27.03.2018 - 21:17 Uhr
Deutschland & Welt

Volkswagen stellt in Peking mit dem Touareg das neue Flaggschiff vor Wüstensohn im Reich der Mitte

VW’s erster Ausflug in die Oberklasse fand nicht den erwarteten Zuspruch. Nach nicht einmal 15 Jahren musste der luxuriöse Phaeton die Segel streichen. Jetzt läuft ein neues Flaggschiff aus. Und das hat eine ganze Armada im Schlepptau.

von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Den Stapellauf verlegte Volkswagen kurzerhand nach China. Aber nicht die große Motorshow Ende April in Peking sollte die Bühne für die Weltpremiere des neuen Touareg bilden, sondern jetzt vier Wochen zuvor ein sogenannter “SUV Brand Day” mit rund 1000 Gästen. Aus gutem Grund: China ist der wichtigste Markt der Wolfsburger. Und der wächst rasant.

Die Marktführerschaft im bevölkerungsreichsten Land der Erde ist aber keine “g’mahde Wies’n”, weshalb die Wolfsburger mit dem neuen Touareg schon mal einen festen Pflock setzen. In der dritten Generation soll der nach dem stolzen Wüstenvolk in Afrika benannte Millionenseller ein Statement abgeben für ausdruckstarkes Design und fortschrittliche Technologien.

Ausrufezeichen

Die VW-Verantwortlichen sprechen von einem Ausrufezeichen auf dem Weltmarkt. Der neue Touareg soll sich komfortabel auf Reisen, leichtfüßig auf Landstraßen und unerwartet handlich in der Stadt behaupten. Der mächtige Vorderwagen hebt das Prestige, dezent geschwungene Seitenlinien und kräftige Kanten sorgen für optische Strukturierung. Ganz markant das Heck mit den zweigeteilten Rückleuchten. Eleganz und Komfort stehen also vorne im Lastenheft. Und Fahrspaß. Aber wie fast alle seiner Art ist auch der neue Touareg eher Stadt-Abenteurer als Geländegänger. “Aber da, wo er robust sein muss, da ist er auch robust”, versprechen die VW-Verantwortlichen beste Fahreigenschaften. Luftfederung, elektronische Wankstabilisierung und eine mitlenkende Hinterachse, die den Wendekreis des Dickschiffs auf das Niveau eines Golfs reduziert, sind hier die wichtigsten Zutaten.

Total digital

Ein erster Ausritt mit dem neuen Zugpferd war uns noch nicht vergönnt, aber eine erste Sitz- und Anfühlprobe. Seiner Bestimmung entsprechend sind die Materialien nur vom Feinsten und die Verarbeitung von höchstem Niveau. Total digital herrscht der Fahrer über eine riesige Displaylandschaft, wie man sie so bislang noch in keinem Fahrzeug gesehen hat. “Innovision Cockpit” nennt VW die Verschmelzung von Bedien-, Informations-, Kommunikations- und Entertainment-Einheit, die nahezu ohne klassische Schalter und Tasten auskommt und die Blaupause für das digitale Interieur von morgen liefert.

Alle Assistenten - die gibt es in rekordverdächtiger Anzahl und meist auch nur gegen entsprechende Entlohnung – sind nicht nur untereinander vernetzt, sondern werden auch zentral gesteuert. Der Fahrer kann sie aber jederzeit ganz nach eigenem  Gusto  selbst konfigurieren. Gesten-Steuerung und Sprachbedienung sind hier die Schlagworte für die von Smartphone bekannte Bedienlogik.

Eine Wärmebildkamera erkennt Personen und Tiere in der Dunkelheit, der Stau- und Baustellenassisent gibt bis zu Tempo 60 einen Ausblick auf teilautonomes Fahren, eine Kamera steuert interaktiv das Abblend- und Fernlicht der LED-Matrix-Scheinwerfer und ein Helferlein reagiert auf den Querverkehr vor dem Fahrzeug. Der neue Touareg kommt im Juni auf den Markt,  zunächst in den Ausstattungsversionen Atmosphere, Elegance und R-Line. Die Preise stehen noch nicht fest.

I.D. Crozz kommt

Die Wachstumstreiber auf dem Automarkt sind SUV. Weltweit übrigens, weshalb Volkswagen dieses Spektrum massiv erweitert. Bis 2020 sollen 19 Modelle im Angebot sein. Aktuell sind das T-Roc, Tiguan und Tiguan Allspace (Europa), der in China als “L” läuft, der Teramont (China) und sein amerikanisches Pendant Atlas, der bald auch als fünfsitzige Variante im Angebot steht, und das Top-Modell Touareg. Am unteren Ende steht der kleine T-Cross, der Ende des Jahres ein neues Segment eröffnen soll. Speziell für den chinesisichen Markt sind noch in diesem Jhr vier neue SUVs geplant. Beschlossene Sache ist das erste vollelektrische SUV von Volkswagen. Der I.D. Crozz wird 2020 auf den Markt kommen.

Die Markstrategen wissen: Touareg-Fahrer sind häufig dort zu finden, wo es um Reitsport geht. Entsprechend häufig wird in der Ausstattungsliste das Häkchen bei Anhängekupplung gesetzt. Schließlich darf der bärenstarke Wüstensohn bis zu 3,5 Tonnen ziehen. Überdurchschnittlich viele Fahrer haben eine eigene Firma, sind selbstständig und technik-affin. Allerdings gibt es auf den Hauptmärkten doch interessante Unterschiede. In Europa sind die Touareg-Besitzer im Schnitt 55 Jahre alt, in Russland 43 und in China gar nur 41 Jahre. Entsprechend ist der Anteil der Touareg-Fahrer mit jüngeren Kindern in China bei 65 Prozent, in Russland beio 47 und in Europa nur 31 Prozent.

Stattliche Erscheinung

Der neue Touareg ist auf das stattliche Maß von 4,88 Meter (+77 Millimeter) gewachsen und hat in der Breite auf 1,98 Meter (+44 mm) zugelegt. Dafür ist er mit 1,70 Meter (-7 mm) einen Tick niedriger geworden. Der Kofferraum fasst jetzt 810 Liter (+113 l). Dank Mischbauweise hat das Top-Modell 106 Kilo abgespeckt.

VW wird den Neuen in Europa zuerst mit zwei V6-Diesel mit 231 und 286 PS (500 und 600 Newtonmeter maximales Drehmoment) anbieten. Ein V6-Benziner mit 340 PS (450 Nm) und ein Achtzylinder-Turbodiesel mit 421 PS (900 Nm) folgen für verschiedene Märkte. Wann der zunächst für China vorbereitetet Plug-in-Hybrid (367 PS) den Weg nach Europa findet, ist derzeit noch unklar.

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