06.08.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ungewöhnliche Methode: In Frankreich trieben unsere Vorfahren Wildpferde an einen Felsabbruch Gefährliche Jagd in der Steinzeit

Vor mehreren Jahrtausenden bedeckte das Gletschereis im Norden und Süden noch viele Landgebiete Europas. Nur langsam erwachte damals der Erfindergeist des eiszeitlichen Menschen. Ganz auf sich selbst gestellt, musste er täglich als Jäger seine Beute finden können, um mit seiner umherziehenden Familie satt zu werden.

Der berühmte Pferdefelsen von Solutre in Burgund, an dessen Kante die wilden Pferde abstürzten. Bild: Thomann
von Autor THEProfil

Da es bei uns keine Höhlen gab, in die er sich verkriechen konnte, schlug er in offener Landschaft sein Zelt auf. Da er größtenteils von Tieren lebte, deckte er das meist in die Erde eingelassene Stangengerüst mit Tierhäuten und Fellen gegen den lästigen Wind ab. Auch seine Kleidung bestand aus Tierfellen.

Zweckmäßige Bekleidung

An vielen Lagerplätzen sind auch Knochennadeln ausgegraben worden. Sogar die heute noch hoch im Norden Skandinaviens lebenden Eskimos haben sie noch nicht abgeschafft und verstehen es, mit ihnen sehr zweckmäßige Bekleidung zu nähen. Da einige Jäger schon damals gute Zeichner waren - viele Höhlenbilder beweisen es - wissen wir, dass sie, wo es notwendig war, eine Fußbekleidung kannten.

Immer den Tierfährten folgend, schlichen sie sich an das Wild heran und beobachteten es in seinen Gewohnheiten, um eine günstige Ausgangslage für die Jagd zu finden. Wurfwaffen, wie die aus Holz zugerichteten Pfähle und Speere sowie Pfeil und Bogen, Schleudersteine und anderes mehr waren zwar sehr sinnvoll erdacht, aber gegen gefährliche Großtiere waren sie zu gering.

Knochen als Bedarfsartikel

Vor allem das Mammut mit seinem Zottelfell und den gewaltigen Stoßzähnen war sehr gefürchtet - aber auch begehrt. Gelang es einen solchen Tierriesen zu erlegen, dann konnten viele Familien lange Zeit ihren Hunger stillen. Wieder wurden dann aus den Knochen und Elfenbein Waffen, Werkzeuge und zusätzliche Bedarfsartikel hergestellt.

Auch Fische und Muscheln, von den es ausreichend in Flüssen und Seen gab, waren sehr begehrt und erweiterten den Speiseplan. Zum Fangen dienten Speere, Harpunen, Netze und Reußen. Selbst das schnellfüßige Kleinwild war mit dem Pfeilschuss leicht zu erbeuten. Sehr viel schwieriger und gefährlicher gestaltete sich die Jagd auf Mammut, Nashorn und den gewaltigen Höhlenbären. Hatte die Jagdgruppe tagelang eine Mamutherde beobachtet, so konnte doch nur die List über das Jagdglück entscheiden. Daher wurden nach genauem Plan Fallgruben und Schwerkraftfallen angelegt.
Mittelgroßes und weniger gefährliches Wild, wie etwa Wildpferde konnten die Jäger schon leichter durch besondere Absperrungen zu einem Engpass jagen und dann über einen Felsabbruch zum Absturz bringen.
Eine der klassischen Stellen ist die Felssteilwand von Solutré (Burgund) in Frankreich. Wer nach Burgund kommt und vorgeschichtlich interessiert ist, den kann man nur empfehlen, das hervorragende Museum an der Felsenkante von Solutré zu besuchen.

In Solutré, wo die Pferde abstürzten, liegen noch heute meterhoch die Knochenreste der Tiere. Darunter befinden sich immer wieder Feuersteingeräte, die vom Zerlegen der abgestürzten Tieren stammen. Bis vor 100 Jahren kannte man in Norwegen diese rohe Jagdart.

War so ein Platz besonders günstig, wurde er über mehrere Generationen aufgesucht und benutzt. Beim Zerlegen der Beute hatten sich Hornsteingeräte gut bewährt. Meist blieben sie an den Plätzen, wo man das Wild zerlegte, liegen. Noch heute kann man sie als "Bodenurkunden" finden.

Kulturstufe benannt

Sie geben uns Zeugnis und Einblick in die Jagdgewohnheiten der umherziehenden Jäger und Sammler der Alt- und Mittelsteinzeit. Nach Solutré ist auch eine Kulturstufe der Altsteinzeit benannt.Sie gehört dem Jungpaläolithikum (Jüngere Altsteinzeit) an. Sie ist durch schmale und leichtere Feuersteingeräte bestimmt, die eine größere Differenzierung und Spezialisierung der Arbeitsfunktionen erkennen lassen.

Weitere Informationen im Internet

Heute gilt die Hypothese der in den Klippentod getriebenen Wildpferde unter Forschern als überholt. Mehr dazu in unserer Reportage "Der Mythos der abstürzenden Pferde".

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.