06.07.2017 - 21:11 Uhr
Deutschland & Welt

Ford Fiesta Kölscher Schwung

"Ich kenn dich noch, da warst du soooo klein!" Was Heranwachsenden eher peinlich ist, macht einem Kölsche Jong nix aus.

Das Bild täuscht: Der Fiesta fährt nicht mit Strom, sondern ganz konventionell mit Benzin oder Diesel. Gas oder Elektro? Kein Interesse beim Kunden, sagt Ford
von Michael Ascherl Kontakt Profil

Der ist nämlich ein Auto, heißt Fiesta, kommt von Ford und wetzt seit 40 Jahren um die Ecken. Jetzt steht Generation Nummer acht im Fenster und passt gerade so rein: Erstmals streckt sich der Kleinwagen auf mehr als vier Meter, und deshalb braucht er Hilfe von unten: Die gibt's in Form des Ka+, der sich ebenfalls im B-Segment tummelt und die extrem Preisbewussten ansprechen soll. Denn die Einstiegsversion Ambiente haben die Ford-Leute einfach gestrichen.

Los geht's beim neuen Fiesta also mit dem Trend, für den 12 950 Euro aufgerufen werden. Was bekommt man dafür? Einen 70 PS "starken" (die Gänsefüßchen erklären wir später) dreitürigen Dreizylinder mit Zentralverriegelung, elektrischem Fensterheber, Bordcomputer, Spurassistent und automatischem Licht. Auch schon drin: Der Zweitschlüssel, der sich bezüglich Höchstgeschwindigkeit und Radiolautstärke programmieren lässt. Radio kostet aber extra und Klima auch. Da geben wir also lieber knapp 2000 Euro mehr aus und nehmen den Fiesta Cool&Connect, der auch noch Parkpiepser hinten mitbringt.

Benziner und Diesel

Zu den Motoren: Die Basisbenziner mit 70 und 85 PS sind eher etwas für Kurzstreckler, und auch der 100-PS-Dreizylinder-Turbo wirkt in der von uns gefahrenen Automatikversion ein wenig zugeschnürt. Gut, dass für diesen Motor auch in den Leistungsstufen 125 und 140 PS bereithält. Die beiden Diesel leisten 85 und 120 PS. Ein echtes Schnäppchen ist das Bang-und-Olufsen-Sound-System mit einer Ausgangsleistung von 675 Watt, das Ford gegen einen Aufpreis von 450 Euro auf die normale Soundanlage anbietet.

Sieben Versionen gibt es vom Fiesta, dem meistverkauften Kleinwagen in Europa: 17 Millionen sind es seit 1976, als der erste an den Start ging. Damals hießen die Konkurrenten VW Polo und Opel Corsa oder Renault 5. Heute tummelt sich eine unüberschaubare Zahl von Konkurrenten, und deshalb gilt es sich abzuheben. Ford behauptet selbstbewusst, "den fortschrittlichsten Kleinwagen der Welt zu bauen" (Geschäftsführer Wolfgang Kopplin) und begründet es unter anderem mit 15 Assistenz-Systemen und 25 Ausstattungspaketen, darunter ein großes Panoramadach oder ein beheizbares Lenkrad. Zwar ist der Fiesta gewachsen - in der Länge um 70 Millimeter, in der Breite um 13 Millimeter - , doch an anderer Stelle hat er mächtig abgenommen: Die Anzahl der Bedienelemente rund um den Fahrerplatz hat sich um die Hälfte reduziert.

SUV und Renner folgen

Den jetzt verfügbaren Ausstattungsvarianten Trend, Cool&Connect und Titanium stellt Ford im Herbst noch die sportliche ST-Line und den edlen Vignale (ab 20 600 Euro mit 100 PS) zur Seite. Im nächsten Jahr wird es dann zwei weitere Modell-Versionen geben, nämlich den scharfen ST mit 200 PS und den SUV-artigen Active. Eine kleine Fiesta-Familie also, die eines gemeinsam hat: Alle Modelle laufen in Köln vom Band.

Der Fiesta zeigt bei der ersten Ausfahrt, dass er Kurven liebt und auch großen Menschen ausreichend Platz bietet, zumindest wenn sie vorne sitzen. Hinten wird's dann eng. Der Blick durch die Heckscheibe und seitlich zurück ist leicht eingeschränkt. Im Testwagen war's egal, der hatte eine Rückfahrkamera. Der Kofferraum ist klassenüblich klein, lässt sich aber durch Umklappen der Lehnen erweitern. Richtig eben wird er aber nie. Die gefahrenen "Titanium"-Ausstattung schmeichelt mit edlem Materialmix und gefällig angeordneten Bedienelementen. Das Geräuschniveau ist sehr niedrig, die Gänge des Sechsgang-Getriebes im ebenfalls gefahrenen 120-PS-Diesel flutschen flott durch die Gasse. Die Erfolgs-Story kann weitergehen.


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