16.06.2017 - 10:08 Uhr
Deutschland & Welt

Brüder aus Hiroshima Vergleich Fiat 124 Spider und Mazda MX-5 RF

Ach, wären wir Zeitungs-Leser doch unter uns, dann könnten wir für diesen Vergleich ganz easy in der "Reifeprüfung" schwelgen und "Sounds of Silence" hören.

Welchen nehmen: Den turbospritzigen Fiat mit Softtop (links) oder den souverän drehenden Hubraumriesen von Mazda mit Targadach (rechts)? Oder die Mischung daraus, nämlich den Mazda mit Stoffverdeck - das geht auch. Alle Modelle laufen in Hiroshima vom Band und alle machen Riesenspaß. Sie haben die Wahl!
von Michael Ascherl Kontakt Profil

Doch wir sind ja Oberpfalz-Medien und haben auch eine Community, die sich diese Zeilen digital reinzieht und da fragen wir uns: Kennt die noch Dustin Hoffman? Also den jungen, den Simon-and-Garfunklischen, den Alfa-Romeo-Spider-Fahrer in "The Graduate", der sich als Benjamin Braddock entscheiden muss zwischen Mrs. Robinson und ihrer Tochter Elaine? Der rote Spider - ein Duetto - erfuhr durch den Film große Beliebtheit, die Musik von Simon&Garfunkel wurde weltbekannt. Und was hat das jetzt mit den beiden Autos in diesem Test zu tun? Einem Mazda und einem Fiat? Äh - nichts. Und auch wieder viel.

Vom selben Band

Erstens haben wir uns für die Testfahrten den Soundtrack des Streifens aufs Smartphone gestreamt und blauzahnmäßig gekoppelt. Und zweitens wäre der Fiat ums Haar ein Alfa Spider geworden. Und das kam so: Als Mazda die vierte Generation des MX-5 entwickelte, klopften die Italiener vom Fiat-Konzern an und machten ein Angebot, das Mazda nicht ablehnen konnte: Neben dem MX-5 (zu dessen Geschichte später) sollte auch der Alfa Spider vom Band rollen: Endlich wieder ein kleiner, klassischer Roadster mit Frontmotor und Heckantrieb, mit langer Schnauze und knackigem Heck. Leicht, schnell, wendig, stürmisch. So wie Hoffmans Duetto. In letzter Sekunde entschied man sich um, pappte statt der Schlange von Alfa das Fiat-Logo drauf, und fertig war die Wiedergeburt des Fiat 124 Sport Spider (1966 - 1985). Kurze Zwischenzusammenfassung: Beide Autos laufen in Hiroshima vom Band; die Unterschiede beschränken sich auf das Karosserie-Design und den Motor, den Mazda gibt es nicht nur mit Stoffverdeck, sondern auch als RF mit stabilem Dach und "Targa"-Anmutung.

Wenn du schon nichts mit der "Reifeprüfung" anfangen kannst, dann schnappen deine Synapsen vielleicht ein, wenn du "Miata" liest, denn mit diesem Original-Namen kamen die ersten Mazda-Roadster Ende der 1980er als Grauimporte nach Europa. Die Welt hatte auf genau dieses Auto gewartet, das in der Tradition des Lotus Elise stand und wegging wie warme Semmeln. Damals noch recht teuer, heute für (fast) jedermann erschwinglich. Klingelt es jetzt? Auch nicht? Dann fahren wir einfach los.

Ruck-zuck offen

Der Fiat (und auch der hier nicht vorhandene "normale" MX-5 mit Stoffverdeck) ist schneller offen als als man "Strada del Sole" sagen kann: Riegel am Windschutzscheiben-Rahmen lösen, Mütze zurückwerfen, fertig. Das dauert - von einem nicht mehr ganz so beweglichen Ü 50er ausgeführt - zwei Sekunden. Schließen geht genauso schnell. Der Mazda RF benötigt jeweils 12 Sekunden für sein spektakuläres und durch Hydraulik-Motoren unterstütztes Yoga der Glas- und Kunststoff-Teile. Ampel-Rot-Phasen sind lang genug, um die Show vorzuführen, allerdings läuft sie nur im Stand und bei Schrittgeschwindigkeit ab.Vorteil des festen Daches: Weniger Geräusche, mehr Ganzjahres-Tauglichkeit. Geschlossen zeigt der Fiat die Stoffmützigkeit des Landarbeiters, während der RF in seiner Silhouette fast einen auf Corvette macht. Offen ist der Fiat offener und der Mazda geschlossener. So einfach ist das.

Schon sind wir draußen aus der Stadt. Beide Roadster lassen die olfaktorischen und akustischen Wunder des Frühsommers volle Kanne herein. Wenn du jetzt etwas über frisch gemähtes Gras oder den Duft von Flieder lesen möchtest, müssen wir dich enttäuschen. Wir sind ja kein Kitsch-Blatt. Auch online nicht.

Hach, dieser Sommer!

Wobei: Ein wenig warm ums Herz könnte einem schon werden, weil sich auch der Hartgesottenste dem Roadster-Genuss nicht entziehen kann. Übrigens: Ein wenig beweglich und nicht allzu korpulent muss man schon sein, um die in beiden Autos tief montierten Sitze zu entern. Zwischen cool und lächerlich ist's ein schmaler Grat. Weil Mazda und Fiat das gleiche Fahrwerk haben, gilt für beide: Sie gehen schnell ums Eck, lassen den Hintern dank Heckantrieb auch mal tanzen, wenn's der Fahrer übertreibt und ESP deaktiviert. Beide sind reine Zweisitzer, Ablagen gibt es so gut wie nicht (abgesehen von einem abschließbarem Mini-Safe hinter den Sitzen). Die Lenkräder sind klein und griffig, die Armaturen ruhen ganz klassisch in Tuben, die Einstellräder für Heizung und Co. sind hübsch und praktisch. Kofferraum? Für kleines Gepäck.

Turbo oder Sauger

Größter Unterschied: Die Motoren. Fiat setzt auf einen 1400er Turbo, der 140 PS leistet, Mazda verbaut den Zwei-Liter-Sauger mit 160 PS (in der Basis auch mit 131 PS als 1500er). Und beide Motoren passen irgendwie. Der aufgeregter galoppierende Turbo zum Fiat, der gefühlt etwas spritziger reagiert (nach Turbo-Gedenk-Sekündchen) und vom Verbrennungsgeräusch her eher hell trompetet. Der Sky-Aktiv genannte Zwei-Liter von Mazda zieht dagegen schön gleichmäßig durch und klingt bassiger.

Weitere Entscheidungshilfe: Wer vom Fahrersitz aus über die langen Hauben blickt, erkennt beim Mazda nur die geschwungenen Kotflügel, zwischen denen die Haube abfällt (also eher den Dustin-Hoffman-Blick). Der Fiat-Fahrer sieht eine mächtige Haube mit Power-Domes, fühlt sich wohl eher an amerikanische Pony-Cars erinnert. Und der Preis? Überraschenderweise ist der Mazda in der 131-PS-Einstiegsversion mit 22 990 Euro etwas günstiger als der Fiat, der mindestens 24 990 Euro kostet, aber auch besser ausgestattet ist. Entscheidend aber auch, wo welcher Händler sitzt. Viel Spaß beim Konfigurieren. Wir hören noch ein wenig Musik: "Coo coo ca-choo, Mrs. Robinson!"

Stenogramm

Mazda MX-5 RF: Zweisitziger Roadster mit Hardtop

Antrieb: Vierzylinder-Benziner, 1998 ccm, 160 PS, max. Drehmoment 200 Nm bei 4600 U/min,, Sechsgang-Schaltung, Heckantrieb

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 215 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h 7,4 sec., Testverbrauch 8,2 l,Tankinhalt 45 Liter

CO2-Emission: 161 g/km (bei Normverbrauch von 6,6 l), Effizienzklasse G

Maße und Gewichte: Länge 3915 mm, Breite 1735 mm, Höhe 1236 mm, Leergewicht 1130 kg, Zuladung 250 kg, Kofferraum 127 Liter

Preis: 29 890 Euro (Grundpreis), 35 990 Euro (Testwagen)

Fiat 124 Spider: Zweisitziger Roadster mit Softtop

Antrieb: Vierzylinder Turbo-Benziner, 1368 ccm, 140 PS, max. Drehmoment 240 Nm bei 2250 U/min,, Sechsgang-Schaltung, Heckantrieb

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 217 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h 7,5 sec., Testverbrauch 8,2 l,Tankinhalt 45 Liter

CO2-Emission: 148 g/km (bei Normverbrauch von 6,4 l), Effizienzklasse E

Maße und Gewichte: Länge 4044 mm, Breite 1740 mm, Höhe 1230 mm, Leergewicht 1125 kg, Zuladung 190 kg, Kofferraum 140 Liter

Preis: 24 990 Euro (Grundpreis), 31 790 Euro (Testwagen) (ma)

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.