Waffen für die Kleinen: In den USA ist das Alltag
Wenn Kinder Kinder erschießen

Ein einzelner Schuss genügte, um das Opfer zu töten. Caroline Starks traf die Kugel in die Brust, der Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Alltag in den USA? Nicht ganz, trotz mehr als 80 Schusswaffentoten - am Tag. Doch in diesem Fall war das Opfer gerade zwei Jahre alt, abgedrückt hatte der fünf Jahre alte Bruder.

Amerika ist entsetzt über einen tragischen Unfall in Kentucky. Dabei gibt es in einem Land, in dem oft allzu sorglos mit Waffen umgegangen wird, jede Woche Fälle, in denen Kinder andere Kinder erschießen.

Erst vor drei Wochen hatten gleich zwei ähnliche Fälle die Menschen nicht nur in den USA erschüttert. In Tennessee zeigte ein Hilfssheriff einem Freund gerade seine Waffen, als ein Vierjähriger ins Zimmer tapste. Der Junge griff eine auf dem Bett liegende Pistole, drückte ab - und tötete die 48 Jahre alte Frau des Beamten.

Es gibt Schuldige

Am selben Tag schockte eine Nachricht aus New Jersey die Amerikaner. Dort hatten ein Vier- und ein Sechsjähriger im Garten gespielt. Der Kleinere ging ins Haus - und tauchte mit einem Gewehr auf. Ein Schuss löste sich und traf den Älteren in den Kopf. 24 Stunden kämpfte Brandon mit dem Tod. Dann verlor er.

Nur Tage später erschoss sich in South Carolina ein Dreijähriger. Dann ein Siebenjähriger in Kansas. Am Dienstag tötete in Alaska ein Achtjähriger ein fünf Jahre altes Mädchen. Und am selben Tag ging in Kentucky eine Mutter kurz auf die Veranda und hörte einen Schuss. Als sie ins Haus stürzte, hatte ihre zwei Jahre alte Tochter Caroline eine Kugel in der Brust - getötet vom gerade fünf Jahre alten Bruder. Die Waffe hatte den Angaben zufolge in einer Ecke gestanden, noch mit einer Kugel in der Kammer. Dass es ein Unfall war, bezweifelt niemand. Und dennoch gibt es Schuldige.
Wie konnte ein mit Waffen vertrauter Hilfssheriff eine geladene und entsicherte Pistole in Greifhöhe eines Vierjährigen lassen? Wie kommen Kinder an geladene Waffen? Die Antwort ist immer die gleiche: In den USA sind geschätzte 270 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz - Stand 2007. Das ist in ländlichen Gebieten wie Tennessee oder Kentucky nicht so absurd wie im dicht besiedelten Deutschland. Aber der Umgang ist oft sorglos. Da wird auf Dosen geschossen, auch wenn dahinter eine öffentliche Straße ist. Pistolen finden sich in Nachttischen oder Wäscheschränken - und sind nicht einmal gesichert.

"Mein erstes Gewehr"

Das Besondere im Fall von Kentucky: Es war die eigene Waffe des Fünfjährigen, die er im vergangenen Jahr geschenkt bekommen hatte. Die scharfe Waffe, Kaliber 22 (5,6 Millimeter), wird extra für Kinder gebaut und nennt sich "Mein erstes Gewehr". Auf der Website des Herstellers ("Qualitätswaffen für Amerikas Jugend") sind Dutzende Kinderbilder. Einige zeigen Säuglinge, denen Gewehre mit Zielfernrohr in den Arm gelegt wurden. Und auch Kundenbriefe: "Meine viereinhalbjährige Tochter liebt die pinkfarbene", heißt es über eine Flinte.

Sturmgewehr verlost

Jedes Jahr töten Schusswaffen in den USA 30 000 Menschen. Gut die Hälfte sind Suizide, ein Drittel Morde. Doch täglich sterben etwa drei Menschen durch sorglosen Umgang mit Waffen. Dennoch verloste die Waffenvereinigung von Tennessee am Montag ein Sturmgewehr. Es war eine Bushmaster, die gleiche Waffe, mit der ein Mann im Dezember in Newton 20 Schüler getötet hatte. Seit Newton hat sich einiges getan. Zehn Staaten haben ihre Waffengesetze novelliert - und den Zugang erleichtert. Kentucky und Tennessee waren darunter.
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