Zentralkomitee der deutschen Katholiken hofft auf menschenzugewandte Kirche
Glück: Auftakt für neue Balance

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hofft nach der Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst, dass die Lernprozesse innerhalb der Kirche bei Klerus und Laien unter dem Pontifikat von Franziskus zügig vonstatten gehen. Das sagte ZdK-Präsident Alois Glück am Donnerstagabend im Regensburger Presseclub.

Die Ist-Analyse von ZdK-Präsident Alois Glück weist zwar keine kirchenfeindliche "Pogromstimmung" in Deutschland aus, wie Erzbischof Gerhard Ludwig Müller vor geraumer Zeit beklagte, wohl aber "aggressiveren Atheismus, die Abkehr von Traditionsgläubigkeit und wachsende Skepsis gegenüber Institutionen überhaupt". Für die Kirche als Institution sei dieser Trend durch die Missbrauchsskandale der Vergangenheit noch verstärkt worden. Weil der Name Franziskus quasi Programm sei, bestünden nun die Chance und die Pflicht, im Kanon der Konfessionen verstärkt christlich zu argumentieren und die Gesellschaft, wie sie die Menschen in Deutschland und in der Weltkirche jetzt erleben, sozial und wertbezogen mitzugestalten.
Zwar glaube Glück nicht an eine Diskussionsplattform für ein Frauenpriestertum in der katholischen Kirche, aber die kirchliche Billigung von Lebenspartnerschaften Geschiedener sei inzwischen diskussionsfähig. Das sei beim Kirchentag 2012 in Mannheim schon spürbar geworden, für den Kirchentag 2014 in Regensburg erwarte er ähnliche Diskussionen.

Die Sympathiewelle für Franziskus deutet Glück nicht als Abwertung für dessen Vorgänger Benedikt XVI. und Johannes Paul II. Er sei vielmehr überzeugt, dass die meisten Katholiken sehr wohl das politische Charisma von Johannes Paul II. und die theologische Bedeutung von Benedikt, der das Papstamt durch seinen Rücktritt geradezu "in himmelsnaher Atmosphäre geerdet" habe, als historisch einzigartig würdigten.

Nun sei Franziskus gekommen, der die Balance zwischen Weltkirche und Rom, die Balance zwischen notwendiger Einheit und Vielheit in der Kirche sensibel und ohne den theologischen Narzissmus mancher Kardinäle neu tariere und so das fördere, was beim Zweiten Vatikanischen Konzil beschlossen worden sei.
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