06.05.2016 - 08:52 Uhr
Deutschland & Welt

Fiat will in der Kompakt-Klasse eine Hauptrolle spielen Typisch Tipo

Golf und Co. sind die Platzhirsche im Kompakt-Segment. Und die schlagen mit ausgereifter Technik und hoher Qualität alle ab, die in ihrem Revier Beute machen wollen. Trotzdem schickt Fiat den Tipo zum wildern. Mit guter Munition.

Der neue Tipo rollt in drei Karosserievarianten auf die Straßen: als 4-türige Stufenhecklimousine, als 5-Türer und als Kombi (Bild). Er wird ein gutes Drittel der Zulassungen ausmachen. Bild: bz
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Von Berthold Zeitler

Besser spät als nie: Irgendwann reifte wohl auch bei den Italienern die Erkenntnis, dass die Modellpalette überschaubar ist. Bäriger Panda, quirliger Punto und vor allem der kultige 500er mit seinen Derivaten können's allein auf Dauer halt auch nicht richten. Was beim Cinquecento schon gelungen ist, soll sich nun auch beim Tipo wiederholen: Erfolg durch alte Tugenden.

Die hatte Ende der 80er Jahre schon der Ritmo-Nachfolger, als er zum Auto des Jahres gekürt worden ist. Und auch die jetzt auf den Markt gerollte aktuelle Version darf sich mit dem Titel des besten Preis/Leistungsverhältnisses rühmen. Nach der 4-türigen Stufenheck-Limousine komplettiert Fiat nun die Modellfamilie mit einem coupéhaften 5-Türer und einem praktischen Kombi.

"Es braucht nicht viel, um mehr zu bekommen", gibt Europa-Chef Luca Napolitano die Devise aus. Mit viel Auto für wenig Geld wollen die Italiener also in dem heiß umkämpften Markt wieder Fuß fassen. Und das geht nur über den Preis. Deshalb folgt der im türkischen Bursa gefertigte Tipo einer einfachen Logik: Die drei Karosserievarianten stehen in drei Ausstattungsversionen (Pop, Easy, Lounge), die noch aufgepeppt werden können, zur Verfügung und arbeiten mit vier Euro 6-Motoren (95 bis 120 PS) mit drei Hubräumen und drei Getrieben (Handschalter, Automatik, DSG). Das verspricht niedrige Produktionskosten.

Eine Billigmarke ist der Tipo deswegen aber beileibe nicht. Ganz im Gegenteil. Markante Front mit langgestreckter Motorhaube, muskulöse Radausschnitte und charaktervolle Heckleuchten-Architektur verleihen dem Golf-Gegner einen ausgesprochen sportlichen Auftritt.

Und auch der Innenraum hält, was die Marktstrategen versprechen: Hier finden wirklich fünf Personen Platz. Und auch über dem Haupt ist reichlich Luft. Das Gestühl ist komfortabel. Armaturenbrett und Instrumentierung sind klar gegliedert und übersichtlich. Ein Sieben-Zoll-Touchscreen-Monitor (Ausstattung Lounge) steuert das Infotainment, mit dem sich - wie heute üblich - alle erdenklichen Internetdienste und soziale Netzwerke verbinden.

Statt Hartplastik weich unterschäumter Kunststoff, ein bisschen Klavierlack hier und Chrom dort - und wer mag - sogar Ledergestühl sorgen für Wohlgefühl. Das Ladevolumen (440 beim 5-Türer, 550 Liter beim Kombi) passt. Dabei glänzt der Kofferraum auch mit ein paar netten Details zur flexiblen Handhabung. Wer den Beifahrersitz umlegt, schafft Platz für Sperrgepäck bis 1,80 Meter. Und Ablagen gibt's zuhauf: Zwölf Liter dürften reichen für die alltäglichen Dinge des Lebens.

Die im Februar gestartete Limousine ist ab 13 990 Euro zu haben, der 5-Türer ab 11. Juni ab 14 990 Euro. Die Preise für den im Herbst angesagten Kombi stehen noch nicht fest. Erste Fahreindrücke bestätigen jedenfalls: Mit dem Tipo ist Fiat ein wirklich gutes Auto gelungen, das im Rudel der Golf-Gegner durchaus eine gewichtige Rolle spielen kann. Ob er Hauptdarsteller wird, wie es sich Luca Napolitano erhofft, bleibt mal abzuwarten.Benzin

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