Altes Blech ab Werk
Oldtimer direkt vom Hersteller

Altes Blech boomt, wie hier in der Classic Remise in Düsseldorf in bunter Weise zu sehen ist. Kaufen kann man solche Autos in einigen Fällen sogar direkt beim Werk. Archivbild: dpa
 
Im Porsche Museum stehen derzeit rund 560 Fahrzeuge. In den Verkauf gelangen Museumsstücke selten. Wenn, dann beispielsweise 911-Modelle neuerer Generation. Bild. dpa

Oldtimer werden immer beliebter. Neben Gebrauchtwagenbörsen, Händlern und Auktionen bieten auch Museen und Sammlungen verschiedener Hersteller ihre Fahrzeuge zum Kauf an. Eine gute Quelle für den Kauf von Garagengold?

Unter blickdichten Stoffen versteckt sich poliertes Blech. Fein aneinandergereiht stehen die Oldtimer in einer Halle. Trocken, beheizt und staubfrei. Sie warten aber nicht auf Besucher, sondern auf Käufer. Automuseen der Hersteller optimieren regelmäßig ihre Sammlung. Dazu gehört auch der An- und Verkauf von Oldtimern.

Teuer aber original

BMW und Mercedes bieten beispielsweise schon seit einigen Jahren Oldtimer auf dem freien Markt an. "Mercedes verkauft Fahrzeuge, die in sehr gutem oder perfektem Zustand und hundertprozentig original sind", sagt Frank Wilke, Oldtimerspezialist und Geschäftsführer vom Oldtimerbewerter Classic-Analytics. Die Angebote richten sich an Interessenten, die absolute Gewissheit über Originalität und Authentizität verlangen. "Das erhalten sie beim Kauf von einem Hersteller. Der hat ein Image zu verlieren", sagt Wilke. Nachteil: Im Vergleich zum durchschnittlichen Marktpreis kosten die Fahrzeuge teilweise drei- bis viermal so viel. Ein Preis, den einige Kunden scheinbar bereit sind zu zahlen.

Die BMW-Sammlung umfasst derzeit über 1300 Exponate wie Autos, Motorräder, Motoren und Boote. "Wir wollen möglichst die gesamte Produkthistorie der BMW Group abbilden", sagt Benjamin Voss von BMW Classic. Fehlende Fahrzeuge seien in einer Ankaufsliste vermerkt. "In der Vergangenheit haben wir auch Fahrzeuge aus unserer Sammlung verkauft", sagt Voss. Das waren aber lediglich Fahrzeuge, die mehrfach vorhanden waren.

BMW verkauft seit 2010 klassische Fahrzeuge durch das BMW Group Classic Center. "Wir legen den Fokus auf den individuellen Wunsch der Kunden und bieten ein breites Leistungsportfolio", sagt Voss. Dazu zählt Unterstützung beim Kauf eines bereits bekannten Fahrzeugs oder beim Suchen, Kaufen und - falls nötig - beim Restaurieren. Auch Kundendienst und eine Komplett-Restaurierung gehören dazu. "Wir kaufen auch Fahrzeuge ohne Kundenauftrag an, wenn wir interessante Autos oder Motorräder finden." Kunden können hier ihren BMW-Oldie auch verkaufen lassen. Jedes verkaufte oder vermittelte Fahrzeug werde von Mitarbeitern vor Ort und anschließend in der historischen Werkstatt ausführlich geprüft. Dazu stehen auch klassische Fahrzeuge bereit, die nicht zur Fahrzeugsammlung der Group Classic zählt. Eine Verkaufsausstellung wie bei Oldtimerhändlern gibt es nicht. "Wir konzentrieren uns auf die persönliche Betreuung der Interessenten", sagt Voss. Dafür gebe es in Deutschland derzeit 15 zertifizierte Partner. Bis Mitte 2017 soll ein flächendeckendes Netz mit bis zu 50 Händlern entstehen.

Nur neuere 911er

Auch Porsche optimiert permanent seine Sammlung. Verkauft werden aber, wenn überhaupt, nur Neufahrzeuge oder Modelle neuerer Generationen des 911. "In der Sammlung des Porsche-Museums befinden sich rund 560 Fahrzeuge. Wir bewahren aus allen Epochen der Unternehmensgeschichte besondere Sport- und Rennwagen auf", sagt Alexander Klein, Leiter Fahrzeugmanagement des Porsche-Museums. Das Spektrum reiche von Elektromobilen des frühen 20. Jahrhunderts bis zu Motorsportfahrzeugen der aktuellen Saison, von Prototypen und Studien bis zu Serienfahrzeugen. "Das Porsche-Museum versteht sich nicht als Handelsplattform. Wir sammeln, aber verkaufen nicht. Wir überprüfen nur unseren Bestand regelmäßig auf Überbestände."

Mercedes kauft nur ...

Das Mercedes-Museum arbeitet ähnlich. Die Sammlung umfasst derzeit rund 1100 Fahrzeuge. "Ziel ist es, von jedem Fahrzeug, das Daimler oder die Vorgänger-Unternehmen gebaut haben, ein Exemplar zu besitzen", sagt René Olma von Mercedes-Benz Classic. Seit der Nachkriegszeit kauft das Museum das jeweils letzte Modell einer Serie. Etwaige Lücken werden immer mal wieder geschlossen. "Unser Auftrag ist das Bewahren: Wir kaufen, aber verkaufen nicht." Bei sogenannten Code-17-Fahrzeugen wie Studien oder Entwicklungsfahrzeugen wäre dies auch rechtlich nicht möglich.

... aber nur fast

Ähnlich wie BMW ist Mercedes aber dennoch vor einigen Jahren in den Oldtimer-Fahrzeughandel eingetreten. Unter dem Namen All Time Stars handeln die Stuttgarter mit Klassikern. 2015 waren es etwa 50 Fahrzeuge. Das Angebot reicht vom Vorkriegs-Modell bis zum Youngtimer, zu Preisen zwischen 10 000 und zwei Millionen Euro. Das Unternehmen ist ständig auf der Suche nach hochwertigen Fahrzeugen.

VW betreibt gleich mehrere Sammlungen, darunter Karmann (etwa 135 Fahrzeuge), die Stiftung Auto-Museum (60) und Volkswagen Classic (185). Fehlende Fahrzeuge der Historie würden im Einzelfall angekauft. "Sowohl An- als auch Verkäufe haben wir in der jüngeren Vergangenheit nur in Einzelfällen durchgeführt", sagt Sascha Oliver Neumann von Volkswagen Classic. Derzeit gebe es keine Verkaufs-Fahrzeuge.

Sollten Autos dafür in Frage kommen, gebe es einen festgelegten Prozess: Sie werden auf einer Internet-Plattform im Gebotsverfahren eingestellt. Registrierte Nutzer mit Gewerbenachweis können sie ersteigern, mit Ausschluss der Gewährleistung. Der Zustand kann dabei variieren. Die betreffenden Autos seien größtenteils mit einem Gutachten, nicht älter als zwölf Monate, bewertet. Probleme für Käufer sieht Oldtimer-Experte Wilke aber nicht. "Seriöse Anbieter haben einen Ruf zu verlieren, die werden nicht bewusst Autos mit versteckten Mängeln verkaufen."
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