Neue Daten-Brille zum Skifahren
"Sie haben die Piste verlassen"

Austria / Salzburg / Gasteinertal / Sportgastein © Claudia Ziegler
 
Ein Blick in die Brille zeigt rechts unten den Monitor. Bilder: hfz (2)

Klar, gibt es noch andere, einfachere Möglichkeiten. Aber sich den Weg in die Skihütte zeigen zu lassen, oder zu sehen, wie schnell die Skier laufen, ist schon eine feine Sache. Und dazu reicht ein Blick in die Brille.

Hans Naglmayr ist im Gasteinertal aufgewachsen, auf einem Bauernhof. Jeden Tag musste er vom Berg hinunter in die Schule - und wieder zurück. Seit 21 Jahren ist er als Nationalpark-Ranger 365 Tage im Jahr unterwegs, im Winter zudem als Skilehrer. Der 62-Jährige kennt jeden Fleck in seiner Heimat, manche behaupten sogar, jeden Baum beim Vornamen. Da braucht's sicher keine Daten-Skibrille.

Für alle, die zum ersten Mal im Skigebiet von Bad Gastein, Bad Hofgastein, Sportgastein, Dorfgastein/Großarltal unterwegs sind, ist sie aber eine nette, technische Spielerei. 600 Euro müssen beim Kauf hingelegt werden, das Ausleihen für einen Tag kostet 19 Euro (Intersport).

Einfaches Navigieren


Die Einweisung ist unkompliziert - aufsetzen, Monitor einstellen und die Fernbedienung ans Handgelenk: "Drücken nach oben, unten, links, rechts oder in der Mitte. Ihr seht selbst, wie ihr durch das Menü navigieren könnt", erklärt Georg von Ski Amadé. "Wir sprechen sicher nicht die breite Masse an, sondern mehr die Technikaffinen."

Seit drei Jahren gibt es die Daten-Skibrille. Für diese Saison wurden die Informationen weiter ausgebaut. Das System weist Wintersportler auf Attraktionen hin, an denen sie vorbeikommen. Liegt zum Beispiel 50 Meter weiter vorne eine schöne Hütte: Die Brille zeigt es an. Oder am Rand der Piste befindet sich ein besonders guter Fotopunkt: Die Technik weist darauf hin. Und wie funktioniert das? Die "Smart Ski Goggels" - so die offiziell Bezeichnung - werden über die Ski-Amadé-App mit Informationen gefüttert. Die Angaben sind dann sogar im Offline-Modus möglich. Sobald die Brille wieder Zugang zum W-Lan hat - im Skigebiet gibt es zahlreiche Access Points - zeigt das Display rechts unten in der Brille die aktuellen Wetterdaten sowie Lift- und Pistenstatus an. Mit dem digitalen Nasenfahrrad sind angeblich die Zeiten vorbei, in denen man dicke Skihandschuhe ausziehen, den zerknitterten Pistenplan aus der Jackentasche fummeln und umständlich auseinanderfalten musste. Ein Praxistest muss zeigen, ob dem so ist.

Gut ablesbar


Das Skigebiet Schlossalm, Angertal, Stubnerkogel von 860 bis 2300 Metern Höhe soll erkundet werden. "Erster Punkt ist die Hängebrücke und die Panoramaplattform Glocknerblick", gibt Hans vor. Auch der Mittagstreffpunkt Weitmoser Schlossalm soll gleich eingegeben werden. Nach einigem Probieren ist alles erledigt. Auf den tief verschneiten Pisten hat das Navi keine Probleme, zeigt die Lifte an, die zu nehmen sind und an der Strecke interessante Punkte. Mit 65 Stundenkilometern, auch das ist in den Smart Ski Goggels gut ablesbar, geht es Richtung Mittagessen auf die Hütte.

Wo ist schnell nochmal diese längste Abfahrt der Ostalpen? Auch hier weiß die Datenbrille Rat. Über zehn Kilometer geht es nach der Einkehr von der Hohen Scharte über 1460 Höhenmeter zurück nach Bad Hofgastein. Als Hans noch animiert, ihm einen kurzen Abschnitt in den Tiefschnee zu folgen, ist die Datenbrille nicht einverstanden. "Sie haben die Piste verlassen!", steht im Display. Aber das ist in diesem Augenblick egal. Es macht einfach Spaß, mit Hans gefahrlos neben der Piste die ersten Spuren in den Pulverschnee zu ziehen.

Und sollte der Akku einmal leer sein, der einen ganzen Skitag durchhalten soll? Dann gibt es in dem Skigebiet immer noch die Beschilderung oder man greift auf eine Methode aus der techniklosen Zeit zurück: man fragt einfach. Am besten ist aber, wenn man Hans dabei hat. Denn der kennt alles. Wenn es sein muss, sogar jeden Baum beim Vornamen.

Infos Gasteinertal207 Kilometer Pisten (7,5 Kilometer schwarz, 108 Kilometer rot, 63 Kilometer blau, 21 Kilometer Skirouten) in vier Skigebieten warten im Gasteinertal auf die Wintersportler (Tageskarte in der Hauptsaison 50,50 Euro). Mit der Familie ist es im Skigebiet Schlossalm-Angertal-Stubnerkogel am besten. Adrenalinsuchende Freerider und Offpiste-Skifahrer kommen in Sportgastein voll auf ihre Kosten. Anspruchsvolle, schwere Abfahrten warten am Graukogel . Ein weiteres Familienskigebiet ist die Skischaukel Dorfgastein-Großarl.

Was kann man abseits der Piste unternehmen?

Frühstücken in der Panorama-Kugel in Sportgastein auf fast 2700 Metern Höhe.

Einkehr im Schmaranzgut, der einzigen Bio-Weißbier-Brauerei Österreichs.

Besuch der Hängebrücke am Stubnerkogel.

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Weitere Informationen:

www.skiamade.com und www.skigastein.com
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