02.02.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Zwei Bücher beschäftigen sich mit dem Leben des Schriftstellers Stefan Zweig Eine Biographie und viele Briefe

von Susanne WolkeProfil

Er gehört zu den beliebtesten und meist gelesenen Klassikern des 20. Jahrhunderts: Stefan Zweig (1881 - 1942) begeistert noch heute das internationale Lesepublikum. Der Literat wäre in diesen Tagen 125 Jahre alt geworden. Pünktlich zum Jubiläum hat der Fischer-Verlag zwei Bände herausgegeben: Eine Biographie sowie einen Abdruck des Briefwechsels zwischen Stefan Zweig und dessen erster Ehefrau Friderike.

"Stefan Zweig. Drei Leben - eine Biographie" (416 Seiten, 19.90) heißt die erste der beiden Neuerscheinungen. Der Autor Oliver Matuschek greift damit eine Textform auf, die Stefan Zweig selbst bestens vertraut war: Neben seinen Novellen waren es vor allem die Biographien über historische Persönlichkeiten, die dem Schriftsteller internationalen Ruhm verschafften.

Ganz ähnlich wie Stefan Zweigs Werke über Marie Antoinette, Maria Stuart oder Erasmus von Rotterdam basiert die Arbeit von Oliver Matuschek auf Dokumenten, Briefen und Tagebucheinträgen. Ebenso wie einst Stefan Zweig behandelt Matuschek die Quellen durchaus kritisch. Die Hauptperson erscheint dabei nicht immer im vorteilhaftesten Licht. Eigene Darstellungen Stefan Zweigs, der - wie sich nun herausstellt - bei der Schilderung seiner Erlebnisse nicht immer ganz bei der Wahrheit blieb, werden mitunter revidiert.

Doch trotz - oder gerade wegen - mancher nur allzu menschlicher Schwächen bleibt Stefan Zweig das ganze Buch hindurch sympathisch: Der Leser lernt ihn als zurückhaltenden, fast schüchternen Mann von Welt kennen. Als österreichischen Juden, der seit 1934 eine Odyssee der Emigration durchlaufen musste. Als verzweifelten Pazifisten, der sich stets für Frieden und Verständigung einsetzte, zahlreichen Menschen half und am Ende doch kapitulierte angesichts von Krieg, Gewalt und Grausamkeit.

Oliver Matuschek verfolgt den Lebensweg Stefan Zweigs von der Kindheit und Jugend im Wiener Bürgertum bis zum Freitod im brasilianischen Exil. Er erzählt vom rasch einsetzenden schriftstellerischen Erfolg des jungen Mannes. Von Zweigs Beziehungen zu Rainer Maria Rilke, Thomas Mann, Sigmund Freud, Auguste Rodin und anderen geistigen Größen. Matuschek begleitet Zweig auf zahlreiche Reisen. Er schildert die Jahre in Salzburg, wo Zweig als erfolgreicher Autor mit seiner ersten Ehefrau Friderike lebte und endet schließlich mit der Zeit im Exil.

Die zweite Neuerscheinung "Wenn einen Augenblick die Wolken weichen" (433 Seiten, 24.90) stellt Stefan Zweig anhand eigener Aufzeichnungen vor. Der Abdruck der Korrespondenz zwischen Stefan Zweig und dessen erster Frau Friderike enthält revidierte und bislang unveröffentlichte Briefe aus den Jahren 1912 und 1942.

"Lieber Herr Stefan Zweig" - so beginnt Friderike den Kontakt, als sie dem Schriftsteller am 25. Juli 1912 brieflich ihre Verehrung ausdrückt. Friderike wird Zweigs Geliebte und Ehefrau, später lassen sich die beiden scheiden. Über 30 Jahre hinweg, während seiner zahlreichen Affären und auch nach der Trennung, schreiben sich Stefan und Friderike Zweig regelmäßig.

Bis zum 22. November 1942. An diesem Tag wendet sich Stefan ein letztes Mal an die Vertraute. "Wenn Dich dieser Brief erreicht, geht es mir bedeutend besser als früher." Die Worte bedeuten einen Abschied für immer: "Ich schreibe Dir diese Zeilen in meinen letzten Stunden, und Du kannst Dir nicht vorstellen, wie erleichtert ich mich seit diesem Entschluss fühle." Stefan Zweig konnte den Krieg und die ständige Flucht nicht mehr ertragen. Wenige Stunden nachdem er die Zeilen geschrieben hatte war er tot.

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