28.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

WHO-Mitarbeiter hatte sich in Sierra Leone infiziert - Keine Gefahr für Bevölkerung Ebola-Patient in Hamburg behandelt

Hamburger Ärzte kämpfen um das Leben des ersten Ebola-Patienten in Deutschland. "Wir glauben, dass wir die richtige Einrichtung sind, um ihn zu betreuen", sagte der Tropenmediziner Stefan Schmiedel vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Hamburg.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass der Ebola-Virus in der Oberpfalz auftritt: Auch die Schnelleinsatzgruppe Infekt Oberpfalz der Malteser probt für den Ernstfall. Bild: Gibbs
von Agentur DPAProfil

Der Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war am Vormittag mit einem Spezial-Jet in der Hansestadt eingetroffen. Er wurde sofort auf die Sonderisolierstation des Krankenhauses gebracht. Der Mann aus dem Senegal habe sich beim Einsatz in einem Labor in Sierra Leone infiziert, sagte ein WHO-Sprecher.

Ärzte optimistisch

Zu der genauen Verfassung des Afrikaners äußerte sich Schmiedel nicht. "Der Patient ist in einem Zustand, der tatsächlich auch hoffen lässt, dass er von unseren therapeutischen Optionen profitieren kann", sagte er.

Experimentelle Mittel wollen die Ärzte zunächst nicht einsetzen. Stattdessen setze man auf die unterstützende Basisversorgung - etwa Schmerztherapie, Fiebersenkung und Flüssigkeitsmanagement. "Wir glauben, dass durch diese einfachen Maßnahmen bereits die Sterblichkeit der Ebola-Erkrankung deutlich gesenkt werden kann", sagte Schmiedel. Der Patient sei kein Forschungsobjekt.

Nach Bestätigung der Infektion des Senegalesen zog die WHO ihre Helfer aus dem Labor in der Stadt Kailahun ab und fragte beim UKE an, ob der Mitarbeiter in Hamburg behandelt werden könnte. Die Gesundheitsbehörde gab grünes Licht. Die höchsten Sicherheitsstandards seien gewährleistet. Das UKE und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin haben einen hervorragenden Ruf.

Unterdessen übte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen scharfe Kritik an der internationalen Reaktion auf die Epidemie. "Es ist einfach unannehmbar, dass fünf Monate nach der Feststellung dieses Ebola-Ausbruchs erst jetzt ernsthafte Diskussionen über die internationale Führung und Koordination beginnen", sagte Brice de le Vingne, der Leiter der Hilfsoperationen. "Jene Staaten, die in den betroffenen Ländern einen Unterschied machen können, kümmern sich ausschließlich um ihren Selbstschutz. Sie können mehr tun, warum tun sie es nicht?"

Chaotische Zustände

Demnach breitet sich die Epidemie in Teilen Liberias massiv aus, auch in der Hauptstadt Monrovia. Die Situation sei extrem chaotisch, es gebe kaum Hilfsprojekte, teilte die Organisation mit. "Die Zahl der Patienten, die wir sehen, übertrifft alles, was wir von früheren Ausbrüchen kennen."

Bei mehr als 170 Millionen Einwohnern ist Nigeria mit bislang 5 Ebola-Toten und 16 Erkrankungsfällen weit weniger betroffen als Guinea, Liberia und Sierra Leone. Insgesamt registrierte die WHO bei der Epidemie bis vorige Woche mehr als 2600 bestätigte Infektionen und Verdachtsfälle und mehr als 1400 Tote.

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