28.08.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Waldbrände in Griechenland: Auch Oberpfälzer in Sorge um Hab und Gut "Papas Haus ist abgebrannt"

"Ich weiß nicht genau, was passiert ist", sagt Nicoletta Bleier. Nur so viel: "Das Haus von meinem Papa ist abgebrannt." Die Bilder von der Feuersbrunst auf der griechischen Halbinsel Peloponnes machen die 22-jährige Weidenerin traurig. "Das muss furchtbar sein, dort unten."

Feuer nahe der Hafenstadt Andritsaina auf dem Peleponnes: Meterhohe Flammen verschlingen Häuser, Tiere, Menschen. (Bild: dpa)
von Uli Piehler Kontakt Profil

Ihr Vater, der mehr als 30 Jahre in Weiden lebte und im vergangenen Jahr starb, hat das Haus in der Ortschaft Simopolon gebaut.

Noch am Freitag hoffte die Familie, dass die Waldbrände die Ortschaft verschonen. Am Sonntag dann kam die traurige Nachricht, dass die Feuerwalze über das Dorf hinwegzog. Onkel und Tante brachen von Athen aus auf, um zu sehen, was noch übriggeblieben ist. "Unser Olivenhain ist wahrscheinlich niedergebrannt", sagt Nicoletta. "Der war uralt. Das dauert eine Ewigkeit, bis der wieder wächst."

In Mani, 70 Kilometer südlich von Sparta, lebt seit 16 Jahren Kalman Ramsauer aus Amberg. Das Feuer näherte sich seinem Wohnhaus am Sonntag bis auf sechs Kilometer. "Es war so, als ob die Silhouette der Bergwelt die Sonnenkorona wäre", erzählt er. Angst habe er nicht.

"Letztes Jahr war es hier bei uns noch schlimmer. Ein Freund von mir ist mit dem Auto durch die Flammen gefahren, um sich in Sicherheit zu bringen." Ramsauer macht sich seinen eigenen Reim auf die gewaltige Feuersbrunst dieser Tage. Er glaubt, dass Bodenspekulanten die Brände vorsätzlich gelegt haben.

Wenn ein Waldstück abbrennt, dürfe es danach als Baugebiet ausgewiesen werden: "Das griechische Gesetz gibt das her", sagt der Amberger, dem ein "besonders krasser Fall" bekannt ist: Vor Jahren habe es nach einem Waldbrand nur zehn Tage gedauert, bis die Baugenehmigung für ein neues Casino vorlag: "Da kann man sich dann schon ausmalen, wie das gelaufen ist."

Dass wegen dieser Machenschaften offensichtlich bewusst Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden, werde in Griechenland stillschweigend hingenommen. Wie es ihm selbst mit dieser Vorstellung geht? "Darüber darfst du gar nicht erst nachdenken, sonst gehst du hier kaputt."

Von der kleinen Insel Agios-Efstratios aus beobachtet Jutta Wolfrum die Brandkatastrophe. Die 40-jährige stammt aus Pressath (Kreis Neustadt/WN) und arbeitet seit sieben Jahren als Dozentin an der Universität Thessaloniki. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", erzählt sie im Telefon-Interview. "Die Leute hier sagen, das habe mit den vorgezogenen Wahlen im September zu tun." Die Politik wolle möglicherweise von anderen Problemen ablenken. "In Griechenland gibt es immer Waldbrände vor einer Wahl."

Kaltblütige Brandstifter

Viele Menschen seien sprachlos, weil die Brände offenbar absichtlich und an so vielen Stellen gleichzeitig gelegt wurden. Sie seien wütend, weil die Brandstifter diesmal so skrupellos zu Werke gingen. "Noch nie wurden die Feuer so nah an den Wohnhäusern entfacht."

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