100.000 Besucher an vier Tagen beim Rudolstadt-Festival
Klänge aus Wasser und der Welt

"Yellow on the Broom"
 
"La Mambanegra" reißt auch zu mitternächtlicher Stunde mit einer schweißtreibenden Mischung aus Salsa, Funk, Reggae und jamaikanischen Rhythmen das Publikum mit. Bild: Ibl

Folk ist lebendig. Folklore ist in Bewegung und schon gar nicht auf reine Tradition festgelegt. Den besten Beweis für die Vielfalt der Musik auf allen Erdteilen liefert das Rudolstadt-Festival.

Rudolstadt. Am frühen Abend singen die Akteure des Projekts "Yellow on the Broom" ausdrucksstarke alte schottische Lieder von Wanderarbeitern, Vagabunden, Gauklern und anderem umherziehenden Volk. Kurz nach Mitternacht in intimer Clubatmosphäre im Soziokulturellen Zentrum Saalegärten und am nächsten Tag dann auf der Konzertbühne im Heinepark zeigen "Niteworks" von der "Isle of Skye", wie man die epischen Songs der Groß- und Urgroßeltern mit modernen Sounds von Rap über Techno und Elektronik passend für den Dancefloor zusammenbringt. Sie beweisen: Das klappt mit Dudelsack und sogar auf Gälisch hervorragend. Und bei der Zugabe geben "Yellow on the Broom" ein klares Bekenntnis ab, dass sie trotz aller traditionellen Songs auch für das Hier und Jetzt stehen. Sie breiten eine schottische Fahne mit EU-Sternen aus und demonstrieren ihre Sympathie für Europa und gegen den Brexit.

Ausgezeichnete Musiker

Ähnlich, wenn auch nicht in ganz so krasser Stilverbindung, machen "Alma" Musik. Die vier Österreicherinnen und ein Mann, der ebenfalls aus der Alpenrepublik kommt, erkunden ihre alpenländisch, musikalischen Wurzeln einschließlich der Jodler, und streichen sie mit drei Geigen, Kontrabass und Akkordeon neu an. Den Juroren des Weltmusikpreises "Ruth" war das am Wochenende eine Auszeichnung wert.

Weitere Preisträger 2017 sind Ringsgwandl, die Anti-Pegida, Osteuropa, Südamerika, Nordafrika und sonst woher Stilmixer von "Banda Internationale" aus Dresden sowie der lange Jahre in Berlin, Zürich und Bamberg lehrende Ethnomusikwissenschaftler Max-Peter Baumann.

Rekordbesuch mit 100.000 Gästen jeden Alters an den vier Tagen meldeten die Festivalmacher. Und obwohl die Organisatoren davon sprachen, dass die Veranstaltung in dem thüringischen 23 000-Einwohner-Städtchen an der Saale damit an ihre Grenzen stoße, ging es doch gemütlich und rücksichtsvoll zu.

Über 1000 Künstler aus 41 Ländern bestückten die mehr als 30 Auftrittsflächen von den drei großen Bühnen auf der Heidecksburg, dem Marktplatz und dem Heinepark bis zu den versteckteren Ecken wie dem Obstgarten im Bauernhofmuseum, dem Handwerkerhof oder dem Schallhaus sowie Straßen und Plätze.

Vielfältig und faszinierend

So vielfältig die Orte, so faszinierend sind auch die akustischen Entdeckungsmöglichkeiten beim Gang durch die Stadt. Mit vielen Namen können nur Experten etwas anfangen. Doch das ist auch das schöne an diesen vier Festivaltagen. Sich treiben lassen, sich überraschen lassen auch von so exotischen Klängen wie denen von "Sutari" und "Riho". Sutari sind drei Damen aus Polen, die sogar Wassertropfen in der Schüssel als Instrument gebrauchen. Die acht Männer von "Riho" kommen aus Swanetien, einer abgelegenen Gegend in Georgien.

Als Höhepunkt neben dem Auftaktkonzert mit Amy Macdonald und der Reggaelegende "Toots & The Maytals" gilt seit zehn Jahren das Konzert mit den Thüringer Symphonikern am Freitag. Der Zyklus "I Eat the Sun and Drink the Rain" von und mit dem Elektronik-Komponisten Sven Helbig spaltete die Zuhörer. Dunkel-melancholische Klänge für Chor, Orchester und Electronics hinterlegt mit hypnotischen Videos des Isländers Máni M Sigfússon erinnerten den einen an Werke von Mahler und den anderen an schier unendlich dahinwabernde Sphärenmusik.

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