24.02.2017 - 14:18 Uhr
Deutschland & Welt

50 Jahre "Revolver"-Cover Der Grafik-Revolutionär

Dass die Beatles mit ihrem im August 1966 erschienenen siebten Studioalbum "Revolver" eine musikalische Zeitenwende einläuteten, ihrer Karriere damit einen geradezu monströsen Kreativ-Schub nach vorne bescherten, war sämtlichen Beteiligten rasch klar. Doch nicht nur die aufregend-visionäre Musik machte "Revolver" zu einem künstlerischen wie kommerziellen Mega-Erfolg.

John Lennon unter Brücke in Hamburg: "Die Beatles und viel der anderen englischsprachigen Bands brachten mit ihrer lockeren, humorvollen Art eine unglaubliche Lebensfreude in das Hamburg der Nachkriegszeit", erinnert sich Voormann.
von Autor MFGProfil

Gerade das in seiner - auf den ersten Blick - Unaufgeregtheit daherkommende Cover sorgte für Furore. Verantwortlich dafür zeichnet (im wahrsten Sinne des Wortes) der in Berlin geborene Designer und Grafiker Klaus Voormann. Der heute 78-jährige, seit Jahrzehnten mit Gattin Christina am Starnberger See lebend, kennt die "Fab Four" Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und (später dazu gekommen) Ringo Starr seit 1960. Damals lebte Voormann in Hamburg, besuchte durch puren Zufall eines Abends den im Stadtteil St. Pauli ansässigen wilden Club "Kaiserkeller". Dort gastierten Nacht für Nacht die "Silver Beatles", wie sich die Gruppe aus Liverpool damals nannte. Der eher scheue Mann war von Beginn an völlig elektrisiert von der rohen Rock 'n' Roll-Energie jener Formation, lernte die Protagonisten hinter der Bühne bald kennen. Es sollte der Beginn einer bis heute andauernden wunderbaren Freundschaft werden.

Im Frühjahr 1966, Voormann hatte seine Zelte inzwischen in London aufgeschlagen und arbeitete parallel als Grafiker und Bassist etwa für die Band von Manfred Mann, bekam der Berliner einen Anruf von einem gewissen "John". Rasch stellte sich heraus, dass es sich um den weltberühmten Beatle Lennon handelte, der in seiner berüchtigt-brüsken Art fragte, ob der introvertierte Schlaks aus Deutschland Cover-Ideen hätte für die nächste Platte der Beatles.

Voormann machte sich ans Werk, überzeugte mit seiner Arbeit zunächst die "Fab Four" sowie deren Management, später die Fans und gleich darauf auch die Kommission, welche für die Verleihung des wichtigsten Musik-Preises der Welt, den "Grammy", verantwortlich ist. Das nahezu Unfassbare geschah am 2. März 1967: Klaus Voormann erhielt die begehrte Trophäe in der Kategorie "Bestes Album-Cover".

Aus dieser faszinierenden Anekdote hat Klaus Voormann eine Graphic-Novel mit stolzen 152 Illustrationen gefertigt. "Birth Of An Icon - Revolver 50" nennt sich der dazu gehörige Band, der nicht nur die Comic-Geschichte enthält, sondern auch Beiträge von einigen der aus dem "Revolver"-Umfeld stammenden, allen voran die beiden noch lebenden Beatles Paul McCartney und Ringo Starr. Es ist eine beeindruckendes Werk entstanden, beileibe nicht nur für "Fab Four"-Freaks.

Im exklusiven Interview mit der Kulturredaktion erzählt ein gut gelaunter Klaus Voormann einige Geschichten mehr als im Buch rund um die Entstehungsgeschichte von "Revolver". Zum Beispiel auch über die Verleihung des "Grammy", den er damals persönlich nicht entgegen nahm.

Am 2. März jährt es sich zum 50. Mal, dass Sie mit dem "Grammy" für das Cover des Beatles-Albums "Revolver" ausgezeichnet worden sind. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Klaus Voormann: Ich habe das Nominierungs-Schreiben aus den USA mit der Post zugeschickt bekommen. Das hat mich sehr beeindruckt, ich war immens stolz darauf. Aber nur wegen einer Nominierung habe ich nicht eine Sekunde lang darüber nachgedacht, dass ich auch den Preis erhalte. Deshalb habe ich diesen Termin verdrängt. Schließlich war ich damals Bassist bei der Band von Manfred Mann, der war mein Hauptauftraggeber, von diesem Engagement habe ich meinen Lebensunterhalt bestritten, wir waren fast pausenlos auf Tournee.

Ein paar Tage nach der Verleihungs-Zeremonie habe ich einen Anruf vom Beatles-Management gekriegt: "Klaus, du hast den "Grammy" gewonnen", wurde mir mitgeteilt. "Aber weil du nicht zu erreichen warst, hat Clive, der Bruder von Beatles-Manager Brian Epstein, das Ding für dich entgegengenommen. Wir werden es dir in den nächsten Tagen zukommen lassen." Ich war erschüttert vor Begeisterung, konnte mein Glück kaum fassen.

Als Sie das "Revolver"-Cover fertig hatten, war Ihnen in diesem Moment schon seine Einzigartigkeit bewusst?

Wenn man sich andere Cover aus dieser Ära ansieht, damals war ja Farbenprächtigkeit schwer angesagt, dann war mir klar: Die "Revolver"-Verpackung ist anders, durch die Schwarz/Weiss-Fixierung total außergewöhnlich. Auch die Tatsache, dass nirgendwo das Markenzeichen "The Beatles" zu finden war, weil alle Beteiligten davon ausgingen, dass jeder potenzielle Käufer die vier von mir gezeichneten Köpfe erkennen wird, war jenseits des Üblichen. Diese Hülle war in jeglicher Hinsicht revolutionär, das ist richtig.

Jetzt ist Ihr Buch "Birth Of An Icon - Revolver 50" erschienen, in dessen Mittelpunkt eine Graphic Novel zu finden ist, in der Sie in Wort und vor allem gezeichnetem Bild nochmals die Episode aufrollen, wie es dazu kam, dass Sie von den Beatles beauftragt wurden, das "Revolver"-Cover zu gestalten. Wie authentisch ist der Comic?

Ich habe definitiv nichts erfunden oder ausgeschmückt! Vielleicht ist nicht jeder Dialog 1:1 rekonstruiert, mag sein. Aber das Gefühl, das in jenen Wochen herrschte, in denen ich am Artwork saß, habe ich zu hundert Prozent erfasst. Dafür war die ganze Geschichte auch zu ungewöhnlich, um etwas auszuschmücken. Der Umstand, dass John Lennon mich anrief, mir den Auftrag erteilte, mir freie Hand bei der Gestaltung ließ und stoisch meinte: "Jetzt mach einfach mal. Wir glauben an dich und deine Kunst." Dieser Umstand musste nicht verherrlicht werden. Er war einfach nur herrlich.

Welchen Bezug haben Sie ganz allgemein zum "Grammy", wie wichtig ist Ihnen so eine Prämie?

Ich habe eine ganz generelle Einstellung zu dieser Art von Auszeichnungen: Als unabhängiger Künstler, der ich mein Leben lang war, hätte ich lieber ein ordentliches Preisgeld bekommen und nicht nur die "50 British Pounds" vom Beatles-Management. Ich bekam ein Schulterklopfen von allen Beteiligten und dieses merkwürdige "Grammy"-Teil. Doch von solchen Dingen alleine kann man sich fast nichts kaufen. Ein ordentlicher Scheck hilft da schon eher weiter.

In "Birth Of An Icon" wird immer wieder betont, dass Sie mit allen vier Band-Mitstreitern freundschaftlichen Kontakt pflegten, aber George Harrison war definitiv Ihr Lieblings-Beatle. Pflegen Sie noch Umgang mit dessen Witwe Olivia Harrison?

Den hatte ich über etliche Jahre nach dem Tod von George, aber er ist mehr und mehr eingeschlafen. Ich könnte Olivia jeder Zeit anrufen, ihre Privat-Nummer besitze ich. Aber warum sollte ich das tun? Solche Leute pflegen einen ganz anderen Lebensstil als ich, sie sind im Jetset verankert. Damit habe ich nichts am Hut. Außerdem traf Olivia wesentlich später als ich auf George. Eine kleine Eifersucht hat da immer geherrscht zwischen allen Involvierten. Obwohl diese Aussage jetzt bitte nicht dahingehend verstanden werden soll, dass ich die Witwe von George nicht leiden kann. Das Gegenteil ist der Fall! Nur leben wir in völlig verschiedenen Sphären.

Wie kam es zum Buch "Birth Of An Icon", wer trat auf wen zu?

Diese Idee, die Entstehungsgeschichte vom "Revolver"-Cover als Graphic Novel aufzuarbeiten, hatte ich selbst bereits vor einigen Jahren. Und eines Tages habe ich mich in meinem Atelier einfach an die Arbeit gemacht. Das alles war eine komplett neue Erfahrung für mich. Ich hatte viel Spaß dabei, obwohl mich das Ding alles in allem 18 Monate Zeit gekostet hat. Man kann sich vorstellen, dass es nicht immer lustige Tage waren, während die Sache Gestalt annahm. Doch die Freude daran hat definitiv überwogen.

Paul McCartney und Ringo Starr haben Vorworte für das Buch geschrieben. Wie kam es dazu?

Ich habe Paul und Ringo die erste Version der Graphic Novel zum Abnicken zukommen lassen. Ringo hat von sich aus spontan das kleine, jetzt veröffentlichte Begleitschreiben an mich geschickt. Paul wiederum bat ich um einen Kommentar, wozu er sich auf der Stelle bereit erklärt hat. So einfach geht das, wenn man entsprechend viel Zeit im Leben miteinander verbracht hat.

Am 8. März wird das "Grammy-Museum" in Los Angeles, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums zur Verleihung des "Grammy" an Sie, eine Sonder-Veranstaltung organisieren. Was ist davon zu erwarten?

Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung. Ich weiß nur, dass meine Frau und ich fest vorhaben, dorthin zu fliegen und an der Feier teilzunehmen. Immerhin ist es ein Fest, das ausschließlich für mich ausgerichtet wird. Ich freue mich schon riesig darauf.

Ist es manchmal frustrierend, dass Klaus Voormann und sein Schaffen häufig alleine auf das Cover von "Revolver" reduziert werden?

Das ist nur in Deutschland so. In Japan oder in den USA ist das völlig anders, da wird meine komplette Biografie gewürdigt. Sprich: Bassist etwa für Manfred Mann, Lou Reed, Carly Simon, James Taylor oder Harry Nilsson gewesen zu sein, Covers für etwa die Bee Gees oder Trio entworfen zu haben ... Ich habe eine Menge gemacht, bin nicht ausschließlich der "fünfte Beatle", als der ich immer wieder gerne tituliert werde.

Wie schätzen Sie den künstlerischen Wert des "Revolver"-Covers heutzutage ein?

Das wird auch in der Zukunft eine sehr außergewöhnliche Arbeit bleiben. Einfach weil es speziell ist. Ebenfalls die Umstände, wie die Sache entstanden ist. Eines kam zum anderen. Und mit einem Mal war alles perfekt.

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