18.12.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Vor 50 Jahren übernahm Martin Rohrmeier die katholische Stadtpfarrei in Waldsassen Ein mutiger Bekenner des Glaubens

Nachdem die katholische Stadtpfarrei seit dem Tode von Pfarrer Josef Wiesnet am 24. Oktober 1958 verwaist war, besetzte das bischöfliche Ordinariat Regensburg im November das Amt neu. Dabei wurde der seinerzeitige Pfarrer von Pressath Martin Rohrmeier mit Wirkung vom 1. Dezember 1958 zum neuen Stadtpfarrer der Klosterstadt ernannt.

von Autor TMLProfil

Als er am Montag, den 15. Dezember in seiner neuen Pfarrei einzog, war die Erwartung groß und bereitete ihm die gesamte Pfarrgemeinde einen überaus herzlichen Empfang. Kooperator Max Hartmann, der die Pfarrei in der Zwischenzeit als Seelsorger betreut hatte, widmete ihm Grußworte. Denen schloss sich die katholische Kirchenverwaltung mit Kirchenpfleger Karl Glaeser, die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Andreas Bernreuther und Pfarrer Adolf Schultes aus der Nachbarpfarrei Münchenreuth gerne an.

Alle Stände und Gläubigen

In seiner ersten Ansprache grüßte der neue Stadtpfarrer alle Stände und Gläubigen der Pfarrei, insbesondere auch das Zisterzienserinnenkloster und die ehrwürdigen Schwestern im Krankenhaus, Kinderheim, Kindergarten und in der Ambulanten Krankenpflege. So hatte auch Waldsassen - ähnlich wie einige Wochen zuvor die Weltkirche mit dem neuen Papst Johannes XXIII. - in der Person von Martin Rohrmeier einen neuen, geistlichen Oberhirten erhalten.

Martin Rohrmeier wollte als mutiger Bekenner des Glaubens auch in Waldsassen ein Pfarrer für alle Bevölkerungsschichten sein. Und diesem hohen Anspruch ist er zweifellos gerecht geworden. Verbinden sich doch mit ihm und seiner Amtszeit bleibende Ereignisse. So ließ er mehrere Wohnblöcke zur Linderung der Wohnungsnot in Waldsassen errichten, stellte kirchlichen Baugrund zur Verfügung, errichtete um 1960 die Priestergruft, erbaute 1964 die Bruder-Klaus-Kapelle in Hatzenreuth und 1966 - 1967 das neue Altenheim St. Martin. Außerdem reiften lange Bemühungen, in denen 1969 die Stiftskirche zur päpstlichen Basilika minor erhoben wurde. 1970 folgte die große Wallfahrt der Pfarrei nach Rom. Rohrmeier engagierte sich auch in der Kriegsgräber-Fürsorge und organisierte Pilger- und Pfarrwallfahrten.
Aufgrund seiner Verdienste und seines Engagements ernannte ihn der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Graber zu Weihnachten 1963 zum Bischöflichen Geistlichen Rat. Im Dezember 1970 verlieh ihm Papst Paul VI. in Würdigung seiner verdienstvollen Seelsorgearbeit und wegen seiner erlittenen Verfolgung im Dritten Reich die Auszeichnung als päpstlicher Ehrenprälat.

Das "Herz auf der Zunge"

Von seinen Mitbrüdern war er bereits zum Dekan des Dekanats Tirschenreuth gewählt worden; der Waldsassener Stadtrat hatte ihm zum Ehrenbürger der Stadt Waldsassen ernannt. 1972 konnte Prälat Rohrmeier sein 40-jähriges und 1982 sein 50-jähriges Priesterjubiläum feiern. Da er bei seinen Predigten und Ansprachen gerne "das Herz auf der Zunge trug" und nicht selten eine drastische Wortwahl pflegte, blieben leider auch Missverständnisse und Anfeindungen nicht aus. Am 1. September 1973 schied Prälat Rohrmeier aus dem Amt und übernahm nun die Funktion als Seelsorger im Altenheim St. Martin.
Doch zur Ruhe setzen wollte er sich noch lange nicht. Unermüdlich organisierte und begleitete er nun Pilgerreisen, hielt Vorträge und leistete kirchliche Dienste, wie etwa beim alljährlichen Köllergrün-Fest, wenngleich ihn später das Alter und diverse Krankheiten doch zusehends behinderten.

So ist Prälat Rohrmeier nach einem wahrlich erfüllten Leben am 31. August 1990 im Waldsassener Kreiskrankenhaus verstorben. Seinem mehrfach geäußerten Wunsche entsprechend wurde er am 5. September 1990 in der Priester-Gruft der Pfarrkirche von Kelheim-Affecking, somit fern seines Wirkungsortes, zur letzten Ruhe geleitet.

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