18.06.2017 - 15:30 Uhr
Deutschland & Welt

Volkswagen sprengt jetzt die Klassen Mit dem Polo zum Golf(en)

Er war immer der kleine Bruder des Golf. Nun eifert der Polo dem Klassenprimus der Kompakten auch anderweitig nach und gründet eine eigene Klasse. Denn mit "Klein"-Wagen hat die sechste Generation nun nur noch das Attribut gemein.

Weltpremiere in Berlin feierte jetzt der neue Polo. VW-Chef Herbert Diess setzt große Hoffnungen in die sechste Generation des Bestsellers. Bild: bz
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Der Polo ist zwar ein "Brot- und Butter-Auto", aber für Volkswagen ebenso wichtig wie der Golf selbst. Vor allem im Segment der Kleinen, wo der Wolfsburger aber die Rolle des Großen übernimmt. In West-Europa und China ist der Polo eh schon Marktführer. Über 14 Millionen Einheiten sind seit 1975 verkauft worden. Mit der Neuauflage will VW neue Märkte erobern und nimmt da vor allem Südafrika und Lateinamerika in den Blick.

Größter Polo aller Zeiten

Weil der große Bruder längst dem Passat auf die Pelle gerückt ist, wächst von unten der Polo nach. In der Länge auf 4053 Millimeter, 81 mehr als beim Vorgänger. Wesentlich interessanter aber ist der 9,5 Zentimeter längere Radstand. Das bringt nicht nur Größe in den Innenraum, sondern wirkt sich auch deutlich auf das Fahrverhalten aus. Außerdem ist das Blechkleid fast 7 Zentimeter breiter, dafür aber 7 Millimeter niedriger geworden. Und zu guter Letzt gibt es auch noch 71 Liter mehr Kofferraum. Das alles sind Werte, wie sie die Gölfe früherer Jahre gerade mal erreicht haben. Und so reklamiert der Neuling, der wie der Seat Ibiza auf dem Modularen Querbaukasten fußt, den Titel des "größten Polo aller Zeiten" für sich.

Sportlich und kraftvoll präsentiert er sich jedenfalls bei seinem ersten Auftritt am Freitag vor der versammelten Motorjournaille aus aller Welt in Berlin auf der Showbühne. Von einer charismatischen Erscheinung spricht Chef-Designer Klaus Bischoff. Ausdrucksstark und dynamisch ist die gestreckte Silhouette dank der pfeilförmigen Tornadolinie allemal. Die Front ist selbstbewusster, das Heck markanter und schärfer. Da passt es auch irgendwie, dass der Polo jetzt generell nur noch als Viertürer zu haben ist.

Wie in einer anderen Welt

Ein "großes kleines Auto", wie es VW-Chef Herbert Diess bei der Weltpremiere nennt. "Ein Auto für Jedermann, das aber Hightech demokratisiert und neue Standards setzt." Denn für den Polo gibt es jetzt Assistenz- und Komfortsysteme, die bisher nur Golf und Passat vorbehalten waren. Und der Kleine darf auch Vorreiter spielen und bietet als Erster im Konzern eine neue Generation des digitalen Cockpits. Serienmäßig gibt es dann zum Beispiel schon eine Umfeldbeobachtung samt City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung. Er hilft beim Ein- und Ausparken, bremst und beschleunigt je nach Verkehrslage radarbasiert selbst und warnt vor Fahrzeugen im toten Winkel. Schlüssellos lässt sich der neue Polo starten und abstellen. Und in Sachen Unterhaltung und Konnektivität will der Wolfsburger neue Akzente setzen. Dazu gibt es eine eigene User-Plattform "We by Volkswagen". Alles in allem sollen sich die Fahrer "wie in einer anderen Welt" fühlen, sagt Klaus Bischoff. Ob der neue Polo hält, was VW verspicht, müssen erst noch erste Testfahrten zeigen.

Start/Stopp Serie

An den Start geht die Neuauflage mit neun Motoren. Die Bandbreite reicht bei den Benzinern von 65 bis 150 PS, dazu kommt noch ein Zweiliter GTI mit 200 PS. Auf der Dieselseite stehen zwei 1,6-l-TDI mit 80 und 95 PS. Ganz neu ist ein Einliter-TGI, also ein Erdgas-Motor, der es auf 90 PS bringt. Alle Aggregate sind serienmäßig mit Start-Stopp-System und Rekuperation ausgestattet. Auf die Straße kommt die Kraft je nach Antrieb mit 5- und 6-Gangschaltung oder einem siebenstufigen DSG.

Drei Ausstattungslinien, 14 Außenfarben und diverse Pakete wie das sportliche R-Line lassen jede Menge Individualisierungsmöglichkeiten. Mit dabei auch Sondermodell "Beats" mit einer 300 Watt starken Soundanlage. Mit einem Startpreis von 12 975 Euro wird man da aber nicht recht weit kommen.

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