20.07.2017 - 11:16 Uhr
Deutschland & Welt

Fahrbericht Audi A5 Coupé 2.0 TDI S-tronic Mit vier Ringen zum Segeln

von Berthold Zeitler Kontakt Profil

“Ins Blech gepresste Emotion” haben die Herren der vier Ringe den neuen Audi A5 bei der Weltpremiere hochgelobt. Auch wenn jetzt der Beau die Gefühle nicht unbedingt in Wallung bringt: “Schöi is a scho”, sagt mein Nachbar, der ansonsten gar nix über seinen 30 Jahre alten Passat kommen lässt. Die Unterschiede zum Vorgänger des Coupés sind eher marginal. Auf den ersten Blick jedenfalls. Hier ein bisschen frischer, dort etwas moderner und insgesamt, so wie die wellenförmige Schulterlinie, eine Spur akzentuierter und schärfer – das war’s dann schon. Alles andere hätte die Design-Ikone ja auch nur “verschlimmbessert”.

Hauch von Leichtigkeit

Dafür hat sich im Innenraum jede Menge getan. Technisch baut der Zweitürer ja auf der A4-Limousine. So zieht ein Hauch von Leichtigkeit ins Cockpit ein – samt dem Virtual Display. Dessen Anzeigen sind absolut klar und informieren den Fahrer über alles, worüber er auch Bescheid wissen muss. Und auch noch ein Stück weit mehr. Womit wir wieder einmal bei der Komplexität moderner Bedienungssysteme angelangt sind, die schon ein gewisses Maß an Einlesen verlangen, will man sich nicht ärgern. Im Falle Audi heißt das MMI Touch und ist ein Dreh-, Schiebe-, und Drückregler mit mannigfaltigen Möglichkeiten und einer an Smartphones orientierten Bedienlogik. Wer sich gerne mit Siri und Cortana unterhält, wird auch mit der Spracheingabe zurecht kommen. Ich persönlich rede lieber mit dem Beifahrer als mit einer Computerstimme. Vielleicht auch, weil die mit dem stiftländer Dialekt nicht immer klar kommt.

Kein Familienauto

Gegen Aufpreis gibt’s dann noch ein Headup-Display, das alle wichtigen Infos in die Windschutzscheibe spiegelt. An sich durchaus ein Sicherheitsaspekt, kann man sich im speziellen Fall, weil doppelt gemoppelt, die 980 Euro jedoch sparen. Das Geld ist im genauso teuren Adaptiv-Fahrwerk besser angelegt. Wer noch 20 Euro drauflegt, bekommt die empfehlenswerte Dynamiklenkung. Fast das doppelte kosten die Matrix LED-Scheinwerfer. Ob man sich Technik- (3350 Euro), Stadt- (1490 Euro) oder Tourpaket (1640 Euro) gönnt, ist eine Frage von Sicherheit und Komfort. Feines Nappa-Leder mit Kontrastnähten (1400 Euro) auf den ungemein sportlichen Sitzen oder Bang&Olufsen-Sound eine der luxuriösen Art. Unser Testwagen jedenfalls brachte es so auf einen “Mehrwert” von fast 21 000 Euro. Das ist zwar eine Menge Holz, aber die Klientel mag das. Ein Familienauto ist der A5 jedenfalls nicht. Eher etwas für die gehobene Zweier-Beziehung. Wer die viel zitierte Schwiegermutter mitnehmen muss, greift lieber zum viertürigen Sportback. Aber wenigstens lässt sich die Rücksitzbank mit wenigen Handgriffen in Sekundenschnelle umlegen. Damit verdoppelt sich der Laderaum nahezu, auch wenn der Kofferraumdeckel coupébedingt nur eine schmale Öffnung offenbart.

Coupé und Diesel sind mittlerweile eine Kombination, die sich längst nicht mehr ausschließen. Die 190 PS genügen vollauf. Ohne Murren spult der Zweiliter die Standarddisziplinen ab, punktet mit Temperament und Laufkultur. Und der Verbrauch kann sich wirklich sehen lassen. Phänomenal, wie lange der A5 das Tempo hält, auch wenn der Fuß schon längst vom Gas ist. So wird jede Landparty zum Segelausflug.

Auf der sicheren Seite

Wer meint, dem siebenstufigen Direktschaltgetriebe etwas vormachen zu müssen, greift per Schaltpaddel am Lenkrad oder dem Wählhebel auf der Mittelkonsole selbst ins Geschehen ein. Notwendig ist es nicht. Wie auch der Auto-Modus die ausgewogenste der fünf möglichen Fahrwerkseinstellungen darstellt. So werden auch alle Fahrbahnverwerfungen souverän glattbügelt. Wer Tempomat mit automatischer Abstandsregelung aktiviert und dem Fahrspur-Assistenten seine Arbeit tun lässt, ist auch da auf der sicheren Seite.

“Feiertags-Auto” hat Rupert Stadler den A5 genannt, weil das Coupé den Alltag zum Feiertag für die Kunden machen soll. Da mag der Audi-Chef durchaus recht haben. An solchen Tagen gibt man gerne etwas mehr aus.

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