20.10.2017 - 08:12 Uhr
Deutschland & Welt

Feiner Stromer Fahrbericht Mini Cooper Countryman S E All4

von Michael Ascherl Kontakt Profil

Wenn wir in der Zeit des Übergangs leben - vergleichbar dem von der VHS-Kassette zur Blue-Ray-Disc oder von der Floppy-Disk zum USB-Stick -, wenn also die Ablösung des Ottomotors durch den Elektroantrieb bevorsteht, welche Rolle werden dann Autos wie dieser Mini in der Rückschau spielen? Ist ein Auto mit zwei Motoren schon der Beginn der Zukunft oder noch das Ende der Vergangenheit? Philosophieren Sie gerne weiter! Wir fahren lieber. Vorher hängen wir den lapisluxury-blauen Countryman an die Steckdose. Zwei Kabel hat der Mini an Bord: eines für Haushaltsstrom und eines für die Ladesäule; bis die Akkus unter der Rückbank voll sind, braucht's zwischen zwei und vier Stunden. Dann zeigt der Wagen eine rein elektrische Reichweite von 27 Kilometern an; laut Datenblatt sollen es mehr als 40 sein, doch dann sollte man besser ohne Zusatzverbraucher wie Klimaanlage, Licht oder Radio (vulgo Entertainment-System) auskommen. Letztlich ist es nicht kriegsentscheidend, denn wenn der Saft zur Neige geht, hilft gerne der gute alte Ottomotor. Wobei: Gut schon, alt nicht. Denn auch im Mini tut ein moderner Dreizylinder Dienst, der aus 1,5 Litern Hubraum 136 PS zaubert. Zusammen mit dem Stromer kommt der Landmann also auf eine Systemleistung von stattlichen 224 PS. Der Clou daran: Der E-Motor treibt die Hinterachse an und der Verbrenner die Vorderräder. Damit wird der Testwagen automatisch zum Allrad, was bei Mini "All4" heißt.

Rückenwind vom "E"


In der Stellung "Auto" des Kippschalters für den Fahrmodus entscheidet die Elektronik, wie die beiden Motoren zusammenspielen sollen. Wer E-Drive wählt, fährt ausschließlich mit Batterie und wer die "Save"-Stufe einlegt, ist mit dem Verbrenner unterwegs, um die Batterie für späteres emissionsfreies zu laden. Freilich immer assistiert von der Elektronik. Bei Vollgas boostet der E-Motor kräftig mit, bei durchdrehenden Rädern wird Allrad eingelegt, und im reinen Strommodus geht's ohne Fahrereingriff spritbetrieben weiter. Ein weiterer Nebeneffekt der Doppelherz-Technik: Drehmoment satt, und zwar aus dem Stand. Da wird der kleine Stromer zum großen Racer und beweist, dass er seine weißen Rallyestreifen (120 Euro) zu Recht trägt. Und satten Sound gibt's obendrein. Vom An- und Abschalten der Motoren merkt der Fahrer rein gar nichts - nur, dass er im E-Betrieb außer Roll- und Windgeräuschen nichts hört. Schon der normale Countryman All4 ist ja kein Raumwunder, der Hybrid bringt nochmals 45 Liter weniger unter; Das kann schon für den Wochenendeinkauf eng werden. Dafür sind die Sitze hinten in drei Teilen klappbar und ergeben umgelegt eine ebene Fläche. Unter dem Kofferraumboden ein schrulliges Accessoire: ein Sitzpolster, das sich über die hintere Stoßstange legt und eine bequeme Bank für Zwei ergibt. Hier schimmert wohl die Liebe der Briten zum Picknick durch. Doch wir sind nicht in Ascot, sondern in der Oberpfalz, und da geht man zum Zoigl. Vier reisen bequem, für fünf wird's schon bei der Anfahrt eng und nach der Brotzeit noch enger.

Auf hohem Preis-)Niveau

Preislich rangiert der Hybrid-Countryman weit jenseits des Mainstreams. 35 900 Euro ruft BMW für den feinen Kleinen auf. Viel Geld, wie es scheint, doch auch viel Gegenwert. Penibel verarbeitete Materialien, sauber rastende Kippschalter im Aircraft-Look, das große Rundinstrument, das sich frei konfigurierbar digitale Inhalte saugt und bildscharf präsentiert. Das Leder riecht englisch-herb. Unser Testwagen hat Extras für mehr als 14 000 Euro drin und springt locker über die 50 000-Euro-Marke. Das muss man sich leisten können und wollen. Und viele bejahen das für sich. Ob sie so der Vergangenheit entfliehen können? Wir wissen es (noch) nicht.

So schaut's rundumerdum aus im Innenraum:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.