04.02.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Wachsende internationale Verpflichtungen für kleineres Heer - Im Jahr 2010 deutsch-tschechische ... Umbau der Bundeswehr zur Einsatzarmee

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Von allen Teilstreitkräften wird das deutsche Heer von der Bundeswehrreform am stärksten getroffen. Am deutlichsten wird dies bei den Panzer- und Panzergrenadierbataillonen, ihre Zahl sinkt drastisch auf künftig sechs beziehungsweise acht. So manchem in und außerhalb der Bundeswehr scheinen diese Einschnitte zu tief zu gehen. Sie fürchten, dass die Zahl der Kampfverbände zu knapp bemessen ist.

Doch für den Inspekteur des Heeres, Hans-Otto Budde, ist dieser Schritt ohne Alternative, obwohl er ihn "bedauert". Der General wirbt derzeit im Heer für die Transformation. Bei fünf Informationsveranstaltungen seiner Teilstreitkraft diskutiert er mit Soldaten aller Dienstgrade und erläutert ihnen die anstehenden Maßnahmen.

"Es ist richtig, dass ich nur mehr sechs Panzerbataillone habe", sagte Budde am Mittwoch bei einem Pressegespräch in München. Aber diese werden "richtig was können". Besser ausgebildet und ordentlich ausgerüstet, könne er die Einheiten auch künftig guten Gewissens in Einsätze senden.

Längst ist aus der Bundeswehr eine Armee im Einsatz geworden. Bosnien, Kosovo und Afghanistan sind nur einige Krisenherde, an denen deutsche Soldaten ihren Dienst leisten. Die internationalen Verpflichtungen dürften aber noch wachsen. Andererseits wird angesichts knapper öffentlicher Kassen der Zwang zum Sparen auch künftig bestehen bleiben.

Afrika fest im Visier

Für den deutschen Beitrag zur Nato Response Force, NRF (Eingreiftruppe der Nato) sind gut 15 000 Soldaten mit Vor- und Nachbereitung gebunden. Im Rahmen des European Headline Goal der Europäischen Union hat Deutschland bis zu 18 000 Mann zugesagt, aus denen auch die EU Battle Groups gebildet werden. Diese und der NRF-Beitrag sollen vor allem von den Eingreifkräften gestellt werden. Für das United Nations Standby Arrangements System (UNSAS) hält die Armee planerisch bis zu 1000 Soldaten bereit.

Zusätzlich sollen künftig bis zu 14 000 Soldaten und Soldatinnen für maximal fünf parallele Peace-Keeping-Einsätze bereit stehen. Für diese sind vor allem die Stabilisierungskräfte vorgesehen, zu denen auch die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg, dann als Panzergrenadierbrigade, gehört. Zudem sind von der Bundeswehr gut 1000 Männer und Frauen für Rettungs- und Evakuierungseinsätze unter rein nationalem Kommando eingeplant.

Für das von Frankreich, Großbritannien und Deutschland initiierte Konzept der Battle Groups wird die Bundeswehr bereits in der Übergangsphase in diesem und dem nächsten Jahr Truppen stellen. Das Konzept, das vor allem auf europäische Einsätze in Afrika zugeschnitten scheint, soll im Jahr 2007 vollständig greifen. Dann stellt Deutschland nacheinander zusammen mit den Niederlanden und Finnland, Frankreich sowie Polen eine Battle Group. Für das Jahr 2010 ist die Bildung einer deutsch-österreichisch-tschechischen Battle Group anvisiert.

Bis zum Jahr 2010 soll die im November verkündete Umstrukturierung der Bundeswehr vollendet werden. Derzeit laufen die Detailplanungen. Im März werden diese Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) vorgelegt. Mitte April will er die Bürgermeister der von Standortschließungen betroffenen Gemeinden zu einer Konferenz nach Bonn einladen. Dort sollen den Kommunalpolitikern Ansprechpartner in den verschiedenen Ressorts genannt und erste Hilfestellungen gegeben werden.

Keine Hoffnung

Derzeit gibt es weder für Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf) noch für Weiden oder Regensburg eine Hoffnung. Änderungen bei den Standortschließungen werde es nicht geben, sagte der Inspekteur des Heeres: "Fachlich sind alle Entscheidungen korrekt." Besonders die Verlegung der Division Spezielle Operationen (DSO) schmerzt ihn, schließlich war er selbst zwei Jahre Kommandeur dieses Verbandes. Er fahre noch immer gerne an die Donaustadt, "nicht nur weil dort meine Tochter studiert", sagte Budde.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.