26.06.2017 - 08:54 Uhr
Deutschland & Welt

Warum aus Kastenwagen ein CUV wird Knaus gibt jetzt mit Crafter Gas

Knaus Tabbert hat mit Kastenwagen nichts mehr am Hut. Die Nachricht elektrisiert auf den ersten Blick. Doch die Jandelsbrunner Reisemobil-Experten ziehen sich nicht ausgerechnet aus diesem extrem boomenden Markt zurück, sondern kreieren einfach eine neue Kategorie. Aus gutem Grund.

von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Ohne "SUV" (Sports Utility Vehicle) geht heute in der automobilen Welt nix mehr. Wohl vom Erfolg der Allzweck-Fahrzeuge für Familie und Freizeit animiert, haben sich die Niederbayern jetzt das "CUV" ausgedacht. Das "Cie U Vie" steht für Caravaning Utility Vehicle. Klingt zwar auch nicht unbedingt sexy, aber bei weitem nicht mehr so handwerklich wie Kastenwagen.

Und mit dem neuen Label will Knaus vor allem den immer stärker wachsenden Markt eben dieser Spezies aufmischen. Da darf man auf den Caravan Salon ab Ende August in Düsseldorf gespannt sein, wenn mit dem Boxdrive just der Erste seiner Art Weltpremiere feiert. Er baut auf den neuen VW Crafter und soll vor allem jene ansprechen, denen ein Camper zu eng geworden ist und die Toilette und Dusche schmerzlich vermissen. Obwohl kompakt, wird der Boxdrive komplett möbliert sein, inklusive Nasszelle.

Was das Herz begehrt

Das neue Basis-Fahrzeug verspricht auch Pkw-ähnliche Komfort- und Sicherheitsfeatures. Tempomat mit Abstandsradar zum Beispiel oder Parkassistenten, die auch den querenden Verkehr erkennen und selbstständig einen Anhänger rückwärts in enge Parklücken zirkeln. Auch in Sachen Konnektivität soll der Boxdrive "alles an Bord haben, was das Herz begehrt", wie Geschäftsführer Gerd Adamietzky bei der Jahrespressekonferenz in Bad Griesbach verlauten lässt.

Und dann soll der Neue mit besonderen Pfunden wuchern und als Heck- und Fronttriebler und 4Motion im Angebot stehen. Auch die Kombination mit einem sportlichen Direktschaltgetriebe wird durchaus als Kaufempfehlung herhalten. Allerdings muss man sich schon in einer Preisklasse von gut 75 000 Euro aufwärts bewegen.

Himmel und Hölle

Einen ersten Eindruck vom neuen Stern am - Pardon - Kastenwagen-Himmel gab's ja schon im Frühjahr auf der Messe für Caravan, Motor und Touristik (CMT) in Stuttgart. Da stellten die Niederbayern die erste Studie auf Crafter-Basis vor. Die auffällige Rot-Weiß-Lackierung und das farblich dazu passende Interieur hat es in dieser Form allerdings nicht in die Serie geschafft. "Saint & Sinner" (Himmel und Hölle) bleibt dem gleichnamigen Sondermodell auf der gewohnten Ducato-Basis vorbehalten. Wer da noch einsteigen will, ist zu spät dran. Die komplette Jahresproduktion ist bereits ausverkauft.

Zur echten Zugnummer soll der Leichtbau-Caravan Travelino werden, für Fahrzeuge, die so 750 Kilogramm Anhängelast erlauben. Als "Caravan der Zukunft" sieht Knaus den Deseo . War das bisherige Modell eher ein Transporter mit Schlafmöglichkeit, ist die Neuauflage ab 19 890 Euro ein Wohn-Caravan mit praktischen Transportmöglichkeiten. Die über die gesamte Fahrzeugbreite gehende Heckklappe soll zwei Motorräder vertragen oder ein Quad schlucken. Und wer sich dann noch mit einem Heckzelt des Kooperationspartners Wigo anfreundet, hat nahezu riesige Erweiterungsmöglichkeiten.

Live for Life

Mit der "Live" -Familie will Knaus preissensiblen Kunden den Einstieg erleichtern. Als "Preis-Leistungs-Champion" preisen die Jandelsbrunner da aus dem Lager der Teilintegrierten den TI mit bis zu vier Schlafplätzen ab 49 990 Euro, der Wave mit Hubbett ist 4000 Euro teurer, empfiehlt sich aber für bis zu sechs Personen. Speziell für Vermieter zugeschnitten ist der Traveller mit Sonnenmarkise, Fahrradträger, CD-Radio und Bedien-Aufklebern. Er übernimmt auch als einziges Alkoven-Fahrzeug im Portfolio die Rolle des Sky Travellers , der ersatzlos gestrichen worden ist. Der Sky Wave dagegen zeigt sich im neuen Modelljahr erstmals mit dem patentieren 3D-Raumbad.

Knaus-Tochter Weinsberg meldet mit dem Cara-Suite samt serienmäßigem Hubbett und 15 Zentimeter mehr Fahrzeug- und Stehhöhe einen Neuzugang. Er bietet bei vier Grundrissen variable Dinette, Bad/WC mit separater Dusche und eine große Küchenzeile. Ermuntert vom Erfolg des Cara-Compact , der sich in der Version Pepper in Deutschland schnell zum meistverkauften Reisemobilvan gemausert hat, setzt Knaus Tabbert quer durch alle Baureihen vermehrt auch auf Editionsmodelle, mit denen sich trotz verbesserter Ausstattung schnell bis zu 8000 Euro sparen lassen. Zum Beispiel beim Cara-Bus Fire , aber auch bei den hochwertigen Platinum-Versionen oder "Finest Edition".

Feinarbeit

Ansonsten haben die Jandelsbrunner für das neue Modelljahr viel bewegt. Es gibt neue Außendesigns, neue Alufelgen und Polster. Die Bedienung wurde verbessert, die Smartphone-Welt mit eingebunden und die Konnektivität auf den neuesten Stand gebracht, ebenso Klima und Heizung. Und in Sachen Ganzjahresnutzung wurde ebenfalls viel gefeilt. Da gibt es etwa beim Weinsberg-Wohnwagen Cara-One Ice nicht nur solide Seiten- und Bodendämmung, sondern auch eine Fußbodenheizung und ein Staufach mit Skihalterung und Schuhfach für schwere Winterstiefel.

Erlebnis Werksabholung

Neues auch von der Gewährleistung. Ab dem Modelljahr 2018 geben die Jandelsbrunner eine Dichtigkeitsgarantie von zehn Jahren. Und ab Herbst knüpfen die Reisemobilisten an die erfolgreiche Strategie der Autounternehmen an: Kunden dürfen sich dann "ihr" Fahrzeug direkt im Werk selbst abholen. Inklusive

Führung und Betreuung durch speziell ausgebildete Mitarbeiter. Ganz billig ist das allerdings nicht: 750 Euro beim Caravan, 890 Euro bei einem Reisemobil muss man sich den Erlebnistag schon kosten lassen.

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