10.05.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ritterfilm "Ekkelins Knecht" von Peter Klewitz in Regensburg uraufgeführt: Neue Wege nach 40 ... Eine Entzauberung des Mittelalters

von Susanne WolkeProfil

Regensburg."Wenn ich groß bin, will ich Ritter werden." Buben haben Träume. Das ist heute genauso wie vor 600 Jahren. Damals war ein solcher Berufswunsch noch leichter zu erfüllen - was nicht immer von Vorteil war. Für den jungen Pferdeknecht Konrad jedenfalls, der im Spätmittelalter den zu dieser Zeit längst überkommenen Vorstellungen des Rittertums nachhängt, nimmt dieses Abenteuer ein schlimmes Ende. Als er auf den Raubritter Ekkelin trifft, lässt er sich hineinreißen in einen Strudel von Gewalt und Tod.

Verbrecher aus Not

Konrad und Ekkelin. Der naive Träumer und der Verbrecher aus Not. Ihre Geschichte ist die Handlung eines Kinofilms, der am Dienstag im Garbo-Kino in Regensburg uraufgeführt wurde. "Ekkelins Knecht" lautet der Titel des 110-minütigen Streifens. Der Münchner Regisseur Reinhard Kungel und der Regensburger Drehbuchautor Peter Klewitz haben sich mit der Produktion an ein Nischenthema innerhalb des deutschen Kinofilms gewagt: "Ekkelins Knecht" ist der erste deutsche Ritterfilm seit mehr als 40 Jahren.

Bewusst widmen sich die Macher hier einem Thema, das in der aktuellen deutschen Kinolandschaft allgemein als "nicht realisierbar" bezeichnet wird. Bewusst distanzieren sie sich auch von den gängigen Streifen dieses von Hollywood dominierten Genres. "Ekkelins Knecht" sei ein ehrlicher Film, so Peter Klewitz.

Als "ungeschminkten Blick auf die Zeit des Spätmittelalters" bezeichnet der Drehbuchautor den Streifen, in dem auch hübsche junge Frauen verfaulte Zähne haben und die heute romantisch verklärten Raubritter als das dargestellt sind, was sie in Wirklichkeit waren: als Verbrecher.

"Ekkelins Knecht" ist ein spannender aber auch nachdenklicher Film. Von den heroischen Hollywoodstreifen unterscheidet er sich schon dadurch, dass es keinen richtigen Helden gibt. Denn weder der Waise Konrad (gespielt von Philipp Sprongl), der in dem Ritter Ekkelin eine Vaterfigur findet, noch Ekkelin selbst kommen hier in Frage: Konrad folgt treu und dümmlich seinem Herrn, opfert die Geliebte Agnes und das gemeinsame Kind seinen überkommenen Idealen und geht schließlich durch das Festklammern am Rittertum zugrunde.

Auch Ekkelin (dargestellt von Peter Klewitz selbst) hält in dieser Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs verbissen an veralteten Vorstellungen fest. In seinem Fall sind es die eines standesgemäßen ritterlichen Lebens. Nach seiner Ächtung kann er dem nur noch gerecht werden, indem er Kaufleute überfällt - eine Entwicklung, die ihn schließlich dem Henker überantwortet.

Versuchte Annäherung

Die historisch belegte Figur dieses sagenumwobenen Ekkelin, der eigentlich Eckelin Geyling hieß und Ende des 14. Jahrhunderts in Franken lebte, war es, die Peter Klewitz zu seinem Drehbuch animiert hat. "Mich interessiert, warum sich um eine Figur wie Ekkelin solche Legenden ranken", so der Autor. Der Film sei der Versuch einer Annäherung.

"Ekkelins Knecht" ist eine so genannte "Low-Budget-Produktion". 190 000 Euro standen zur Verfügung - ein Hollywoodfilm benötigt etwa das 1000-fache -, nur 20 Prozent der rund 150 Darsteller sind professionelle Schauspieler, als Drehorte dienten unter anderem die Burg Trausnitz an der Pfreimd, das Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen und die Stadt Burghausen.

Doch auch wenn die Produzenten selbst gewisse Mängel bezüglich der Schauplätze einräumen - die Burgen dürften eigentlich nicht verputzt sein, und die Räumlichkeiten stammen nicht immer aus dem 14. Jahrhundert: Gerade die Tatsache, dass es sich hier um wirkliche historische Orte handelt, verleiht diesem beeindruckenden Film ein großes Stück Authentizität.

Nun hoffen die Produzenten, einen Filmverleih für den Streifen zu finden. Peter Klewitz ist zuversichtlich: ",Ekkelins Knecht' kommt ins Kino. Davon bin ich überzeugt."

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