Warnstreik bei Grammer-Beschäftigten
Metaller zeigen Flagge

Bild: Steinbacher
Amberg. (zm) Es kam, wie es offenbar kommen musste. Mit ersten Warnstreiks untermauert die IG Metall in der laufenden Tarifrunde ihre Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn. Dem steht momentan arbeitgeberseits ein Angebot von 2,3 Prozent gegenüber. Für eine Stunde legten deshalb vor dem Haselmühler Stammwerk von Grammer Beschäftigte die Arbeit nieder. Die Verhandlungen werden am 8. Mai fortgesetzt.

Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Rösl machte unter seinen Kollegen einigen Unmut aus. "Die Motivation ist da", las er an der Beteiligung an dem Warnstreik ab und unterstrich: "Unsere Forderungen sind durchaus gerechtfertigt." Auf hinlänglich bekannte Beschwichtigungsformeln der Unternehmerseite könnten die Beschäftigten durchaus verzichten, "uns ist es ernst". Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, Horst Ott, hatte bereits in der vergangenen Woche anlässlich der Delegiertenversammlung seines Gewerkschaftsbezirks bedauert, zu den üblichen Ritualen einer Tarifauseinandersetzung greifen zu müssen. Für ihn wäre es ein Zeichen der Wertschätzung der Arbeitnehmer und ihrer Leistungsbereitschaft gewesen, sich am Verhandlungstisch einigen zu können.

Da geht noch mehr

Doch es habe nicht sollen sein. "Das gibt uns in den Gesprächen den nötigen Rückenwind", freute Ott sich umso mehr, dass es keinerlei gewerkschaftlicher Überredungskünste bedurft hätte, aus seiner Sicht beeindruckende Warnstreikzeichen zu setzen. So liefen bereits in der Nachtschicht zum Donnerstag in der Oberpfalz die ersten Arbeitsniederlegungen an, fortgesetzt bei Hamm in Tirschenreuth und um 11 Uhr dann bei Grammer.

Ott kündigte für vier Tage in 22 Betrieben Warnstreiks an, die von der Arbeitgeberseite als Demonstration der Kampfbereitschaft der Arbeitnehmer wie der IG Metall verstanden werden sollten. Ansonsten müssten sich die noch nicht einigen Parteien dann zur Urabstimmung wiedersehen, an deren Ausgang für den IG- Metall-Bevollmächtigten keinerlei Zweifel bestehen. Auch in diesem Punkt sei der zeitliche Fahrplan mit dem 14. Mai schon klar. Und wenn der 8. Mai kein Ergebnis mit sich bringe, dann sei halt "zwei Stunden früher Feierabend", stellte Ott darüber hinaus noch eine eventuelle Verschärfung der Warnstreik-Gangart in den Betrieben in Aussicht.
Die erhobene Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten ist für die Auszubildenden an eine Anhebung ihrer Vergütung um pauschal 60 Euro gebunden. Wenn sie sich nun anhören müssten, "eh' schon genug zu kriegen", dann weise er diese Position strikt zurück, wandte sich bei dem Warnstreik der Jugendbeauftragte Granit Sejdiu, an die Belegschaft und Auszubildenden.

Hier gehe es um nicht weniger als die Zukunft der jungen Facharbeiter, aber auch des Betriebs, nahm der junge Gewerkschafter kein Blatt vor den Mund. "Erpressen könnt ihr andere, aber nicht uns", appellierte er selbstbewusst an die Arbeitgeberseite, die gerne die Notwendigkeit qualifizierten Nachwuchses betone.
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