"A Secret Wish" von Propaganda wiederveröffentlicht
Sommer-Propaganda

 

Es herrschte Aufbruchstimmung zu Beginn der 1980er in der westlichen Popmusik-Branche. Auch und gerade in Deutschland. Das Aushängeschild für "Neo-Romantics" war, wenn letztlich allerdings für gerade mal einen Sommer und mit einem einzigen erfolgreichen Album, die Düsseldorfer Synthiepop-Band Propaganda.

Es gab die "Neue Deutsche Welle", repräsentiert unter anderem von den Neo Schlager-Wiedergängern Nena, Marcus oder - etwas unkonventioneller - den Fehlfarben. Es gab die wilden, dennoch kommerziell erfolgreichen Dadaisten wie DAF sowie Trio. Und es gab die "Neu-Romantiker", die sich an Genre-Koryphäen wie den englischen Formationen Human League, Orchestral Manoeuvres In The Dark oder Depeche Mode orientierten und entsprechend Englisch statt Deutsch sangen.

"A Secret Wish"

Dieses "eine einzige" wegweisende Werk von Propaganda nennt sich "A Secret Wish", ist im Juli 1985 erstmalig erschienen und gerade eben in digital remasterter Version auf LP und CD neu veröffentlicht worden. Die neun Stücke darauf haben nicht den Hauch von Patina angesetzt in über drei Dekaden, stattdessen kommen sie in ihrer Kühle und strengen Strukturiertheit erstaunlich zeitlos daher, ganz an den großen Elektro Pop-Vorbildern Kraftwerk bzw. den Meisterwerken der Stummfilm-Regiekoryphäe Fritz Lang orientiert.

Das bekannteste Stück von "A Secret Wish" - "Dr. Mabuse" - ist den wohl bekanntesten Streifen von Lang gewidmet: Der Trilogie gleichen Namens, ästhetisch und politisch visionär ein Jahrhundertwerk.

"Die kurze Zeit, die Propaganda existiert hat, war erstaunlich", wundert sich Keyboarder sowie Gründungsmitglied des Quartetts, Ralf Dörper, bis heute. Der inzwischen 58-jährige hatte vor Gründung des Vierers, der aus zwei Männern und zwei Frauen bestand, bei der Industrial-Ikone Die Krupps mitgewirkt. "Aber 1982 stieg ich aus, weil mir der Sound der Gruppe zu sperrig und unharmonisch war", reflektiert Dörper. "Ich wollte mehr Melodie."


Alles ging sehr schnell

So entstand 1982 Propaganda zusammen mit dem klassisch ausgebildeten Percussionisten Michael Mertens sowie den Sängerinnen Susanne Freytag und Claudia Brücken. Im Hintergrund agierte der Programmierer Andreas Thein. Mit einem Mal ging alles ganz schnell, wie sich Dörper erinnert: "Der berühmte englische Produzent und Musiker Trevor Horn, der unter anderem an den Buggles - "Video Killed The Radio Star" war ein Monster-Hit - plus bei den Prog Rock-Koryphäen Yes an Bord war, hatte gerade sein ZTT-Label initiiert. Das feierte mit den Kult-Gruppen Art Of Noise und vor allem Frankie Goes To Hollywood Riesen-Erfolge. Horn wollte uns unbedingt unter Vertrag nehmen. Wir unterzeichneten. Und lösten durch diese Unterschrift eine immense Erfolgswelle los."

Über eine Million mal

Tatsächlich verkaufte sich "A Secret Wish" bis heute weit über eine Million Mal. Das Quartett siedelte nach London über, damit dem weltweiten Erfolg nichts im Wege steht. Doch alles kam anders: "Nachdem sich abzeichnete, dass unsere Scheibe ein großer Erfolg wird", meint Dörper rückblickend ziemlich frustriert, "begann Trevor Horn, uns finanziell über den Tisch zu ziehen, mit unlauteren Verträgen. Erschwerend hinzu kam, dass Claudia Brücken inzwischen mit ZTT-Manager Paul Morley verheiratet war. Diese ganzen zwischenmenschlichen Spannungen haben Propaganda letztlich das Rückgrat gebrochen."

Nach langem Rechtsstreit gelang es der Band - ohne Claudia Brücken -, den Vertrag zu verlassen. Propaganda wechselte zu "Virgin Records". Doch das dort erschienene Album "1234" hatte lediglich mäßigen kommerziellen Erfolg. "Wir haben uns zwar immer wieder unter altem Namen reformiert", seufzt Dörper frustriert, "doch wir konnten nie mehr an die Erfolge von einst anknüpfen."

Was bleibt, sind Memorabilia an eine "spannende, wenn auch viel zu kurze Ära", meint Dörper. Und es bleibt dieser Klassiker namens "A Secret Wish", den es - in liebevoll gestalteter Edition plus einem aufschlussreichen Booklet-Text des englischen Star-Musikjournalisten Ian Peel - neu zu entdecken gilt. Keine Frage, diese Musik trägt die Elektro Pop-Handschrift der 1980er. Doch sie ist weit mehr als ein verstaubtes Dokument jener Zeit. Weiterhin so genialisch und unsterblich wie ein Album von Kraftwerk oder ein Film von Fritz Lang. Irgendwie unübertrefflich, auf seine ganz eigene Art und Weise.

Bild: Peter Brown

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