Multivan, angenehm!
Der VW-Bus ist das Multitool unter den Automobilen

Der Multivan T6 in Acapulcoblau Metallic kommt in der Optimal-Konfiguration:
 
Hochwertig, übersichtlich, VW: Der Multivan nähert sich immer mehr den Pkw des Konzerns an. Das Nutzfahrzeugige bleibt unsichtbar.

Spielen wir doch einmal Mäuschen in der Garage von VW-Nutzfahrzeuge: Der rot-weiße California Ocean und ein silberfarbener Multivan prahlen damit, dass sie ihr nächster Auftrag nach St. Peter-Ording führt: Posen am Strand während des Kitesurfer-Weltcups. Einer bleibt stumm.

Andere VWs sind auch dabei, der alte T1, ein Amarok, der Caddy. Nur H-AY 833 ist ganz still. Erst auf drängendes Nachbohren der Kollegen rückt er raus: „Ich muss in die Oberpfalz“. Die anderen prusten los. Sie wissen ja nicht, dass es bald ein Wiedersehen geben wird. Auf geht’s zur Testfahrt in den hohen Norden. It’s Surfertime!
Der Multivan T6 in Acapulcoblau Metallic kommt in der, wie mir meinen, Optimal-Konfiguration: Diesel mit 204 PS und SRC-Kat, 7-Gang-DSG, Comfort-Line und sieben Sitzplätzen. Am Heck: Der Original- Fahrradträger von VW mit Platz für vier große Bikes. Die beiden mittleren Sitze sind drehbar und bilden zusammen mit dem runden Tisch in der Mitte (verschiebbar) und der letzten Reihe eine gemütliche Sitzgruppe. So jagen wir einmal quer durch Deutschland, von Süd nach Nord. Wobei jagen der falsche Ausdruck ist: Die A7 zwischen Hannover und Hamburg ist eine einzige Baustelle, es geht nur sehr langsam voran. Hier erweist sich unser Lieblings-Extra (Hatten es früher schon erwähnt?) wieder als Glücksfall: DCC, die dynamische Distanz-Kontrolle, wir nennen sie Abstandsradar. Ohne Bremse ohne Gas geht’s im Stau dahin. Abstand halten, anfahren, beschleunigen, bremsen bis zum Stillstand; der Wagen macht das ruckfrei und zuverlässig ganz von alleine.
Ein Traum ist der Antrieb. Der stärkste Diesel im Angebot (leider passt ja der V6 aus dem Amarok nicht in den Bulli) macht einen guten Job, gerade in Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe. Ruckfrei geht es durch die sieben Fahrstufen bis zu einer Spitzengeschwindigkeit von 203 Kilometern pro Stunde. Überholen wird zum Kinderspiel, der Bus ist wie für die lange Reise gemacht. Das merkt man an vielen Details: Den üppig vorhandenen Ablagen, den sehr komfortablen Sitzen mit Armlehnen, dem luftigen Innenraum, den leicht zu reinigenden Oberflächen. Der Testwagen hat Schiebetüren auf beiden Seiten; das ist schön, muss aber nicht sein. Gerade mit Kindern reicht eigentlich die rechte, denn die linke mündet ja in den fließenden Verkehr.

Einmal Deutschland und zurück

Der T6 hat die Außenmaße eines normalen Pkw, ist nur ein bisserl höher, passt aber noch in so ziemlich jedes Parkhaus. Deshalb ist er trotz seines enormen Platzangebotes wendig in der Stadt, macht Einparken nicht zur Mutprobe, auch weil der Testwagen die Rückfahrkamera besitzt, dazu Parkpiepser und elektrisch anklappbare Außenspiegel. Unbeladen (wann ist er das schon?) neigt der T6 ein wenig zum Hoppeln über kurzen Bodenwellen, beladen aber federt er angenehm und sicher.
Jetzt aber los: Nach einer Übernachtung in Braunschweig (wir kamen erst am späten Nachmittag los) und einer Woche im Raum Schleswig, erreichen wir rechtzeitig zum Höhepunkt der Kitesurf-Wettbewerbe St. Peter-Ording. Sollten Sie die Destination mit Begriffen wie Kurort für Asthmatiker oder beschaulicher Watt-Wanderung verbinden - vergessen Sie es. Und schon sind wir beim Du: Denn „SPO“ (sprich: Äss-Pi-Ou“) ist jung, ist hip „is a place to be“. Das Beach-Motel, in dem wir wohnen, findet der Multivan (auch dank des großen Navigationsgeräts) von allein. Hier warten schon die ersten Kumpels: Der top gepflegte T2 des Hotelmanagers, ein paar T3 (die letzten Boxer) und jede Menge California, vom T4 bis zum T6. Der Hotelparkplatz ist für einige ihrer Besitzer auch Schlaf- und Standplatz für die Nacht. Weitere Bullis finden wir beim Fotoshoot morgens um 5 Uhr (richtig gelesen!) am Strand, wo sie halblegal ihre Reifen in den Sand stecken. Cooler geht’s nimmer.

Die coolen Cruiser

Die Surfer schlappen mit Hosen auf Kniehöhe und schlumpfig anmutenden Mützen durch den Flur, die Fritz-Cola in der Hand oder einen angesagten Tee. Im „dii:ke“, dem Hotelrestaurant sitzt du mit dem Füßen im Sand. Das Personal nett, jung, schnell. Die Karte übersichtlich, die Pizzen, Steaks und der Fisch: lecker. Unbedingt einen Tisch reservieren!
Leute, das ist ein Fahrbericht - Themaverfehlung? Wie man’s nimmt. Denn hier ist das Revier von VW-Nutzfahrzeuge. Die Menschen lieben ihre VWs, nutzen sie als Transporter und Schlafstätte, auch als Status-Symbol. Mit Bulli bist du cool, ohne wird’s schwer. Am Strand, einst Drehort für das deutsche Baywatch „Gegen den Wind“ mit Ralph Bauer, das gleiche Spiel: Amaroks als Einsatzfahrzeug für die Lebensretter von der DLRG, als Zugmaschinen für die Strandbuggys. Und Multivans oder California (die mit dem Klappdach), wohin man schaut. So trifft unser Testwagen auch den Luxus-Ocean wieder, der auch nicht gedacht hätte, dass er nur rumstehen und sein Preisschild (92 000 Euro) ins Fenster hängen muss. Allerdings unter großer Anteilnahme.



Was zeichnet den Multivan aus? Er ist in 70 Jahren gereift und hat nun eine Perfektion erreicht, die wohl kaum noch zu toppen ist. Schon der Unterschied zwischen T5 und T6 ist ja eher marginal, sieht man mal davon ab, dass der T6 in Anmutung und Bedienbarkeit noch näher an den Pkw-Geschwistern ist und dass es ihn nun auch mit konfigurierbaren Dämpfern gibt (Komfort, Normal und Sport - brauchst Du nicht). Und er ist natürlich Kult. Wie Mini, wie R4, wie Käfer, wie DS oder Mustang.
Deshalb ist ein Bulli unbezahlbar. Leider auch, wenn man sich einen konfiguriert. Unser Testwagen bringt es auf stolze 71 439 Euro. Aber er ist jeden davon wert. Wir freuen uns heute schon, wenn wir den nächsten Multivan in die Oberpfalz locken können. Wer weiß, vielleicht wird’s ja wieder ganz cool.
1 Kommentar
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Markus Rehm aus Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg | 23.02.2018 | 08:15  
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