Raus aus der TV-Nische: Dokumentarfilme sind im Kino wieder auf dem Vormarsch
Künstler, Tiere und geliebtes Bier

Dokumentarfilme, über Jahre ins Fernsehen gedrängt, erobern seit einiger Zeit die Kinos zurück. Auch in dieser und der kommenden Woche starten jeweils mehrere Dokus - und räumen gründlich mit dem Klischee auf, dass Dokumentationen nur ernst und belehrend sind. Komisches und Bizarres ist genauso vertreten, wie Anspruchsvolles und Gesellschaftskritisches. Außerdem zeigen sie: Für das Kino gedrehte Dokumentationen faszinieren häufig mit einer künstlerisch packenden Gestaltung und durchdringen ihre Themen mit einer geradezu erstaunlichen gedanklichen Tiefe.

Die wohl witzigste Doku diese Woche kommt aus den USA und heißt "Beerland" (Kinostart 25. April). Regisseur Matt Sweetwood beleuchtet gründlich und pointiert das riesige Angebot an verschiedensten Bieren im Land der Dichter und Denker. Dabei entdeckt er mit seinem neugierigen und vorurteilsfreien Blick ein Deutschland, das wohl selbst vielen Einheimischen fremd sein dürfte - und gelegentlich auch ein wenig unheimlich.
Regisseur Denis Côté aus Kanada dagegen geht in "Bestiaire" (Start 25. April) der Frage nach, wie der Mensch auf die Tierwelt schaut. Ihn interessiert daran der philosophische Aspekt. Seine These: Der Blick des Homo Sapiens auf die Fauna reflektiert den wahnwitzig übersteigerten Machtanspruch der Menschen. Die Spannung ergibt sich aus dem Widerspruch der Verhätschelung tierischer Freunde einerseits und andererseits der Brutalität, mit der Tiere als Nahrungslieferanten im wahrsten Wortsinn ausgeschlachtet werden.

Freunde bildender Kunst werden bestens bedient von "In Between - Der britische Künstler Richard Deacon" (25. April). Die deutsche Regisseurin Claudia Schmid beobachtet den weltberühmten britischen Bildhauer bei der Arbeit. Die Impressionen und insbesondere einige Interviewsequenzen ermöglichen dem Publikum einen ungewöhnlich intensiven Zugang zum Kosmos des vor allem für seine komplexen Raumkörper berühmten Künstlers.

Besonders ungewöhnlich - weil eine Mischung aus Doku und Fiktion - ist "Frohes Schaffen - Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral" (Kinostart 2. Mai) aus Deutschland. Regisseur Konstantin Faigle setzt auf bissigen, ja, geradezu ätzenden Humor. Bohrend fragt er nach dem Sinn von Arbeit an sich. Gespräche mit Experten und komödiantische Spielszenen treiben die Satire wirkungsvoll auf die Spitze. Dabei findet Faigle eine höchst originelle Antwort auf die Frage, wie die Welt wohl ohne Arbeit aussähe. Wie alle der neuen Kino-Dokumentationen regt auch diese mit hohem Unterhaltungswert dazu an, die Welt, in der wir leben, ein wenig aufmerksamer zu betrachten.
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