26.07.2017 - 19:24 Uhr
Deutschland & Welt

Ausgebrannt Die ungewisse Zukunft des Dieselantriebs

Seit der Abgasskandal ruchbar wurde und die Städte sich ihrer Schadstoffbelastung bewusst werden, ist das Image des Diesels im freien Fall und mit ihm die Zulassungszahlen. Wer ein neues Auto kauft, sollte deshalb gut überlegen, auf welchen Antrieb er setzt.

von Agentur DPAProfil

Die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg sprechen eine deutliche Sprache. Im ersten Halbjahr 2017 ist der Anteil der Diesel-Zulassungen auf 41,3 Prozent gesunken. Haben die Selbstzünder früher noch den Markt dominiert, sind ihre Zulassungen mittlerweile im freien Fall. Während das KBA für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zwei- und dreistellige Zuwachsraten meldet und die Benziner immerhin um 11,7 Prozent zulegen, haben die Ölbrenner 9,1 Prozent verloren.

Aus gutem Grund, sagt Hans-Georg Marmit: "Erst der Abgasskandal, dann die drohenden Fahrverbote in den Innenstädten zum Beispiel in Stuttgart, Hamburg oder München und dann noch die Diskussion um die blaue Plakette - das hat zu einer massiven Verunsicherung der Verbraucher geführt", sagt der Experte von der Sachverständigenorganisation KÜS in Losheim am See.

Überlegt handeln

Mit konkreten Ratschlägen tun sich die Experten schwer. Doch mahnen sie generell zu überlegtem Handeln. "Wer früher beim Neuwagenkauf wie selbstverständlich zum Diesel gegriffen hat, sollte jetzt lieber zweimal darüber nachdenken", sagt Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Wer auf dem Land wohnt, lange Strecken fährt und sein Auto lange behält, für den könne der Selbstzünder womöglich auch weiterhin die erste Wahl bleiben. Doch für Großstädter, Kurzstreckenfahrer und Menschen, die jedes Jahr ein neues Auto kaufen, seien andere Antriebe womöglich die bessere Alternative, sagt der Experte.

Dabei darf man nicht nur an den Kauf und die Benutzung denken, sondern muss auch den Wiederverkauf berücksichtigen, sagt KÜS-Experte Marmit. Denn auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt haben der Dieselskandal und die drohenden Fahrverbote schon ihre Spuren hinterlassen.

Zwar registriert der Marktbeobachter DAT aus Ostfildern noch keine nennenswerten Preisunterschiede zwischen gebrauchten Benziner und Dieseln. Doch stünden die Selbstzünder im Schnitt 14 Tage länger, bis sie einen neuen Besitzer fänden. Außerdem rechnen die Experten mit einem drohenden Überangebot: "Etwa ein Viertel aller Dieselfahrer will sich schneller als sonst vom eigenen Pkw trennen, weil Unsicherheit bei drohenden Fahrverboten oder Angst vor Wertverlust herrscht", so das Unternehmen.

Gebrauchte werden billiger

Des einen Leid ist jedoch auch des anderen Freud: Selten waren gebrauchte Dieselfahrzeuge so billig zu bekommen wie heute. Wer also für kleines Geld ein sparsames Langstreckenfahrzeug sucht und keine Gedanken an Restwerte oder langfristige Einschränkungen verliert, kann jetzt echte Schnäppchen schießen.

Weiter einen Diesel kaufen, lieber auf Benzin oder Gas wechseln oder doch gleich ein Elektroauto nehmen - fürs erste muss das noch jeder selbst entscheiden und dabei abwägen, was ihm wichtiger ist. Gewissen oder Geldbeutel, sagt Marmit.

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