19.03.2018 - 18:44 Uhr
Deutschland & Welt

Fiat-Familie poliert das Saubermann-Image Erdgas-Bären und grüne Transporter

Seit der Diesel-Skandal den Markt verunsichert, steht die Branche unter Strom. Noch aber fährt die E-Mobilität mit angezogener Handbremse, weshalb die Hersteller kräftig Gas geben. Fiat zum Beispiel.

von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Die Italiener sehen sich als Vorreiter einer Entwicklung, die unter dem Kürzel CNG (Compressed Natural Gas) jetzt so richtig in die Gänge kommen soll. Schon vor 20 Jahren haben die Turiner mit dem Marea ihr erstes Erdgasauto vorgestellt. Seither sind mehr als 740 000 Fahrzeuge mit dieser nachhaltigen Technologie auf die europäischen Straßen gerollt. Aktuell ist das Portfolio mit zwölf Pkw- und Nutzfahrzeugmodellen gut bestückt. Spitzenreiter ist der Panda mit allein 300 000 Einheiten.
Die Akzeptanz für alternative Antriebe wächst aber auch in Deutschland. Allein im vergangenen Jahr hat sich laut Kraftfahrtbundesamt die Zahl der Neuzulassungen in diesem Bereich vervierfacht. Da sieht sich Fiat mit aktuell acht auf den deutschen Markt abgestimmten Modellen – vom bärigen Panda bis zum riesigen Ducato - gut gerüstet.

Voll ausgereift

Die Vorteile sind unbestritten: Während die Stromer noch in den Kinderschuhen stecken, sind die CNG-Antriebe heute schon voll ausgereift. Erdgas steht als Beiprodukt der Erdölförderung nahezu unbegrenzt zur Verfügung, kostet weniger, womit sich auch die höheren Anschaffungskosten von gut 2000 Euro schnell amortisieren. Und in Sachen gesunde Umwelt fahren CNG-Autos Bestnoten ein: saubere Verbrennung, kaum Kohlendioxid und praktisch keine Rußpartikel.

Besonders nachhaltig wird die Geschichte dann, wenn dem Erdgas noch mehr Bio-Methan beigemischt wird, wie man es etwa aus Biomasse auch regional gewinnen kann. Und da ist das Reservoir nahezu unerschöpflich. Fiat erprobt das gerade mit einem Großprojekt im Raum Mailand.

Voll alltagstauglich

Und wie fährt sich so ein Erdgas-Auto? Problemlos und voll alltagstauglich. Der Fahrer merkt kaum etwas von dem, was sich da unter der Haube abspielt. Fiat rüstet die CNG-Flotte ja bis auf die Ducato-Modelle bivalent aus. Heißt: Der Motor wird beim Start zuerst mit Benzin versorgt, nach fünf Sekunden schaltet die Elektronik automatisch auf Erdgas um. Sinkt der Druck im Gastank unter elf bar, geht’s anders rum. Und will der Fahrer selbst Hand anlegen, dann kann er das per Knopfdruck. Der Ducato dagegen ist monovalent auf Erdgas ausgelegt, hat aber einen 15-Liter-Tank für den Notfall an Bord.

Der kann schneller eintreten, als so manchem lieb ist. Zwar gibt es in Europa rund 3400 Erdgastankstellen, allein ein Drittel davon in Italien, in Deutschland allerdings sind es gerade einmal 900. Bis ins Jahr 2025 sollen es mehr als doppelt so viele sein. Da ist dann wohl auch wie bei den Stromern ein bisschen politischer Anschub von Nöten. “Nachhaltigkeit”, sagt Fiat Marken-Chef Roberto Debortoli, “ist mehr als nur die Reduzierung von Abgasen. Die Autofahrer brauchen verfügbare und bezahlbare Mobilität.”

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