die Anlagen weiter ausgebaut und ihre Leistungsfähigkeit erhöht. Ein neues Speicherkraftwerk entstand an der Pfreimd; außerdem wurden zwei Abnahmestellen in Regensburg und Amberg für das Versorgungsnetz des Bayernwerkes geschaffen, mir deren Hilfe eine Umlagerung der Strombeschaffung auf das Landesversorgungsnetzes erfolgte.

Zu starke Konkurrenz

Die Gründung der Bayernwerk AG im Jahr 1921 und die Inbetriebnahme des Walchenseekraftwerkes anno 1924 waren Grundlage für den Untergang der BÜC. Die aus der Wasserkraft gespeiste Anlage konnte preisgünstigen Strom erzeugen und in das Netz liefern - günstiger als die BÜC mit ihren veralteten, aufwendigen Maschinenanlagen. Zu diesem Zeitpunkt war das Kraftwerk in Schwandorf schon im Gespräch, mit dessen Bau im Jahre 1928 begonnen wurde. Für diese Baustelle musste die BÜC noch die Stromeinspeisung herstellen und sichern. Mit der Inbetriebnahme des Kraftwerkes Schwandorf am 9. März 1930, wurde die BÜC komplett unrentabel. Ein Jahr später, am 31.März 1931, wurde die BÜC abgeschaltet .

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