04.02.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Zeitplan für US-Abzug aus dem Irak hilft - Gespräch mit dem Münchener Nahost-Experten Felix ... Einbindung aller Gruppen entscheidend

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Die überraschend hohe Wahlbeteiligung hat weltweit die Hoffnung geweckt, die Situation im Irak könnte sich in absehbarer Zeit doch noch zum Bessern wenden. Felix Neugart, Nahost-Experte am Centrum für angewandte Politikforschung in München, hat zahlreiche Analysen zur arabischen Welt veröffentlicht. Zudem arbeitet er schon seit längerem mit Politikwissenschaftlern aus dem Zweistromland zusammen. Mit Felix Neugart sprach Alexander Pausch.

Sind die Wahlen im Irak ein Schritt zum Frieden?

Neugart: Die Wahlen im Irak sind ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber eben nur ein Anfang.

Hat Sie die hohe Wahlbeteiligung überrascht?

Neugart: Ja, wobei man sehen muss, dass diese regional sehr unterschiedlich ausgefallen ist und insofern nicht viel über die Einbindung einzelner Gruppen aussagt.

Ein Großteil der Sunniten ist dem Aufruf zum Wahlboykott gefolgt. Wie kann diese Bevölkerungsgruppe künftig eingebunden werden?

Neugart: Die Gruppen, die die sunnitisch-arabische Minderheit repräsentieren und die diese Wahlen in großen Teilen boykottiert haben, müssen im nächsten Schritt, der Ausarbeitung einer neuen Verfassung, eingebunden werden. Das Ziel muss die Verabschiedung eines neuen Gesellschaftsvertrages sein, den alle relevanten Strömungen in der irakischen Gesellschaft unterstützen.

Worauf kommt es bei der Regierungsbildung an?

Neugart: Die Regierungsbildung sollte auf breiter Basis erfolgen, um damit schon ein Signal für einen integrativen Prozess der Verfassungsgebung zu setzen.

Sehen Sie die Hoffnung, dass die Gewalt zurückgeht?

Neugart: Kurzfristig eher nicht, aber wenn es gelingt, alle relevanten Gruppen politisch einzubinden, werden terroristische Gruppen mittelfristig isoliert und geschwächt werden.

Wie lange müssen die US-Truppen noch bleiben?

Neugart: Die amerikanischen und multinationalen Truppen werden mindestens bis zum Abschluss des politischen Übergangsprozesses, also bis Ende 2005, bleiben, wahrscheinlich noch darüber hinaus. Es wird aber entscheidend für die Einbindung der Widerstandsgruppen sein, einen verbindlichen Zeitplan für den Abzug der ausländischen Truppen zu vereinbaren.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.