Zahl der Toten steigt auf über 500
Vorwürfe nach Fabrikeinsturz

Noch immer warten Hunderte Menschen mit Fotos von Vermissten am Rande der Unglücksstelle auf die Bergung ihrer Angehörigen. Bild: dpa
Dhaka. (dpa) Die Zahl der Toten nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch ist auf mehr als 500 gestiegen. Bislang seien 501 Leichen aus den Trümmern des einst achtstöckigen Fabrik- und Geschäftsgebäudes geborgen worden, sagte der Leiter der Bergungsoperation am Freitag am Unglücksort, dem Industriegebiet Savar vor den Toren der Hauptstadt Dhaka. Die Suche im Schuttberg solle weitergehen, bis die letzte Person gefunden worden sei. Noch immer warten Hunderte Menschen mit Fotos von Vermissten am Rande der Unglücksstelle auf die Bergung ihrer Angehörigen.

Gut eine Woche nach dem Einsturz sind Vorwürfe gegen deutsche Textilhändler laut geworden. Der Discounter Kik zeigte sich jedoch überrascht, dass Produkte der eigenen Marke in den Trümmern gefunden worden sein sollen. Fakt sei, dass es seit 2008 keine direkten Geschäftsbeziehungen zwischen Kik und denen im Rana Plaza ansässigen Lieferanten gegeben habe. Die «Kampagne für Saubere
Kleidung» hatte am Donnerstag berichtet, dass zahlreiche Textilien von Kik in den Trümmern gefunden worden seien.

Der TÜV Rheinland wies Vorwürfe zurück, er habe bei Überprüfungen der Fabrik keine Baumängel festgestellt. Der TÜV erklärte in Köln, Baumängel zu untersuchen sei nicht Gegenstand der Überprüfung gewesen. Die Mitarbeiter hätten nur soziale und ethische Kriterien der Arbeitsgestaltung zu prüfen gehabt.

In der Mitteilung der Kampagne für Saubere Kleidung hieß es: «Wir sind schockiert - es zeichnet sich ab, dass Kik innerhalb von nur acht Monaten ein drittes Mal in ein schweres Unglück in einer Textilfabrik involviert ist.» In dem zerstörten Gebäude sei auch für Kunden in Europa und den USA genäht worden, darunter Mango aus Spanien und Primark aus Irland. Der Textildiscounter Primark hatte bereits mitgeteilt, ein Team arbeite vor Ort daran, den Menschen
Soforthilfe wie auch längerfristige Unterstützung zukommen zu lassen.

Man sei «überrascht, betroffen und erschüttert», dass neben anderen Marken auch Textilien von Kik in den Trümmern gefunden worden seien, reagierte Kik im westfälischen Bönen. «Wir prüfen deshalb intensiv zusammen mit dem entsprechenden Importeur, wie die gefundenen Label und Textilien zu erklären sind.» Parallel gehe es darum, Hinterbliebenen und Verletzten schnell zu helfen.

Das Unternehmen NKD bestätigte ebenfalls, dass bis wenige Monate vor dem Unglück Ware für die Kleidungskette in dem Gebäude gefertigt worden sei. Vermittelt durch ein Unternehmen aus dem norddeutschen Ahrensburg seien mehrere Aufträge an die Phantom Apparels Ltd gegangen, teilte das Unternehmen mit Sitz im oberfränkischen Bindlach mit. Die letzte Ware sei im Juni 2012 übergeben worden. Wegen Qualitätsproblemen habe NKD die Zusammenarbeit noch 2012 beendet.
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