Weiter Wirbel um NSU-Prozess - Antworten auf fünf wichtige Fragen
Hartes Los mit Verlosung

Die Verlosung der begehrten Presseplätze beim Münchner NSU-Prozess hat jede Menge Wirbel ausgelöst. In Karlsruhe liegt die erste Verfassungsbeschwerde dagegen vor. Einige Zeitungen, die außen vor blieben, prüfen ebenfalls Klagen. Andere verzichten, um den Start des Prozesses am 6. Mai nicht erneut zu gefährden. Und wie schon im ersten Anlauf leistete sich das Münchner Oberlandesgericht bei der Vergabe gleich mehrere Pannen.

Welche Fehler sind es dieses Mal?

Zum einen wurde ein freier WDR-Redakteur aus dem Lostopf gezogen, der sein Akkreditierungsgesuch längst widerrufen hatte. "Bedauerlicherweise blieb seine Rücknahme infolge eines Versehens unbeachtet", räumte OLG-Sprecherin Andrea Titz ein. Der WDR gab den Platz inzwischen zurück, er soll noch diese Woche nachverlost werden - eine neue Chance für alle aus der Untergruppe der deutschen Medien. Die zweite Panne: Berichten von ARD und Bayerischem Rundfunk zufolge landete die Bewerbung des MDR-Hörfunks versehentlich im Korb für die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Der MDR wurde nicht gelost.

Wie haben ausländische Medien die Auslosung aufgefasst?

Die "Sabah" reagierte erleichtert auf die Neuvergabe, sie hat jetzt einen festen Platz. Der Verein der Ausländischen Presse in Deutschland (VAP) lobte die Entscheidung des Münchner Gerichts, bemängelte jedoch das Fehlen internationaler Nachrichtenagenturen unter den gelosten Prozessberichterstattern.
Was machen die Medien, die keinen Platz bekommen haben?

Bei ihnen ist die Verärgerung groß. Der freie Journalist Martin Lejeune hat Verfassungsbeschwerde eingelegt. Er habe im ersten Verfahren einen Platz gehabt - der könne ihm nicht einfach genommen werden, argumentiert er. Die beiden Berliner Zeitungen "Tagesspiegel" und "tageszeitung" (taz) prüfen ebenfalls eine Klage in Karlsruhe. Andere Redaktionen wie die "Welt" oder die "Zeit" nahmen davon erst einmal Abstand - um den Prozess nicht noch einmal zu verzögern.

Haben Medien ohne Platz gar keine Chance auf Berichterstattung?

Doch. Das neue Verfahren erlaubt, dass Medien ihre Reservierung anderen akkreditierten Journalisten überlassen. Die dpa-Gruppe hat einen ihrer Plätze den Agenturen Agence France-Presse (AFP) und Thomson Reuters zur Verfügung gestellt. Auch die Frauenzeitschrift "Brigitte" kündigte an, ihren Platz verlagsintern mit dem Nachrichtenmagazin "Stern" zu teilen. Trotz alledem: Die Plätze werden für den großen Andrang zumindest beim Auftakt nicht reichen.

Welche Alternativen wären vorstellbar?

Juristen, Politiker und Medienvertreter haben mehrfach die Videoübertragung in einen zweiten Saal ins Gespräch gebracht. So könnten auch Medien ohne Los-Platz aus eigener Anschauung berichten. Nebenkläger hatten versucht, die Übertragung juristisch zu erzwingen.
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