23.06.2017 - 18:02 Uhr
Deutschland & Welt

Am Ende der Welt: Tolle Blicke auf den Atlantik – Aussichtspunkte in der Bretagne

Wild schäumend brandet der Atlantik an die Klippen der Bretagne, ohrenbetäubend ist das Tosen. Seit Urzeiten hat das Meer die teilweise fast hundert Meter hohen Felsen geformt, die wie riesige Pranken in das Wasser ragen. Wer im äußersten Westen Frankreichs Urlaub macht, sollte sich dieses Schauspiel nicht entgehen lassen.

von Thomas Schaller Kontakt Profil

Bekannt ist die Bretagne hauptsächlich für ihre Megalithkultur. Menschen der Jungsteinzeit richteten – vermutlich zu Kulthandlungen oder für astronomische und kalendarische Beobachtungen – unbehauene Großsteine (so die Übersetzung von Megalith und Menhir) auf, entweder einzeln stehend oder in Reihen oder Kreisen angeordnet. Manche Steinsetzungen wie die tischartigen Dolmen dienten vermutlich der Bestattung der Verstorbenen. Viele Sagen erzählt man sich in der Bretagne. Dass diese Region zum "Land der Legenden" wurde, verdankt sie unter anderem den keltischen Einflüssen, ihren geheimnisvollen Stätten, ihrer Landschaft und der Entlegenheit.

Wo die Klippen steil ins Meer abfallen, hörte für die Menschen buchstäblich die Erde auf: Das Lateinische finis terrae ("Ende der Welt") wurde zu Finistère, denn so heißt heute das westlichste Département Frankreichs auf dem europäischen Kontinent.

Video: Thomas Schaller

Zu den bekanntesten Kaps gehört sicherlich die Pointe du Raz am Ende der im Süden gelegenen Landspitze Cap Sizun. Doch beeindruckende Aussichtspunkte gibt es noch jede Menge mehr. Einige Beispiele:

Pointe du Van

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Das Kap Pointe du Van liegt nördlich der Pointe du Raz, auf die sie über die Baie de Trépassés ("Bucht der Dahingeschiedenen") einen guten Ausblick erlaubt. Tief unten schäumt die Gischt gegen die Felsen. Oben steht mitten in der kargen Heidelandschaft die Kapelle Saint-They, umgeben von einer Steinmauer. Wie viele Seemannsfrauen werden hier um die wohlbehaltene Rückkehr ihrer Männer gebetet haben? Im Nordosten liegt die Bucht von Douarnenez. Von der Halbinsel Crozon herüber grüßt das ...

Cap de la Chèvre

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Chèvre ist im Französischen eigentlich die Ziege. Doch mit ihr hat das gleichnamige Kap am Südausläufer der Halbinsel Crozon nichts zu tun. Vielmehr soll der Name auf einen bösen Riesen namens C'awr zurückgehen, der in einer Sage von Zwergen überwältigt wurde. 96 Meter hoch stehen die Klippen im Meer. Noch heute sind Überreste deutscher Militäranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen. Eine Gedenktafel erinnert an den Sieg, den die Amerikaner hier errangen. Die französische Marine betreibt auf dem Kap einen Signalturm. Eine große Gedenkanlage ist den ums Leben gekommenen französischen Marineangehörigen gewidmet.

Pointe de Dinan

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Nur kleine Nebenstraßen führen zu der einsam gelegenen Landspitze Pointe de Dinan, an deren Felsen der Ozean ganze Arbeit geleistet hat: Gleich mehrere Ausspülungen haben in das Gestein Höhlen und Durchgänge gefressen. Über eine solche natürliche Brücke erreicht der Wanderer eine Felsmasse, die wie eine Festungsruine wirkt. Daher trägt die Formation den Namen Château de Dinan. Das weitläufige Gelände ist mit steinigen Pfaden wie im Hochgebirge erschlossen. Möwen haben sich an die Besucher gewöhnt und kommen ohne große Scheu heran, weil sie auf Überbleibsel der Brotzeit hoffen. Nicht weit entfernt wachsen die Erbseninseln aus dem Meer, die dem nächsten Ziel vorgelagert sind, nämlich der ...

Pointe de Penhir

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Die Pointe de Penhir ist die mittlere der drei Spitzen der Halbinsel Crozon, die wie ein Kreuz in den Atlantik ragt und die Rade de Brest von der Bucht von Douarnenez trennt. In bizarren Formationen stehen die Felsen aus hellem Granit auf dem Kap. Bildete nicht das blaue Meer den Hintergrund, könnte man leicht an den Steinwald denken und an das Waldnaabtal. Wie mit riesigen Tropfen pflanzt sich das siebzig Meter hohe Kliff in den Atlantik fort. Die Inseln mit abnehmender Größe tragen den Namen Tas de Pois ("Erbsenhaufen").

Pointe des Espagnols

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Das Kap Pointe des Espagnols bildet den nördlichsten Ausläufer der Crozon-Halbinsel und präsentiert eine überragende Sicht auf die Hafenstadt Brest. Steht man an diesem Panoramapunkt, wird man sich sofort dessen strategischer Bedeutung bewusst, denn von hier aus war die Einfahrt in die Rade de Brest, also in die große Bucht, schon immer leicht zu kontrollieren und damit die bedeutende Hafenstadt zu schützen. Bis heute spielt die Pointe eine militärische Rolle. Der Name erinnert an ein Ereignis im späten 16. Jahrhundert, als spanische Söldner die Einfahrt in die Bucht blockierten und bei der Rückeroberung durch die französischen Truppen große Verluste erlitten.

Windmühle von Telgruc-sur-Mer

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Viel gibt es nicht zu sehen im Urlauberort Telgruc-sur-Mer gegenüber der Hafenstadt Douarnenez. Der Strand von Trez-Bellec ist beliebt bei Wasserratten und Wellenreitern. Wenn man aus dem Dorf hinunter zum Strand geht, kommt man an der Windmühle von Telgruc vorbei. Sie ist ein ideales Fotomotiv mit dem blauen Wasser der Bucht von Douarnenez im Hintergrund. Das beste Licht herrscht am Abend.

Kirche Notre-Dame in Landévennec

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Die Kirche von Landévennec trägt einen berühmten Namen: Notre-Dame. Vor ihr wiegen sich Palmen in der Brise, ein paar Meter weiter unten plätschern die Wellen an die Mauern des Friedhofs, der das Gotteshaus umgibt. Obwohl der Standpunkt nicht hoch liegt, reicht der Blick weit – bis nach Le Faou am Ende des Ausläufers der Bucht von Brest. Le Faou zählt zu den schönsten Gemeinden Frankreichs. Das liegt an den historischen Häusern mit Schieferfassaden im Zentrum. Wer die paar Kilometer von Landévennec nach Le Faou fährt, muss einen Umweg an der in den Meeresarm mündenden Aulne entlang machen, die er auf der Schrägseilbrücke Pont de Térénez überquert.

Pointe Saint-Mathieu

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Rund 20 Kilometer westlich der Hafenstadt Brest, auf der Pointe Saint-Mathieu, sendet der gleichnamige Leuchtturm seine Signale auf den Atlantik hinaus. Er steht auf dem Gelände der ehemaligen Abtei Saint-Mathieu, von der heute noch die Mauern der Kirche zu sehen sind. Laut Chronistenberichten bewahrten die Mönche einst das Haupt des heiligen Matthäus auf. Eine Kapelle auf dem weitläufigen Gelände ist der Schutzheiligen Notre Dame de Grâce geweiht. Am Rande der Klippen erinnert ein Denkmal an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Seeleute. Draußen auf dem Meer liegen die Inseln des Molène-Archipels vor der Küste: darunter Île de Béniguet, Île-Molène und die große Île d'Ouessant.

Informationen

Comité Régional du Tourisme de Bretagne 1, Rue Raoul Ponchon
F-35069 Rennes Cedex
www.bretagne-reisen.de

Zur Reisereportage "Obelix hätte seine helle Freude"

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