04.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Irek Luczak: Sein Name steht für die neue Ära des SV Weiden - Einmalige Nachwuchsarbeit Weidens Mister Wasserball

Bis zum Sommer 2012 trainierte Irek Luczak (Mitte) die Herrenmannschaft des SV Weiden. Er führte sie 2007 auch in die Wasserball-Bundesliga und nutzte dort jede Pause für emotionale Ansprachen. Bild: G. Büttner
von Josef Maier Kontakt Profil

Vielleicht wäre diese Abteilung des Schwimmvereins richtig baden gegangen? Wer weiß, wie sich alles entwickelt hätte, wäre Irek Luczak mit seiner Familie nicht Ende 1989 in Weiden gelandet? "Wir waren zunächst in Bamberg und Nürnberg", erzählt er von den Tagen und Wochen nach der Übersiedlung von Polen nach Deutschland. Die Großfamilie seines Vaters Richard lebte im Fränkischen, dort suchte man Anschluss. Aber natürlich hatte Luczak auch registriert: "In Bamberg gab's kein Wasserball." In Weiden schon.

Der damals 23-Jährige war zu der Zeit einer der besten Wasserballer Polens, hatte mehr als 60 Länderspiele absolviert, nahm an Europameisterschaften teil. Natürlich hatte sein Vater, ebenfalls ein Ex-Internationaler, großen Einfluss auf seine Karriere. Aber schon damals war der kleine Irek auch manchmal ein Sturkopf: "Irgendwann sagte ich, ich mach nur noch Turmspringen", blickt er amüsiert auf die Zeit in Polen zurück. Doch schon ein paar Wochen später warf er wieder Bälle im Wasser.
Ende der 1980er Jahre war der Sport aber auf einmal nicht mehr so wichtig. Luczak sah im Westen bessere berufliche Chancen und verließ mit seiner Familie das westpolnische Gorzow (Landsberg an der Warthe). "Natürlich war es eine ökonomische Entscheidung, nach Deutschland zu gehen", sagt er heute, genau 25 Jahre später. Mit seiner Frau Mirka und Söhnchen Bartek, damals gerade einmal zwei Jahre alt, wagte er den Schritt. Und da Weiden weniger Übersiedler hatte und das bürokratische Prozedere schneller zu gehen schien, ging die kleine Familie in die Oberpfalz. Noch wichtiger war aber: Sein Cousin Sigi Luczak und sein bester Kumpel Gerhard Wodarz wohnten damals schon in Etzenricht.

Die Familie lebte sich schnell ein. Die Integration klappte gut. Irek absolvierte einen Deutschkurs, jobbte nur ein paar Wochen hier und da, ehe er schon 1990 als Bautechniker bei der Firma Glas Zange in Weiden anfing zu arbeiten. Danach war auch die große Leidenschaft Wasserball wieder ein Thema. Er stieg beim SV Weiden ein, spielte in der Männer-Mannschaft und übernahm sogleich das Amt des Wasserballwarts, das er noch heute innehat. Die erste Entscheidung, die er treffen musste, war hammerhart. "Ich musste die Mannschaft aus der Regionalliga zurückziehen." Alteingesessene Weidener waren sauer, dass Traditionen zerstört wurden. Doch der SV hatte über all die Jahre keine Jugendarbeit geleistet. Für Irek und Sigi Luczak sowie Gerhard Wodarz war die Nachwuchsarbeit die Zukunft des Vereins. Nichts wurde dem Zufall überlassen. "Allabendlich haben wir das Konzept durchgesprochen."

Lob von "Beckenbauer"

Die Vision war, den SV in 10 bis 12 Jahren wieder im Herrenbereich zu etablieren - in der Regionalliga. Der Zeitrahmen wurde in etwa eingehalten, das Ergebnis war viel besser als erwartet. Seit 2007 spielt der SV Weiden in der Wasserball-Bundesliga. "Ganz ehrlich", sagt Luczak, "die Bundesliga war nie ein Thema, davon haben wir nicht einmal geträumt." Klubs wie der deutsche Serienmeister Spandauer SV oder der ASC Duisburg waren schon in der Thermenwelt oder dem Schätzlerbad zu Gast. Vor vier Jahren spielten die Oberpfälzer gar international mit. Mit Thomas Kick, der vor dieser Saison von Spandau 04 zurückgekehrt ist, gibt es auch einen Nationalspieler. Hagen Stamm, einstiger Bundestrainer und so etwas wie der "Beckenbauer des deutschen Wasserballs", lobt die engagierte Jugendarbeit in der Oberpfalz über alles. "Das tut schon gut", freut sich Irek und bezieht das Lob auf alle, die mitwirken. Eltern, die unentgeltliche Fahrdienste übernehmen, Betreuer und Trainer, die jede Menge Freizeit opfern, und natürlich die Spieler. 90 Aktive sind es derzeit - von den Kleinsten der U 10 bis zur Bundesligamannschaft. Leute wie Kapitän Thomas Aigner waren von der ersten Minute des Projekts an dabei. "Thomas war damals vier Jahre alt", erinnert sich Luczak, der 2012 als Trainer der Bundesligamannschaft aufhörte. Jetzt coacht Wodarz das Team.

Das Projekt SV Weiden ist aber nicht nur ein sportliches. "Auch soziale Kompetenz zu schaffen, war sehr wichtig", sagt Luczak. Disziplin geht über alles. "Die ist essenziell", meint er. Bei den Wasserballern tummeln sich auch unterschiedliche Nationalitäten - die Integration klappt bestens. Und egal, ob Schüler, Studenten oder Arbeiter - der Zusammenhalt ist riesig. Als vor einigen Jahren britische Spieler zur Olympiavorbereitung nach Weiden kamen, nahmen sie die Teamkollegen gleich zum Wohnen mit nach Hause. Luczak und seine Mitstreiter suchen für ihre Spieler auch schon mal einen Ausbildungsplatz oder helfen bei der Wohnungssuche. Der Geheimtipp in Weiden ist ohnehin: Eltern, die ihre Jungs sportlich in besten Händen wissen wollen, schicken sie zum Wasserball.

Und den Jugendlichen will Luczak das Beste bieten. Derzeit probiert er, erstmals ein Team für die Junioren-Bundesliga zu melden. Noch fehlen ein paar Euro. "Ich bin der geborene Optimist", sagt Luczak aber. Dann kann ja nichts schiefgehen.

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