30.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

WHO: Ausmaß der Ebola-Epidemie schlimmer als befürchtet - Hoffen auf Medikament "ZMapp" Die tödlich unterschätzte Gefahr

Das ganze Ausmaß der Ebola-Epidemie in Westafrika ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterschätzt worden. Experten sind bereits seit längerem davon ausgegangen, dass es eine hohe Dunkelziffer bei den Opfern gibt. Nun werden sie in ihren Befürchtungen bestärkt.

von Agentur DPAProfil

Laut WHO wurden zahlreiche Infizierte von ihren Familien versteckt. Die Menschen seien davon ausgegangen, dass es für Ebola sowieso keine Heilung gebe und es für die Todkranken besser sei, wenigstens zu Hause sterben zu können, heißt es in einer am Freitag in Genf veröffentlichten Mitteilung.

Die Zahl der Todesfälle ist in den vergangenen Tagen laut WHO deutlich gestiegen. Am 19. und 20. August seien aus den vier betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone 77 neue Todesfälle gemeldet worden, teilte die WHO mit. "In Dörfern werden Leichen verbrannt, ohne dass die Gesundheitsbehörden informiert werden und eine Untersuchung der Todesursache vorgenommen werden kann", heißt es der WHO-Mitteilung. Oft würden Patienten den Verdacht auf Ebola von sich weisen, um nicht in Isolationszentren zu kommen. Sie fürchteten, sich dort anzustecken.

Krankenhäuser und Labors seien in den betroffenen Ländern meist völlig überfordert, viele Gesundheitseinrichtungen seien zudem geschlossen worden. "Die Angst hält die Patienten fern und treibt das medizinische Personal in die Flucht." In einigen Teilen Liberias, darunter in der Hauptstadt Monrovia, sei die gesundheitliche Versorgung praktisch zum Erliegen gekommen.

Vorräte aufgebraucht

Allerdings wurden am Freitag auch vorsichtige Hoffnungen genährt, dass die Entwicklung eines wirksamen Heilmittels möglich ist: Die WHO teilte mit, Ebola-Patienten in Liberia seien nach Behandlung mit dem experimentellen Mittel "ZMapp" auf dem Weg der Besserung. Bei einer Krankenschwester und einem Arzt aus Liberia, die sich bei der Arbeit infiziert hatten, sei jeweils eine "deutliche Verbesserung" des Gesundheitszustands eingetreten. Der Zustand eines weiteren mit dem Präparat behandelten Arztes sei zwar noch ernst, aber auch bei ihm sei eine Besserung zu beobachten. In den USA waren am Donnerstag zwei an Ebola erkrankte und mit "ZMapp" behandelte Helfer für geheilt erklärt worden. Sie hatten sich bei Hilfseinsätzen in Liberia infiziert und waren vor etwa drei Wochen ausgeflogen worden. Jedoch sind nun laut WHO die Vorräte des Mittels aufgebraucht. Wann die US-Herstellerfirma wieder Dosen liefern kann, war unklar.

Prognosen noch unsicher

Die WHO hatte am 12. August angesichts der Ausweitung der Ebola-Epidemie grünes Licht für die Anwendung experimenteller Wirkstoffe gegeben. Über weitere Bemühungen zur Bereitstellung von Ebola-Medikamenten sollen am 4. und 5. September auf Einladung der WHO internationale Experten in Genf beraten.

Nach Ansicht des Virologen Stephan Becker von der Universität Marburg ist es zu früh für eine Prognose zum Nutzen von "ZMapp". "Wir können mit den wenigen Patienten, die zu völlig unterschiedlichen Zeiten und unter nicht kontrollierten Bedingungen behandelt worden sind, nur schwer eine Aussage machen", sagt er. Es sehe zwar danach aus, das das Mittel helfe, allerdings könnten die bisherigen Genesungen auch andere Gründe haben.

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