Zwei Amberger erkunden die Enden dieser Erde
Auch Weltreisende brauchen Urlaub

Sabine Hoppe und Thomas Rahn genossen ihren Ausflug in die Rocky Mountains in Kanada. Sogar "Urlaub" gemacht haben die beiden. Wie sieht der aus, wenn man auf Weltreise ist? "Wir gehen wandern und erledigen Dinge, die wir erledigen müssen, waschen Wäsche, reparieren. Eher gemütlich. Und natürlich mit Grillen."

17 000 Kilometer in zehn Monaten: Für den alten Benz von Sabine Hoppe und Thomas Rahn kein Problem. "Eher ein Kurztrip", meint Thomas augenzwinkernd. Schließlich sind er und Sabine zuvor schon 33 000 Kilometer mit ihrem Wohn-Lkw gefahren. Nur einmal hing er am Abschlepphaken. Nicht wegen einer Panne. Sondern wegen der Vorschriften in Singapur: Dort darf man nicht mit einem Wohnmobil fahren.

Parken darf man es übrigens auch nicht. Aber das haben die beiden Amberger erst erfahren, als sie im Hafen von Singapur darauf warteten, ihren Laster in die USA zu verschiffen. Vier Monate lang Anfragen und 90 E-Mails waren dafür nötig. Zurück auf Heimaturlaub können die Weltenbummler darüber lachen: Wegen des Fahrverbots mussten sie ihr Wohnmobil von einem Abschlepper durch Singapur ziehen lassen.

Noch keine einzige Panne

Die einzige Begegnung ihres Lasters mit einem Abschlepper. "Wir hatten noch keine einzige Panne." Da sollten die nächsten paar Tausend Kilometer auch kein Problem sein. 2012 werden es ohnehin nicht ganz so viele sein: Sabine, die "nebenher" Malerei studiert, macht im November ihr Diplom, weshalb sie diesmal nur bis September unterwegs sind. Ihre erste Etappe führte die beiden 2010 von Amberg bis nach Laos. Von hier aus ging es im Januar 2011 weiter nach Kambodscha, Thailand, Malaysia bis Singapur. Dort haben sie ihr Gefährt nach Seattle/USA verschifft.

Kein Empfang in Kanada

Ein neuer Kontinent, neue Eindrücke. Und alte Bekannte: In Kanada haben Sabine und Thomas die Praschls aus dem Landkreis Schwandorf wiedergetroffen. Auch sie sind auf Weltreise, in entgegengesetzter Richtung. Kanada überraschte die Amberger mit seiner Größe. Und mit einem unerwarteten Problem. "Es war tatsächlich das einzige Land, das wir bislang bereist haben, in dem es nicht möglich ist, ein Handy zu benutzen", staunt Sabine.

Südostasien, speziell Thailand, und Nordamerika lernten die beiden als "sehr interessante Regionen" kennen. "Wir sind sehr positiv überrascht worden." Thailand hatten sie "touristischer erwartet, als wir es erlebt haben", konkretisiert Sabine: "Es war total einfach, wunderschöne Stellplätze zu finden, das hatten wir uns viel komplizierter vorgestellt." Einziges Manko: "die unglaubliche Hitze". Ohne Klimaanlage heizt sich der Lkw tagsüber bis auf 30, 40 Grad auf. Die Kultur Südostasiens fanden die beiden besonders reizvoll. Die berühmten Tempel von Angkor Wat in Kambodscha zum Beispiel, wo die Amberger campierten - "als Nachbarn der größten Tempelanlagen der Welt", wie es Thomas formuliert. Sieben Monate Südostasien. "Und wir haben nur einen winzigen Bruchteil gesehen, weil's einfach so riesig ist", berichtet er. Größe erwartete die beiden auch auf der anderen Seite des Pazifiks: "Kanada ist so riesig, da fährt man wochenlang rum, schaut sich danach die Route auf der Karte an - und braucht fast eine Lupe", verdeutlicht Thomas.
Vancouver gilt vielen als schönste Stadt der Welt. Ist sie es? In mancher Hinsicht ja - etwa in Sachen Lebensqualität, so der Eindruck von Sabine und Thomas. Aber es gebe spannendere Städte: Bangkok oder Kuala Lumpur zum Beispiel. Trotzdem hat Sabine den Eindruck, dass es sich in Vancouver gut leben lässt - "wenn du einen guten Job hast, weil es schon sehr teuer ist". Die vielen Obdachlosen sind den beiden sofort aufgefallen. "Dann weiß man das System hierzulande sehr zu schätzen: dass für jeden eine soziale Absicherung da ist", sinniert Thomas. In Asien sei Armut auch präsent, aber die Betroffenen gehörten doch zur Gesellschaft. In Nordamerika stünden sie außerhalb - und jeder kämpfe für sich.

Urlaub auf der Weltreise

Ihre Reise führte die Amberger weiter die US-Westküste entlang - auf der berühmten "Route 101". Besonders gut gefiel ihnen der Südwesten. Thomas schwärmt von der "unglaublichen landschaftlichen Vielfalt". Grand Canyon, Death Valley, Las Vegas - "in den USA war eigentlich jeden zweiten Tag was Tolles", bilanziert Sabine. Da haben die beiden sogar mal "Urlaub" gemacht.
"Urlaub ist, einfach mal nichts Neues zu sehen", gibt Sabine diesem Wort eine ganz neue Bedeutung. Und Thomas ergänzt: "Dass es auch viele Herausforderungen gibt, das Reisen zum Alltag wird und dass es sehr fordernd sein kann, permanent in einer neuen Umgebung zu sein, ist erst nachzuvollziehen, wenn man mal selber eine Zeit lang unterwegs war." Natürlich haben Sabine und Thomas in Las Vegas auch gespielt. Mit 40 Dollar hatten sie beim Roulette "erstaunlich lang Spaß" - eine halbe Stunde. Gewonnen haben sie nichts. Geheiratet haben sie auch nicht. Dafür haben sie in den USA viel von der Kultur mitbekommen. Auch von der Grillkultur. Thomas fühlte sich an den Iran erinnert. Dort werde auch "unglaublich viel gecampt, Picknick gemacht, gegrillt - das ist genau wie in den USA". Er ist überzeugt: "Viele Iranis und Amerikaner würden sich in ihrer Freizeit sehr gut verstehen."

Ende Januar geht's weiter

Herzlichkeit und Gastfreundschaft haben die Amberger überall erlebt. Deshalb empfehlen sie, "sich andere Länder anzuschauen - auch Russland, den Iran. Und nicht so viel Angst zu haben." Sie selbst sind schon "von Amberg bis an den letzten Schnürpfel Asiens", ans "Ende der alten Welt" gekommen. Jetzt wollen sie weiter, ans "Ende der neuen Welt" - nach Feuerland. Am 30. Januar geht's weiter. Wie lange eigentlich noch? "Bis es aufhört, Spaß zu machen", sagt Thomas.
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