14.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ambergs Projekthilfe Luppa streitet für die Armen 50 Jahre Herzblut für Entwicklung

Damit Kinder wie sie in Afrika oder anderen armen Teilen der Welt Hoffnung und eine Zukunft haben, engagiert sich die Amberger Projekthilfe.
von Redaktion OnetzProfil

Der Papst empfing ihn zur Privataudienz, mit dem Dalai Lama tauschte er sich über das Flüchtlingselend der Tibeter aus und Mutter Teresa dankte ihm einst persönlich für seinen Einsatz in den Armenvierteln von Indien. Es gibt wohl kaum einen zweiten Amberger, dem in höchsten Kreisen so viel Anerkennung für sein humanitäres Wirken zuteil wurde wie Dr. Dietrich Luppa. Als er 2004 im Alter von 87 Jahren verstarb, herrschte an vielen Orten der dritten Welt Trauer. Denn hier wohnte 33 Jahre lang die Seele des Allgemeinarztes aus Ammersricht, fühlte er sich wie zu Hause.

Mediziner hilft medizinisch

Helfen wollte er nicht nur den Menschen daheim in seiner Praxis, sondern auch an Orten, wo medizinische Versorgung nicht vorhanden oder für die Armen unerschwinglich ist. Luppa gründete dafür 1964 die Gemeinschaft zur Förderung sozial-medizinischer Stiftungen, wie sie damals noch kompliziert hieß, einen Entwicklungshilfeverein, den Tausende Amberger gern unterstützten.

Das ist bis heute so, auch wenn die Organisation in Würdigung ihres langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden mittlerweile Projekthilfe Dr. Luppa heißt. Untrennbar bleibt sie so verbunden mit dem Pionier effektiver Entwicklungshilfe aus Amberg, der es stets geschickt verstand, die Bürger aus Stadt und Region für seine Vorhaben zu gewinnen.

Das lag an der Begeisterungsfähigkeit, die Luppa selbst für diese ehrenamtliche Tätigkeit mitbrachte und mit der er jeden in seinem Umfeld sofort mitriss. Wobei ihm als Arzt in erster Linie an einer medizinischen Hilfe in den armen Ländern der Erde gelegen war. So war eines seiner ersten Projekte auch der Aufbau einer Poliklinik in der Provinz Sorsogon auf den Philippinen. 1979 gesellte sich ein Kinderhospital dazu - zwei Einrichtungen, die den Bürgern Ambergs bestens bekannt sind. Zum einen, weil Luppa regelmäßig über die Medien über seine aktuelle Arbeit berichtete. Zum anderen, weil die Amberger sogar ihr Altstadtfest jahrelang für Sorsogon feierten. Der Erlös floss regelmäßig in die beiden Häuser, die weite Teile der Bevölkerung an der Südspitze der Nordinsel Luzon versorgten. Arme Menschen, die kein Geld für die Behandlung hatten, eben auch kostenlos. So verstand Dr. Luppa den Auftrag von "humanitärer Hilfe", den er sich und dem Verein gegeben hatte.

Wobei die meiste Arbeit an ihm selbst hängen blieb, wie das halt in vielen Vereinen ist, vor allem wenn es neben den normalen Tätigkeiten auch um so idealistische Ziele geht, die Herzblut brauchen. Fast schon selbstverständlich, dass ihn die Stadt Sorsogon zu ihrem "Sohn" und Ehrenbürger machte.

Sogar der einstige philippinische Staatspräsident Ferdinand Marcos wurde auf diese außergewöhnliche Verbindung zwischen Sorsogon und der Oberpfälzer Stadt aufmerksam. Er verlieh Dietrich Luppa persönlich die Ehrendoktorwürde der Ortanez-Universität von Manila. Doch auf solche Auszeichnungen kam es dem Amberger nie an. Er wollte effektiv helfen und entwickelte dabei schon früh die Idee von der Hilfe zur Selbsthilfe. So waren viele Projekte so strukturiert, dass sie sich am Ende selber tragen konnten.

Sorsogon nun selbstständig

Bei der Poliklinik und dem Kinderhospital war das aufgrund des dort beschäftigten Personals, das weiterbezahlt werden musste, nicht so einfach. Aber auch hier fand der Verein 1998 die Lösung, beide Häuser an Sorsogon zu übergeben und sie künftig zusammengefasst als städtisches Krankenhaus betreiben zu lassen.

Das geschah unter der Regie von Dr. Ulrich Siebenbürger, der Luppa 1997 nach 33 Jahren an der Spitze ablöste. Der Amberger Kinderarzt leitet die Projekthilfe nun auch schon seit 17 Jahren - treu an seiner Seite blieb der schon früh zu Luppas Zeiten amtierende zweite Vorsitzende Dr. Ulrich Schmid. Durch das auch persönlich starke Engagement dieser drei Männer kann die Projekthilfe heuer ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Wiewohl Ulrich Siebenbürger betont, dass sich die Arbeit gewandelt hat.

"Was wir heute machen, ist mehr eine Begleitung unserer Partner in Übersee", schildert er den Unterschied zu früheren Projekten. Hatte der Verein einst selbst oft die komplette Verantwortung und Leitung seiner Vorhaben übernommen - was von Amberg aus nicht immer einfach war -, liegt dieser Ball mittlerweile bei den Partnern vor Ort. Das sind in der Regel inländische Hilfsorganisationen, die sich mit ihren Strukturen und ihrer Kenntnis von Land und Leuten bewährt haben. Mit ihnen kooperiert die Projekthilfe Dr. Luppa, macht sich sozusagen ihr Know-how und ihre Verbindungen nach erwiesener Zuverlässigkeit zunutze.

Dazu reist der Vorsitzende nicht selten mit seiner Ehefrau Dr. Cornelia Siebenbürger in die Bestimmungsländer und überzeugt sich vor Ort von Partnern und ihren Zielen. Auch die Kontrolle des Erfolgs bei einem laufenden oder abgeschlossenen Vorhaben ist nach seinen Worten wichtig. Schließlich finanziert die Amberger Entwicklungshilfeorganisation ihre Arbeit allein aus Spenden und geht bei einem verschwindend geringen Verwaltungskostenanteil von durchschnittlich zwei bis 3,5 Prozent sehr sorgsam mit ihren Mitteln um.

Zu fast 100 Prozent stammt dieses Geld - immerhin rund 100 000 Euro Einnahmen jährlich - von Bürgern aus Amberg und dem Landkreis Amberg-Sulzbach. Sie schenken dem Verein aufgrund seiner strengen Richtlinien und seiner 50-jährigen erfolgreichen Arbeit ihr Vertrauen. Da hat auch der Namenswechsel vor 17 Jahren keine Rolle gespielt. Zumal er direkt ausdrückt, was die Organisation heute leistet: Sie hilft bei Projekten im armen Teil der Welt. So gesehen passt die Änderung der Nomenklatur ideal zum Wandel, der auch in Amberg vollzogen wurde: hin zur modernen Form von Entwicklungshilfe, die keine Abhängigkeiten schafft, sondern die Menschen selber in die Lage versetzt, ihr Leben zu verändern. Insofern hat es auch Jahrzehnte gedauert, bis der früh geborene Gedanke von der Hilfe zur Selbsthilfe konsequent umgesetzt wurde.

Aufgaben stärker verteilt

Neu dabei ist heute, dass der aktuelle Vorsitzende stärker auf die Verteilung von Aufgaben setzt und aktive Mitglieder in Vorstandsnähe an den Entscheidungen teilhaben lässt. Dadurch schließt sich der Kreis zur Funktion und einem Namen, den der Verein früher als Abkürzung für seine lange Bezeichnung auch getragen hatte: Amberger Fördergemeinschaft. Das ist er geblieben - eine Gemeinschaft von Amberg(ern), die Projekte in der dritten Welt fördern und sich dabei auf den direkten Draht und die Vertrauenswürdigkeit einer Organisation vor Ort verlassen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/meinvereinundich

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