14.01.2017 - 02:00 Uhr
Deutschland & Welt

Prälat für Schöngeister 50 Jahre Ford 12 M Coupé

Er war praktisch, vernünftig und hat sich bestens verkauft. Doch immer wieder hat Ford beim Taunus auch die Nischen bespielt und neben Limousinen und Kombis elegante Zweitürer gebaut. Als vor 50 Jahren der P6 präsentiert wurde, gab ihn deshalb auch als schmuckes Coupé.

Klare Kante: Das schnörkellose Design der Baureihe P6 ab 1966 greift von Beginn an auch das 12M Coupé auf. Ein schwarzes Vinyldach hebt sich von der grünen Lackierung des Coupés ab. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Die Geschichte von Ford ist voll von sportlichen, eleganten oder auch einfach nur schrägen Zweitürern. Ein Beispiel dafür ist das Coupé des Ford 12M, das die Kölner vor 50 Jahren mit dem Generationswechsel ihres Mittelklasse-Modells Taunus eingeführt haben. Binnen drei Jahren unter dem klerikalen Projektnamen Prälat entwickelt, hat die intern P6 genannte Baureihe Ende 1966 ihren Einstand gegeben und den P4 abgelöst, sagt Ford-Sprecher Hartwig Petersen.

War der intern Cardinal genannte Vorgänger noch sehr amerikanisch und entsprechend schwülstig gezeichnet, nahm der erstmals ohne den Beinamen Taunus eingeführte P6 bereits die glatte, funktionsbetonte Formensprache der 1970er vorweg und trat entsprechend ziemlich schlicht und schnörkellos auf. Die Scheinwerfer waren in die Frontmaske integriert und die nach hinten ansteigende Seitenlinie erzeugte einen dynamisch wirkenden Keileffekt: "Das sah nicht nur windschnittig aus - das war es auch: Für einen Wagen der Spätsechziger war der Luftwiderstandsindex von 0,38 ein summa cum laude im Technikzeugnis wert", zitiert Petersen aus dem Archiv.

Damit Schöngeister trotzdem auf ihre Kosten kamen, gab es den lediglich bis 1970 gebauten Wagen nicht nur als Limousine fürs bürgerliche Mittelmaß und als dreitürigen Kombi für die Praktiker, sondern vom Start weg auch als Coupé für praktizierende Ästheten. Für den schönen Schein hatten die Kölner das Coupé ordentlich herausgeputzt: Der üppig verchromte Kühlergrill funkelt deshalb auch heute noch so sehr, dass man selbst an einem nebelgrauen Herbsttag zur Sonnenbrille greifen möchte. Das schwarze Vinyldach nimmt die modernen Kontrastlackierungen von Mode-Modellen wie dem Mini vorweg. Und die filigranen Rückleuchten erinnern auch ohne neumodische LED-Technik entfernt an aufwendig geschliffene Edelsteine.

Nackt und nüchtern

Nach dem Einstieg ist es aber vorbei mit Glanz und Gloria, denn viel mehr als sein verschwenderisches Platzangebot bietet das Coupé nicht. Zwar eignet sich die Rückbank nach den Worten der Werber von einst sogar für eine zünftige Partie Skat und der Kofferraum fasst rekordverdächtige 565 Liter. Doch Luxus kennt man damals in Köln noch nicht: Das Armaturenbrett ist nackt und nüchtern. Die drei kreisrunden Instrumente sind schmucklos.

Der einzige Zierrat ist das auf Folie gedruckte Holzfurnier auf der winzigen Mittelkonsole, in der noch ein riesiges Loch für eine Ablage klafft, wo heute wohl ein Touchscreen montiert wäre. Dafür sitzt man allerdings in Sesseln, die so weich und tief sind wie daheim vor dem Fernseher und genießt eine Aussicht, wie es sie heute in kaum einem Großserienauto mehr gibt: Die Fenster breit und die Karosseriesäulen schmal.

Auch bei der Motorisierung hat Ford damals vornehme Zurückhaltung geübt. Wo Coupés heute immer gleich auch sportliche Autos sein wollen, haben die Kölner beim P6 Coupé die Motoren der Limousine übernommen - und mit denen war nicht viel Staat zu machen. Zwar fuhr die Topversion des P6 als Urvater der Kölner RS-Modelle mit einem 75 PS starken 1,7-Liter-Motor. Doch bei der Einstiegsvariante hatte der heutiger Sicht extrem ungewöhnliche V4-Motor gerade einmal 1,2 Liter Hubraum, aus denen er mickrige 45 PS schöpfte. Mehr als 125 km/h waren damit schon bei einem Neuwagen nicht zu schaffen.

Dass sich das 12M Coupé heute trotzdem überraschend flott anfühlt, liegt am geschickt übersetzen Vierganggetriebe und natürlich an der federleichten Konstruktion: Kaum 900 Kilo schwer, wiegt das knapp 4,40 Meter lange Coupé weniger als ein ungleich kleinerer Fiesta aus dem Jahr 2016. Entsprechend dynamisch wirkt der Wagen, wenn man sich mit dem Oldtimer zum 50. Geburtstag noch einmal in den fließenden Verkehr traut, die Gänge immer schön ausdreht und dem alten Herren ordentlich die Sporen gibt. Klar, braucht er eine gefühlte Ewigkeit bis Tempo 100 und viel mehr als 130, 140 km/h sind auch dem stärkeren Motor nicht mehr zu entlocken. Doch reicht das allemal, um dem Herrn Prälaten ein wenig Wind durch die Soutane wehen zu lassen.

Noch relativ günstig

Wer heute mit einem 12M Coupé unterwegs ist, erntet zwar vielleicht keine derart neidischen Blicke wie in einem ähnlich alten Ford Mustang und schürt keine solch heißblütigen Erinnerungen wie mit einem Capri. Doch was dem Kölner Klassiker an Ruhm und Rasanz fehlt, das macht er mit seinen günstigen Preisen wieder wett. Denn während ein Mustang aus diesen Baujahren heute kaum mehr zu bezahlen ist und der Capri auch schon gewaltig angezogen hat, ist das 12M Coupé auch als Oldtimer so bürgerlich geblieben wie als Neuwagen, sagt Karsten Werner aus der Ford-Klassikwerkstatt: "Viel mehr als 10 000 Euro muss man dafür noch immer nicht bezahlen".

Viel mehr als 10 000 Euro muss man nicht bezahlen.Karsten Werner, Ford-Klassikwerkstatt
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