Zoiglwirte bei Haus- und Hobbybrauertagen
Sud im Kochtopf

Auf einer kleinen Messe finden Klein- und Kleinstbrauer Zutaten und Gerätschaften für ihr Hobby.

Obwohl eigentlich erst im nächsten Jahr Gastgeber, war die Delegation der Neuhauser Kommunbrauer bei den Haus- und Hobbybrauertagen in Nordhorn gefragter Gesprächspartner. Am Ende der Jahreshauptversammlung mit Teilnehmern aus ganz Deutschland kamen im Saal der alten Weberei Anfragen nach Übernachtungsmöglichkeiten für die dreitägige Veranstaltung am letzten Septemberwochenende 2012.

Auf das Treffen in der Oberpfalz freuen sich die Hausbrauer. Das zeigten sie den Neuhausern in Niedersachsen bei der von der Nordhorner Vereinsbrauerei um Jan-Hendrik Koch ausgerichteten Tagung in 600 Kilometern Entfernung an der holländischen Grenze deutlich. Manch einem war die Zoiglkultur bereits ein Begriff, anderen erklärten Thomas und Rosi Witt von der Zoiglstube "Bahler", "Teicher-Wirt" Jürgen Punzmann, die Hausbrauer Alfons Bergler und Dieter Gradewald, Thomas Freytag und der Windischeschenbacher Moritz Popp immer wieder diese weltweit einzigartige Biertradition.

Die Hausbrauer sind ein buntes Völkchen aus ganz Deutschland, freundlich offen und alle infiziert von der Leidenschaft für den Gerstensaft. Manch einer, wie Wolfgang Rollié aus Warendorf, hat sich eine kleine Sudanlage für 14 Liter aus alten Töpfen selbst zusammengebaut und kocht jetzt im Treppenaufgang seine Maische.

Marcus Fontain von den Hobbybrauern Nordrhein aus der Gegend von Krefeld erzählte, dass er beim Hauskauf vor allem anderen auf einen geeigneten Keller geachtet hat, in dem er seine selbst zusammengeschweißte Anlage aufstellen kann. "300 Liter hatte ich zuerst. Das war zu viel." Also baute er sich einen neuen Kessel aus Edelstahl für 100 Liter. "Das passt", freut er sich und lächelt zu seiner Kathrin und dem sechsmonatigen Sohn Tom.
Kurt Maria Adler hat zusammen mit den Freunden vom Verein zur Förderung der Fränkischen Braukultur (VFFB) ein altes Brauhaus in Junkersdorf bei Ebern in Oberfranken reaktiviert. Dort brauen sie weitgehend in Handarbeit fünfmal pro Jahr 20 Hektoliter. Selbst auf ein Rührwerk verzichten sie.

Brauerei im Altenheim

Thomas Lill betreibt in Blaubeuren sein Brauzentrum, "die erste Schrottbrauerei der Welt", wie er stolz berichtet. Die ganze Technik bis hin zu den Pumpen hat er aus Schrott zusammengebaut und in einem ehemaligen Schlachthof samt Kneipe eingerichtet. Zuvor hatte er eine solche Anlage im Keller eines Altenheimes in Thalfingen stehen, wo er als Hausmeister arbeitete. "Mit den Bewohnern habe ich Brauseminare abgehalten." Damit ist es vorbei. "Ich habe gekündigt." Jetzt braut er "Pumator" und schenkt das Bier in seinem Wirtshaus selbst aus.

Ein anderes Mitglied habe sich auf englische Ales spezialisiert, berichtet stellvertretender Vorsitzender Markus Harms. Wieder andere experimentierten mit exotischen Zutaten. "Jeder hat einen eigenen Charme", so der Herausgeber der Zeitschrift "Bier- und Brauhaus", in der der Zoigl fast einen Stammplatz hat.

Konzentrierte Tester

Die ernsteste Angelegenheit der Hobbybrauertage ist die Verkostung und Bewertung der Biere, die zahlreiche Mitglieder extra dafür gebraut und mitgebracht haben. In der Vorrunde wird im offenen Kreis über Geschmack und Aussehen diskutiert, im Finale bewerten die Teilnehmer konzentriert Geruch und Geschmack in verschiedenen Kategorien. Einige Braurezepte der Sieger der vergangenen Jahre - in Nordhorn belegten Frauen in der Kategorie Grafschafter Kupfer und Rauchweizenbock Platz eins und zwei - sollen 2012 als Buch herauskommen, das in Neuhaus offiziell vorgestellt wird.

Angedacht haben Witt und Punzmann für die Hausbrauertage vom 28. bis 30. September 2012 den Schafferhof als Hauptveranstaltungsort zu nutzen, aber möglichst auch die übrigen Zoiglstuben mit einzubeziehen. Angeboten werden könnten Stadtführungen und Schaubrauen in Windischeschenbach, Ausflüge zum Bohrturm, ins Waldnaabtal bis Falkenberg und ein Besuch des dortigen Kommunbrauhauses ebenso, wie des eigenen in Neuhaus. Auch das Fischereimuseum Tirschenreuth könnte Besuchsziel werden.
"Die Hobbybrauer sollen unsere Vielfalt erleben", so Witt. "Wir haben ein Jahr Zeit zu organisieren. Jeder kann Ideen einbringen." Eventuell will Witt einen Festausschuss gründen. Die Hausbrauertage sind auch für Besucher, die nicht Mitglied bei den Hobbybrauern sind, offen. Stimmrecht haben sie bei den Neuwahlen 2012 natürlich nicht.

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Weitere Bilder im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/nordhorn
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