21.02.2018 - 20:30 Uhr
Deutschland & Welt

Der Ruf der Piranhas Alles außer blutrünstig

Hartnäckig hält sich ihr Ruf als Mörder. Dabei machen Piranhas in freier Natur nur ihren Job als Gesundheitspolizei. Zu Hause im Aquarium sind die Fische friedlich - vorausgesetzt, die Tiere hängen sich nicht auf der Pelle.

Piranhas wie der Rote Piranha (Serrasalmus nattereri) sind Schwarmtiere: Mindestens fünf sollten zusammen gehalten werden. Bild: Alexander Heinl/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin/Rodgau. Ihr Hirn ist so klein wie eine Stecknadel - und doch agieren Piranhas vorsichtig, fürsorglich und clever. Der starke Unterbiss suggeriert zwar einen Hang zum Missmut. Auf den zweiten Blick bezaubert aber ihr dunkelgrauer, sanft glitzernder Körper. Es sind schon beeindruckende Fische, die Piranhas im großen Schauaquarium des Zoos Berlin.

Marco Hasselmann, Reviertierpfleger Süßwasser im Aquarium Berlin, spricht mit geradezu väterlicher Begeisterung über die Fischgattung aus der Familie der Sägesalmler: "Piranhas sind toll. Schade, dass sie immer noch als die Mordbuben schlechthin gelten - der Mythos hält sich hartnäckig, obwohl sie nicht mordlustig sind." Die Fische haben ein phantastisches Geruchsvermögen, das andere Fische kaum übertreffen können. Ihr Zusammenleben in Gruppen funktioniert prima mit einer klaren Rangordnung.

Die Gesundheitspolizei

In Freiheit lebend erledigen Piranhas ihren Job als eine Art Gesundheitspolizei. Denn wie die Geier an Land fressen die Piranhas im Wasser das Aas. Damit verhindern sie Fäulnis und das Entstehen gefährlicher Keime. Sie selbst sind mit einem robusten Immunsystem ausgestattet. Marco Hasselmann staunt immer wieder: Selbst tiefe Wunden heilen bei einem Piranha in kürzester Zeit. Wenn durch einen kannibalischen Biss eines Kumpels ein ganzes Stück Fleisch fehlt, wächst es ruckzuck wieder nach.

Ist es möglich, diese Tiere im heimischen Aquarium zu halten? Wem es nur um den Gruselfaktor geht, sollte lieber die Finger davon lassen. Wer allerdings Erfahrung als Aquarianer gesammelt hat, kann sich zu Hause an den Fischen erfreuen. Tierhalter sollten über die besonderen Haltungsbedingungen von Piranhas Bescheid wissen und sich entsprechend beraten lassen, sagt Antje Schreiber vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe.

Geräumiges Aquarium

Zu den nicht unerheblichen Voraussetzungen gehören ausreichend große Becken sowie sehr gute Filteranlagen. "Auf gar keinen Fall sollte man der Versuchung nachgeben, die schnellwachsenden Fische zu kaufen, wenn kein geräumiges Aquarium zur Verfügung steht", warnt Wolfgang Staeck vom Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde. In einem Jahr können die Tiere mehr als 15 Zentimeter lang werden. Piranhas sind nicht günstig: Sie kosten etwa 12- bis 15-mal so viel wie Goldfische oder Guppies. "Da es sich um Schwarmtiere handelt, sollten mindestens fünf Fische zusammengehalten werden", erläutert Frank Schäfer, Betriebsbiologe bei "Aquarium Glaser". Die Firma beliefert den Großhandel, wissenschaftliche Institute und Schauaquarien. Seiner Erfahrung nach befassen sich nur wirklich interessierte Aquarianer mit der Haltung von Piranhas. "Die latschen auch nicht einfach in einen Laden", sagt Schäfer. In der Regel werden die Fische vorbestellt. Die üblicherweise in Europa nachgefragten Piranhas werden in Mitteleuropa oder in Hongkong gezüchtet.

Ein geräumiges Aquarium sollte mindestens 400 Liter fassen und die Seitenlänge mehr als 150 Zentimeter betragen. "Sobald Sägesalmler in zu kleinen Aquarien unter Enge leiden, kommt es wegen ihrer Angriffslust zu Problemen", warnt Wolfgang Staeck. Bei der Einrichtung des Aquariums ist auch zu beachten, dass Piranhas sehr schreckhaft sind, in Panik unkontrolliert umherschießen und sich dadurch verletzen können.

Auch die Dekoration des Aquariums muss durchdacht sein: Sie sollte nicht nur den Schwimmraum so gliedern, dass jeder Fisch seinen Platz gegen die Artgenossen abgrenzen kann, sondern den sensiblen Fischen auch Zufluchtsstätten und geeignete Versteckmöglichkeiten bieten. Diese Anforderungen erfüllen große Wurzeln und Äste aus im Zubehörhandel erhältlichem Moorkienholz. Stellenweise kann man das Becken auch mit großen und robusten Echinodorus- oder Anubias-Arten bepflanzen, rät Staeck.

Und was frisst der Piranha gerne? Im Aquarium Berlin wird frischer Fisch serviert, mit etwa 30 Zentimetern schön groß, damit die Zähne ordentlich was zu sägen haben. "Die Mehrzahl der Piranhas hat eigentlich ein breites Nahrungsspektrum, das sowohl tierische als auch pflanzliche Bestandteile umfasst", sagt Staeck. Für die Haltung im Aquarium heißt das, dass Piranhas nicht nur mit Fleisch und Fisch, sondern auch mit industriell gefertigtem Futter mit pflanzlichem Anteil ernährt werden sollten.

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