Die Liebe zu Boltenhagen
Ich gehe hier nicht mehr weg

Die Seebrücke von Boltenhagen: Ganz von der Spitze gibt's den besten Blick auf das Ostseebad. Manche sind danach hin und weg. Bilder: Maier (3), exb (2)
 
Klein, aber mit feinstem Sandstrand: Frühmorgens warten die Strandkörbe in der Weißen Wiek auf die Urlauber. Die Bucht ist ideal für die Kleinen.

Boltenhagen ist nach Heiligendamm und Travemünde das drittälteste Ostseebad in Deutschland. Und doch kommt dieser Ort im Nordwesten Mecklenburg-Vorpommerns immer noch ganz jung daher. Ein Ort zum Verlieben.

Sie ging hinaus. Weit hinaus. Sie ging bis ans Ende. Und beim Blick zurück schwärmte sie: "Ich gehe hier nicht mehr weg. Egal, was passiert." Katleen Herr war überwältigt. Von der Spitze der Seebrücke sah sie auf Boltenhagen, diesen verträumten Ort an der Ostseeküste, unweit von Wismar.

Herr bewarb sich hier Mitte der 1990er Jahre um den Job als Direktionsassistentin in einem neu eröffneten Hotel. Selbst wenn sie die Stelle nicht bekommen hätte, wäre sie hier geblieben, erzählt die gebürtige Braunschweigerin gut 20 Jahre später. Sie bekam die Stelle. Jetzt arbeitet sie als Marketingleiterin bei der Kurverwaltung. Seitdem hat sie zusammen mit ihrer Chefin, Kurdirektorin Claudia Hörl, von den Büros im Kurhaus aus den besten Blick hinaus zur Seebrücke, dem Wahrzeichen des 2600 Einwohner zählenden Ortes.

Das Wahrzeichen


Boltenhagen im Nordwesten von Mecklenburg-Vorpommern ist eigentlich ein Ort der Extreme. Schroff und luftig geht es im Westen zu, ruhig und entspannt im Osten. "Die Abwechslung macht Boltenhagen interessant", erklärt Kurdirektorin Hörl. Im Westen, in der Verlängerung des vier Kilometer langen Ostseestrandes mit feinstem, weißen Sand, verläuft die Steilküste: Bis zu 30 Meter hoch sind die Steinwände. Wanderwege führen bis zu den Klippen. Hier ist die See oft rau. Weiter unten, im Osten, im Ferienresort Weiße Wiek auf der Halbinsel Tarnewitz ist sie ganz ruhig und anschmiegsam. Das Bild der Bucht mit Blick hinüber zur Insel Poel könnte in jedem Urlaubskatalog einen tollen Platz finden.

Die Weiße Wiek ist nur ein Beispiel, was hier in den letzten Jahren touristisch entstanden ist. "Boltenhagen war aber auch schon zu DDR-Zeiten ein großes und beliebtes Seebad", erzählt Hörl. Anfang der 90er-Jahre wurde aber richtig investiert. Neben den Ferienresorts ist auf der kleinen Halbinsel Tranewitz auch der neue Hafen entstanden. Von der Mecklenburger- und Baltischen Promenade geht es hinüber zur neuen Marina. Segler legen hier genauso an, wie Besitzer von Sportbooten oder edlen Yachten. Hinten leuchten die Bootshäuser der Fischer rot. Allmorgendlich fahren sie hier noch raus, um reichen Fang zu machen. "Die Weiße Wiek und der Hafen waren für den Ort eine große Weiterentwicklung", sagt Hörl.

"Ein großes Hotel könnten wir schon noch brauchen", meint sie und hat da vor allem eine Ruine am Ortseingang im Blick. Es sind noch die grauen Überreste aus DDR-Zeiten, aber auch hier stellen Investoren schon Überlegungen an. Der Bau liegt ganz nahe an der Küste.

Insgesamt 10 000 Gästebetten bietet Boltenhagen den Urlaubern, dazu Camping- und Zeltplätze. Die Gäste reisen vor allem aus den neuen Bundesländern und Nordrhein-Westfalen an. "Aber auch Bayern kommen immer mehr", hat die Kurdirektorin registriert. Der Ort, an dessen Strand einst DDR-Soldaten patrouillierten, damit sich niemand per Luftmatratze in den Westen aufmachte, war schon immer eine Alternative zu den bekannten Bädern wie Travemünde, Binz (Rügen) oder den drei Kaiserbädern auf Usedom.

Das Herz des Ostseebades schlägt um die Kurpromenade und die Seebrücke. Am Strand herrscht an Sonnentagen ein großes Gewusel. Hinter den Dünen wird fleißig geradelt, auf der Mittelpromenade stehen feine Häuschen. Zwar nicht mit der Ausstrahlung der Binzer oder Heringsdorfer Bäderarchitektur, aber sie vermitteln ein wohliges und gemütliches Lebensgefühl.

Optimal zum Windsurfen


Das hat auch Katleen Herr gepackt. Sie hat nicht nur die Liebe zum Ort entdeckt, sondern auch ihre große Liebe gefunden. "Hier habe ich auch meinen Mann, einen Schwarzwälder, kennengelernt", erzählt sie. Beide lieben das Windsurfen, beide lieben diesen wunderbaren Fleck an der Ostsee. "Schnell haben wir beschlossen, dass wir hier alt werden." Sie werden für immer bleiben.

Die Weiße Wiek und der Hafen waren für den Ort eine große Weiterentwicklung.Kurdirektorin Claudia Hörl


Informationen zum Ostseebad BoltenhagenAdressen

Kurverwaltung

Ostseeallee 4 23946 Ostseebad Boltenhagen

Telefon: 038825 3600

E-Mail: boltenhagen.de info@boltenhagen.de

Anfahrt

Von Weiden oder Amberg nach Boltenhagen sind es in etwa 650 Kilometer, die Fahrzeit beträgt etwa acht Stunden. Die Route führt auf der A9 nach Berlin, dann fährt man auf der A24 Richtung Hamburg weiter. Später geht es auf der A14 über Schwerin nach Wismar. Von der Hansestadt sind es noch 20 Kilometer bis Boltenhagen.

Umgebung

Boltenhagen liegt im sogenannten Klützer Winkel und gehört zum Landkreis Nordwestmecklenburg. Der Ort Klütz zählt gut 3000 Einwohner, am Ortsrand lockt das Schloss Bothmer viele Besucher. Der mehrflügelige Komplex ist die größte erhaltene Barockanlage Mecklenburg-Vorpommerns. Boltenhagen liegt etwa 20 Kilometer westlich von Wismar und 30 Kilometer östlich von Lübeck.

Geschichte

Boltenhagen zählt derzeit etwa 2500 Einwohner und war schon immer begehrtes Reiseziel. Im Jahr 1882 wurden hier schon die ersten Strandkörbe aufgestellt. Vor allem bei Hamburgern war das Ostseebad sehr beliebt. Am 5. Juli 1929 erhielt Boltenhagen den Titel Ostseebad. Schon zu DDR-Zeiten war der Ort ein begehrtes Urlaubsziel. Nach der Wende wurde viel investiert. Seit 1992 gibt es die neue Seebrücke, die 290 Meter in die See hineinragt. Im Ort gibt es auch eine große Kurklinik. (mr)
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