14.07.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Vor 50 Jahren Weihe des Kirchleins in Grünau - Schwierige Genehmigungsphase Kapelle neben Elternhaus

Es kommt äußerst selten vor, dass zwei Brüder aus einem kleinen Ort zu Priestern geweiht werden. Sicher denken die Grünauer, wenn sie am Wochenende Kirchweih feiern, auch an Anton Schlosser, der am 28. April 1964 starb, und an Josef Schlosser, der bis zum 1. Juli 1971 lebte. Auf ihre Initiative wurde die Wendelinkapelle gebaut und vor 50 Jahren geweiht.

von Autor SEFProfil

Zeitlebens blieben die Priesterbrüder dem Heimatort verbunden. Lange liebäugelten sie mit dem Bau einer Kapelle. Sie sollte den altersschwachen Glockenturm ersetzen, neben dem elterlichen Anwesen stehen und als neuer Ortsmittelpunkt zum "Rasthaus für die Seele" werden. Sie schafften es, die Dorfbewohner für ihren Herzenswunsch zu begeistern und Spenden zu sammeln. 12 000 Mark kamen zusammen, die mit den Sachzuwendungen und unentgeltlichen Arbeitsstunden eine Realisierung in greifbare Nähe rücken ließen.

Fenster zu klein

Doch zuvor musste noch die Genehmigungsphase über die Bühne gehen. Weil an ihr Gemeinde, Landratsamt, Regierung, Innen- und Kultusministerium beteiligt waren, gestaltete sie sich reichlich kompliziert.

Architekt Heinz Meckler aus Weiden zeichnete den Plan, den Ortssprecher Michael Müller 1960 einreichte. Das Kreisbauamt erstellte ein Gutachten, hegte gegen das Bauvorhaben keine Bedenken, verlangte jedoch größere Fenster.

Am 3. März erklärte die Regierung in Regensburg, sie billige den Neubau einer Kapelle mit 24 Sitzen. Das Fenster des nur einseitig belichteten Chorraums müsse aber vergrößert werden, um ihn gegenüber dem Kirchenschiff heller herauszuheben. Damit nicht genug: Am 30. April kam Post vom Kultusministerium. "Nach dem Gutachten der Obersten Baubehörde bestehen gegen die Pläne des Architekten Meckler in schönheitlicher Hinsicht Bedenken. Insbesondere sollte der Turm in das Kirchenschiff einbezogen und für den Eingang eine der geringen Masse des Bauwerks entsprechende Lösung angestrebt werden."
Der Architekt änderte den Entwurf, und das Landratsamt drängte am 3. Juni beim Kultusministerium auf beschleunigte Erlaubnis. Aus München traf am 28. Juni eine überraschende Mitteilung ein. "Eine Genehmigung vonseiten des Kultusministeriums ist nicht erforderlich, weil die Maßnahme weder von der Kirchenstiftung noch der Kirchengemeinde ausgeführt wird."

Dann dauerte es endlos lange, bis das Landratsamt am 6. Oktober den Bauplan von der Regierung der Oberpfalz zur weiteren Behandlung zurückerhielt. "Die Oberste Baubehörde hegt keine Bedenken mehr, was die Ästhetik betrifft."

Zügiger Baufortschritt

Die Verwirklichung gelang in erstaunlich kurzer Zeit. Bereits am 16. Juli 1961 war das Gemeinschaftswerk vollendet. Trotz schlechten Wetters strömten 500 Besucher ins geschmückte Dorf an der Naab, um mit Landrat Christian Kreuzer und Bürgermeister Johann Post die feierliche Weihe der neuen Kapelle zu erleben.

Es war das bisher größte Fest, das in Grünau mit der Glocke vom früheren Glockenturm eingeläutet wurde. Nach Festzug, Begrüßung und Prolog von drei Schülerinnen nahmen Anton und Josef Schlosser - assistiert von Studiendirektor Wiglenda aus Weiden - im Auftrag des Diözesanbischofs die Weihe vor. Pfarrer Josef Schlosser legte den Grünauern ans Herz, die Nebenkirche von St. Martin Luhe künftig für Kreuzweg und Maiandachten sowie Sterberosenkränze zu nutzen.
Auch Messfeiern, die vom Bischof ausdrücklich genehmigt worden seien, sollten regelmäßig hier stattfinden. Außerdem sei das Kirchlein auf dem Platz des einstigen Hirtenhauses ein Mahnmal, den Dorffrieden zu bewahren.

Zum Patron habe man St. Wendelin gewählt, der in Neudorf auf dem rechten Seitenaltar abgebildet sei und dessen hölzernes Abbild hier stehe. Er gilt als Beschützer des Viehs und Beistand gegen Tierkrankheiten. Hilfreich sei es auch, den iro-schottischen Königssohn und Abt von Tholey um gedeihliches Wetter und gute Ernteerträge anzurufen. Mit dem Festgottesdienst, in dem die Schubert-Messe erklang, endete der offizielle Teil.

Schwester als Ehrengast

Ehrengast war auch Schwester M. Reginberta aus der Ordensgemeinschaft der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie in Mallersdorf. Theresia Müller wurde 1886 - wie Pfarrer Anton Schlosser - in Grünau geboren, legte 1911 die Ewige Profess ab. Schwester Reginberta, die für die Altarwäsche in der Wendelinkapelle gesorgt hatte, starb 1967.

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